Lesebericht zu „Bretonische Flut“ von Jean-Luc Bannalec

bretonische-flut_bannalec_buch_blog_oliver-steinhaeuser_rezensionDer nahende 75te Geburtstag seiner Mutter setzt Kommissar Dupin seelisch zu. Da kommt ihm der Mordfall in der Fischhalle, der seine Anwesenheit auf diesem Jubiläum in Gefahr bringt, beinahe gelegen. Doch als kurz darauf zwei weitere Mordopfer gefunden werden, beginnt für Georges Dupin eine mit Mythen gepickte Ermittlung, die ihn an die Grenzen seiner eigenen Vorstellungskraft bringt.


Gerade nun, wo die Tage kürzer werden, sich der Frühtau zu kleinen störrischen Eiskristallen verwandelt und die Wiesen bedeckt, wünscht man sich in die idyllische sommerliche-warme Bretagne.


Im Zentrum des Buches steht, wie kann es anders sein, die Mordermittlung. Allerdings nutzt Bannalec „Bretonische Flut“ auch zur Expedition in die bretonische Geschichte sowie in die Welt der Sagen und Legenden der im äußersten Westen gelegenen Region Frankreichs. In diesem Gleichgewicht steht und fällt die Urteilsfindung des Lesers. Man kann wahrlich von einem Gleichgewicht aus Ermittlung und Mythen sprechen, da die Legenden mehr als ein schmückendes Beiwerk sind. Sie nehmen eine zentrale Rolle in Dupins Fall ein und ziehen den Leser immer wieder fort in beeindruckende Sagenwelten. Beeindruckend, wenn man empfangsbereit für Abschweife und glorifizierte Erzählungen ist. Demjenigen, der sich bevorzugt allein dem Fall widmen möchte, dem kann diese Ablenkung auch zu viel werden. So geht es dem Kommissar zu Beginn auch. Dupin gibt nicht viel auf die ausschweifenden Erzählungen seines Inspektors Kadeg. Noch weniger glaubt er den mystischen Geschichten, die dieser ihm über die Orte der Ermittlungen erzählt. Doch Dupin wird eines besseren belehrt, denn dieser Fall bringt auch ihn an seine mentale Grenze. Oder ist es gar ein bretonischer Fluch, der ihm ein Streich spielt? Und was steckt hinter der bretonischen Legende um die goldene Stadt Ys, die ihren Untergang in den Wellen des Meeres fand, weil die gierige Königstochter sich einst mit dem Teufel einließ?

Wieder möchte man wissen, wo sich der Kommissar in seinem neuen Fall aufhält, welche Seewege es sind, die ihm so zusetzen. Unweigerlich bedient man sich einer Online-Suchmaschine, sucht die Gegen um Douarnenez kategorisch ab und findet in der Tat die Orte des Geschehens wieder.


griechische-und-germanische-goetter-und-heldensagenBei all den Legenden und Sagen der Bretagne
geht dem Buch- und Medienblog
auch dieses Buch nicht mehr aus dem Kopf:
Griechische und Germanische Götter- und Heldensagen


Ich sitze in der S-Bahn, schlage das Buch zu und zerbreche mir den Kopf über den verschwundenen Fund Dupins. Gedankenversunken stehe ich auf, denn meine Haltestelle naht. An der Tür macht mir ein Herr Platz, indem er sein Buch vor seine Brust nimmt. Es ist „Bretonische Flut“. Automatisch zücke ich während des Aussteigens mein Exemplar aus der Tasche, schmunzle und zeige es ihm. Ob auch er dem bretonischen Bann erlegen ist? Jedenfalls ist mein Tag – nach einem turbulenten Tag im Büro – gerettet.

Jean-Luc Bannalec
Bretonische Flut
ISBN: 978-3-462-04937-4

Advertisements

5 Gedanken zu “Lesebericht zu „Bretonische Flut“ von Jean-Luc Bannalec

      • Du liegst mit deiner Lektüre aber auch immer voll im Trend. 🙂 Ich gucke mir die Mensche in solchen Situationen dann genauer an, weil man sich ja irgendwie direkt mit Personen identifiziert, die sich für die gleichen Bücher begeistern…
        In der Bretagne war ich noch nicht. Ich bin eigentlich bekennender Bruno-Fan, da oft im Périgord unterwegs. Aber langsam muss etwas Abwechslung her. Daher gehe ich jetzt mit Kommissar Dupin „fremd“. 😉

        Gefällt mir

      • Ich versuche immer up to date zu sein und von allem etwas dabei zu haben. Kriminalromane mit charmant, aber vor allem real beschriebener Szenerie bieten dabei eine schöne Abwechslung zu harten Thrillern. Es ist dann vielmehr, als nur ein Fall. Es ist ein Ausflug, eine Realitätsflucht in eine Art Urlaub. Besonders wenn man sich während der Lektüre google maps bedient Schauplätze sucht und „nachspioniert“.
        Die Bruno-Krimis kenne ich inhaltlich gar nicht.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s