Reisebericht aus Südtirol – Teil 1 – Lengmoos – Lana – Rastenbachklamm – Klobenstein

Teil 1       (Teil 2 erscheint in 14 Tagen, am 29. Juni 2018)
Reisezeit: Ende März


Bereits im vergangenen Sommer legten wir auf unserer Heimreise vom Gardasee einen Zwischenstopp in Bozen ein. Dass ein Mittagessen allein die Sehnsucht nach Südtirol nicht stillen würde war klar. Der Buch- und Medienblog begab sich deshalb sehr bald auf die Suche nach dem richtigen Quartier für den Osterurlaub Ende März 2018. Umso besser, dass der Bruckmann Verlag auf der Frankfurter Buchmesse ausgerechnet mit seinem neuen Reiseführer „Südtirol – Zeit für das Beste!“ aufwartet!

Das Reisebuch orientiert sich an der Route über den Fern- und Reschenpass. Kurvenreiche und gerade zur Ferienzeit vollgestopfte Straßen durch das Allgäu und den Vinschgau. Fünfzig Stationen stellen die beiden Autoren Hüsler und Bernhart auf der Tour durch Südtirol vor, angefangen am Reschensee, über Meran, Bozen und Umgebung bis zu den drei Zinnen im Osten Südtirols (östliche Dolomiten). Durch den Verzicht auf eine genauere Unterteilung in die Regionen Südtirols, erhält der Leser während der Reiseplanung das Gefühl, als ginge er auf einen Road Trip durch Südtirol. Was zunächst ungewohnt ist, verleitet den Buch- und Medienblog jedoch dazu, zumindest das Ankommen in Südtirol durch den Vinschgau genau entlang dieser Route zu planen.

Die Regionen Südtirols

Die Regionen Südtirols

Da sich unsere Reise aufgrund einer Starthilfe durch den ADAC um über zwei Stunden verzögert und der Osterverkehr bereits das Überqueren des Fernpasses zu einer Tortur macht, entscheiden wir uns unterwegs, auf die A13 in Österreich auszuweichen und über die Brennerautobahn anstatt über den Reschenpass zu fahren.

Unser Quartier beziehen wir in Mittelberg auf dem Ritten. Es liegt direkt am Kaiserweg, der schon vor dem Einziehen der Touristenscharen von manchen Pilgern und deutschen Königen begehrt war. Die einen zogen über den Ritten nach Rom der Vergebung wegen, andere zur Kaiserkrönung. Der beschwerliche Weg über die Berge war stets dem durch Täler vorzuziehen. Die Anstrengungen bei der Überwindung der Höhenmeter in jedem Fall sicherer, drohte im Tal doch stets die Gefahr der Überflutung.
Von Mittelberg unternehmen wir unsere erste Tour, denn die Erdpyramiden in Lengmoos sind zu Fuß erreichbar. Der Tourismusverband des Ritten hat hier an einer Aussichtsplattform außerdem Postkarten, einen Briefkasten sowie eine Tafel mit dem Ansporn „Grüß die Welt“ aufgestellt. Von hier können Postkarten an die Lieben verschickt werden und der Verband sponsert die Karten sowie den Versand. Diese tolle Idee hat der Buch- und Medienblog gleich getestet – und nur eine Woche später erfreuten die Grußkarten ihre Empfänger.

Da das katholisch geprägte Südtirol neben etlichen Kirchen, Burgen und Ruinen eine prächtige Flora und Fauna bietet, ziehen wir zu unserer Wanderplanung zusätzlich den Wanderführer Südtirol aus der Reihe „Wanderspaß mit Kindern“ zu Rate. Dieser gibt auf jeder Startseite seiner insgesamt 47 Tourvorschlägen durch Piktogramme eine schnelle Übersicht zu Laufdauer, Entfernung und ob Wege beispielsweise mit dem Kinderwagen befahren werden können. Das ist besonders nützlich für Eltern, die Wert auf einen gesunden Mix aus Wandern mit der Kraxe und den rückenschonenderen Spaziergängen mit dem Wagen legen.

Wir starten den zweiten Tag mit einem Spaziergang über den Marlinger Waalweg und genießen die Sonne. Von Lana aus laufen wir in Richtung Meran. Ein Ziel haben wir nicht vor Augen. Unterwegs stoßen wir irgendwann auf ein Restaurant und entscheiden uns für ein Eis und die Umkehr.

Erlebnisreicher gestaltet sich der dritte Urlaubstag, an dem wir uns die Rastenbachklamm bei Kaltern anschauen. Damit es nicht so anstrengend wird, fahren wir bis zum Wanderparkplatz Müllereck im Kalterner Ortsteil Altenburg. Da unser Navigationssystem in den Tagen zuvor oft Schwierigkeiten bei der Zielfindung hatte, freuen wir uns besonders über die GPS-Koordinaten im Wanderführer. Durch sie finden wir zweifelsfrei zum richtigen Ort und starten den Abstieg vom Parkplatz durch die Klamm, die wir auf demselben Weg auch wieder hinaufsteigen, um auf dem Aussichtspunkt an der Hangkante hinunter zum Kalterer See zu blicken. Auf der Plattform rasten wir für eine Brotzeit und fahren anschließen ca. 5 km zur Standseilbahn hinauf den Mendelpass.

Auf die Fahrt mit der Rittner Schmalspurbahn am vierten Urlaubstag freut der Buch- und Medienblog sich ganz besonders, ist es doch sein eigenes kleines Geburtstagsgeschenk. Mit dem historischen Triebwagen geht es vom Bahnhof Klobenstein bis nach Oberbozen. Hier erfolgt der Umstieg in die Rittner Seilbahn, die beinahe mitten hinunter ins Bozener Zentrum führt. Nach der gluten- und laktosefreien Stärkung im Walthers´ am Waltherplatz schlendert man entspannt über die Bozener Wassermauer (Lungotalvera Bolzano)an der Talfer entlang, vorbei am Castel Mareccio (Schloss Maretsch) bis hin zum Castello di Sant’Antonio (Schloss Klebenstein). Dort befindet sich der Zugang zur Oswaldpromenade, die sich zu einem Höhenweg hinaufschlängelt und bis in den Bozener Stadtteil St. Magdalena führt. Wir folgen jedoch vorher der Beschilderung nach Bozen und gelangen so fast direkt bis zur Talstation der Rittner Seilbahn.

Der Reisebericht zu Südtirol wird am 29. Juni2018 fortgesetzt.
Vorschau:
Oberbozen – Barbianer Wasserfall – Trostburg in Waidbruck

Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserEin Reisebericht von Oliver W. Steinhäuser


Vorbereitung der Reise durch:

Eugen E. Hüsler & Udo Bernhart
Südtirol – Zeit für das Beste
ISBN-13: 978-3-7343-2403-1

sowie
Wilfried und Lisa Bahnmüller
Wanderspaß mit Kindern Südtirol
ISBN-13: 978-3-7343-0826-0

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Lesebericht zu „Moonglow“ von Michael Chabon

Wenn Großväter ihre alten Geschichten erzählen und Anekdoten zum Besten geben, horchen Enkel besonders gerne zu. Manch Unglaubliches erfährt man über seine Familie. Überwiegend sind es familiäre Annalen, mit denen die Erzählungen ihren Beginn nehmen. Doch umso länger man seinen Großeltern zuhört, sie einfach erzählen lässt, desto einschneidender werden die Erlebnisse, die die Erinnerung zu Tage fördert. Werden nicht nur ganz neue Aspekte für Enkel offengelegt, sondern auch längst vergessene Schwindeleien des Erzählenden entlarvt.

Auch wenn des Großvaters Geschichten fesseln, erfährt der Protagonist Mike Unglaubliches aus seiner Familiengeschichte. Zum Beispiel von der Begeisterung des Großvaters für den deutschen und späteren US-Amerikanischen Raketenwissenschaftler Wernher von Braun.
Oder den Gefängnisaufenthaltes des Opas sowie der Unterbringung seiner Großmutter in der Psychiatrie.
Typisch einer jeden Biografie besteht auch die des Großvaters in „Moonglow“ aus vielen Einzelgeschichten, bei denen es oft scheint, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Auch das ist nicht untypisch, besteht das Leben doch aus so vielen oft zufälligen und unscheinbaren Facetten. Wie jede Lebensgeschichte, setzt sich am Ende die Summe aus allem Erlebten zu dem Menschen zusammen, den wir lieben und schätzen gelernt haben.

Durch die Zeit, die Michael Chabon als sein Protagonist Mike am Sterbebett seines Großvaters weilt und im einfach zuhört, erfahren wir Leser das, was Chabon uns über seinen Ursprung erlaubt zu erfahren. Ob das Geschriebene immer dem entspricht, was sein Großvater tatsächlich erlebt hat oder gerne so erlebt hätte ist dabei irrelevant. „Ich hatte das Gefühl, meine Geschichte sozusagen „auf die Kette bekommen“ zu müssen, im Hirn wie im Herzen. Wenn möglich, musste ich die Beziehung zwischen den Dingen, die ich in meiner Jugend und Kindheit über meine Familie und deren Geschichte gehört und erfahren hatte, und dem herausarbeiten, was Fakt war.“ S. 412

Aufgrund der angesammelten Vielzahl der Lebensgeschichten am Ende einer Biografie, entwickelt der Zuhörer und Leser eigene Präferenzen. Pickt sich seine Lieblingsanekdoten heraus und möchte alles darüber erfahren. „Moonglow“ eignet sich aus diesem Grund nicht zum linearen Lesen, auch wenn der Roman genau dazu angelegt ist. Dem Buch hätte ein Inhaltsverzeichnis sehr gut gestanden, durch das man – wenn man seine persönliche Lieblingsgeschichten ausgemacht hat – genau zu deren Fortführungen hätte springen können. Ohne dieses hat man gelegentlich das Gefühl halbherzig in weniger beliebten Geschichten zu versinken, ohne sie umschiffen zu können.

Nun kann dieser Kritik aus einer anderen Warte entgegengesetzt werden, dass genau dieses ineinander schwimmen der Geschichten absichtliches Stilmittel ist. Denn dem scheidenden Leben ist die Reihenfolge weniger wichtig, als die generelle Erleichterung und Freude über das Erlebte zu sprechen. Und wer einmal erzählt, der springt automatisch zwischen nicht durchweg nachvollziehbaren Sequenzen hin und her.

Wer das Glück noch lebender Großeltern hat und sich auch deren Geschichten gelegentlich anhört, wird feststellen, dass sich während der Lektüre seine eigenen Geschichten mit denen des Autors mischen und dadurch ganz neue Version entstehen können.
Besonders spannend findet der Buch- und Medienblog die Beziehung des Großvaters zu seiner Frau, die Umstände ihres Kennen Lernens und dem bedingungslosen Zusammenhalt bis ans Ende ihrer Tage. Gerade weil das Leben der Großmutter auf ein unglaubliches Lügengerüst gebaut. Nicht absichtlich, sondern weil schwere Zeiten besondere Maßnahmen erforderten.

Michael Chabon
Moonglow
ISBN: 978-3-462-05074-5

Lesebericht zu „Helvetia 2.0“ von Urs Augstburger

Urs Augsburger_Helvetia 2.0_Rezension_Buchblog_Literatur_Oliver SteinhäuserDie Wasmeier Consulting bedroht die klassischen Medienkanäle der Schweiz. Sie kauft Tageszeitungen, Radiostationen und andere Medienunternehmen auf, um sie von innen heraus neu zu strukturieren. Der Strukturierungsplan „Helvetia 2.0“ soll sie auf die digitale Transformation vorbereiten. Eine solche Veränderung trifft auch den Kult Radio DJ Anders Droka, der mit seiner Abend- und Nachtsendung eines der letzten Urgesteine live übertragener Radiounterhaltung in der Schweiz ist. Ausgerechnet am Abend, als Anders erfährt, dass die Umstrukturierung des Senders durch die Consulting Gruppe seinen bisherigen Job wegrationalisiert, ist er, ohne den Unfallgegner zu kennen, in einen kleinen Verkehrsunfall mit einem der leitenden Mitarbeiter der Consulting Firma verwickelt. Diesem folgt Anders nach dessen Fahrerflucht und wird Zeuge der Ermordung des Mannes. Als die Mörder merken, dass sie von dem DJ beobachtet wurden, nehmen sie seine Verfolgung auf. Zum Glück entkommt er. Als Droka am kommenden Morgen durch die Nachrichten erfährt, dass der getötete Mann verantwortlich für seine Entlassung ist, und dass dieser Selbstmord begangen hätte, wird im klar, dass es kein Zurück in sein altes Leben gibt. Die Lage ist verzwickt, vor allem, da sogar der Lack seines Motorrads am Wagen des Ermordeten hängt. Anders Droka muss untertauchen und recherchieren.

Urs Augstburger manövriert seinen Romanhelden in eine irrwitzige Geschichte habgieriger Consultingfirmen, deren höchste Ziele die Steigerung ihres eigenen Profits sind. Und ausgerechnet Bender, ein alter Schulkamerad Drokas, besetzt eine führende Position in der Wasmeier Consulting. Auch ihn beobachtet Droka dabei, wie er die gleiche Adresse aufsucht, wie der ermordete Kollege Benders. Eine Adresse, die zu einer jungen Frau führt, die auch ihm nicht völlig unbekannt ist. Liegt in der Beziehung zu dieser Dame der Dreh- und Wendepunkt aller Vorkommnisse?
Der Kult Radio DJ fasst einen Entschluss: Er heftet sich an die junge Sängerin und folgt ihr bis nach Saint Tropez. Während dieser Verfolgung erlebt Droka Erinnerungssequenzen aus seiner Jugend, in der er mit seiner Clique, zu der auch Bender gehörte, einen fatalen Fehler gemacht hatte, der einen Jungen das Leben kostete. „Eine gute Idee zur Charakterisierung“, denkt sich der Leser. „Das bietet einen Zugang zur emotionalen Welt der Protagonisten“, überlegt man weiter. Doch das Ausmaß der damaligen Geschichte, das Resultat langwieriger Vertuschung und der inneren Zerrissenheit, ahnt der Leser zu diesem Zeitpunkt keineswegs.

Stattdessen beobachtet er den DJ bei seiner optischen Transformation in die Anonymität, durch die der Kontakt zur jungen Sängerin erst gelingt. Denn auch sie kennt Droka. Gemeinsam kommen sie hinter das perverse Doppelleben der Wasmeier Consulting, die einerseits indirekter Kern politischer Hetze gegen Flüchtlinge betreibt, jedoch gleichzeitig Millionen mit einem flüchtlingsrelevanten Geschäftsmodell scheffelt.

Trotz der unglaublich menschenverachtenden Machenschaften der Wasmeier Consulting sowie der Enthüllung der wahren Geschehnisse aus den Jugendtagen Benders und seiner gemeinsamen Clique mit Droka, entstehen in „Helvetia 2.0“ traumhafte Bilder von Sandstränden und dem abenteuerlichen Leben zweier sich ineinander verliebender Menschen. Momente in denen es zur völligen Ignoranz der Außenwelt kommt. In denen sich Zweisamkeit und Euphorie mit der turbulenten Wirklichkeit die Hand reichen.
Urs Augsburger erweckt unter dem störrigen und wenig greifbaren Titel „Helvetia 2.0“ einen wunderbaren Roman, dem man nur schwer wieder entkommt. Das Buch fesselt durch die unglaubliche Geschichte aus politischen Machenschaften und Geldgier sowie der Verstrickung alter Jugendsünden bis in die Gegenwart hinein. Zusätzlich projiziert Augsburger durch seinen Text unglaubliche Bilder von Sonne, Meer und aufkeimender Liebe.

Urs Augstburger
Helvetia 2.0
ISBN: 978-3-608-50344-9

Reisebericht aus „Sizilien“ Teil 2 – Selinunte – Marina di Ragusa – Catania – Ätna

Reiseführer_Sizilien_Reise Know-how_Reisebericht_Oliver Steinhäuser_BlogTeil 2 des Sizilien-Reiseberichts von Anne        (Teil 1 finden Sie hier)

Sizilien strotzt vor Ausgrabungsstätten. Die laut Reise-Know-How schönste und weitläufigste haben wir uns angesehen. Sie liegt in Selinunte und wurde aufgrund ihrer Weitläufigkeit zu einem Park erklärt. Wir teilen die Meinung der Reiseführerautoren und waren beeindruckt. Einige Säulen und Tempelteile einer griechischen Metropole wurden wieder aufgerichtet und restauriert. So erahnt man das Ausmaß, das diese historischen Bauten einst hatten. Im Park sind einige Ruinenfelder, deren Besichtigung lohnt. Einen halben Tag verbrachten wir dort, wanderten umher und lasen sitzend zwischen den alten Steinen die umfangreiche Geschichte zu den verschiedenen Tempeln und Befestigungsanlagen im Reiseführer.

SelinunteErice

 

 

 

 

 

 

 

 

Generell bietet Sizilien sehr viel Geschichtliches, dessen Entdeckung lohnt. Deshalb besuchten wir ein weiteres Highlight aus dem Reiseführer:
die auf einem Kalksteinfelsen in 751 Meter erbaute Stadt Èrice. Uns wurde nicht zu viel versprochen. Zunächst fuhren wir mit einer Seilbahn von Trapani aus direkt vor das Eingangstor des Städtchens. Während der Fahrt hat man einen wunderbares Panorama der Landschaft, des Meers und auf die Stadt Trapani mit seinen vielen Salinen. Wir waren wieder einmal froh, in der Nebensaison unterwegs zu sein. Nicht auszudenken wie voll es in dem kleinen Städtchen im Sommer sein muss. Wir genossen die mittelalterliche Kulisse beinahe alleine und deckten uns mit typischen Süßigkeiten von Èrice ein.

Unsere dritte Station zog uns weiter ganz in den Süden. Nach einer vierstündigen Fahrt entlang der Südküste, sind wir im Badeort Marina di Ragusa angekommen. Im Reisführer kommt dieses Örtchen nicht gut weg, da es im Sommer wahrscheinlich auch wirklich überfüllt ist. Es ist ein reiner Ferienort und bietet kaum Sehenswürdigkeiten. Perfekt also, um ein paar Sonnentage am Strand zu genießen. Den schönen und großen Stadtstrand, direkt neben Hafen, hatten wir fast für uns alleine. Und die Sonne gab ihr Bestes. Ragusa, die nächstgelegene größere Stadt, beeindruckt durch zwei Stadtkerne. Zum einen gibt es Ragusa Ibla, den verwinkelten Barockteil der Stadt und den modernen Teil, Ragusa Superiore, der systematisch und geometrisch angelegt ist. Beide Stadtteile sind über eine lange Treppe verbunden. Wieder waren wir beeindruckt von den engen Gassen, den kleinen alten Häuschen sowie den verschnörkelten Kirchen. Auch die Ansammlungen sizilianischer Männergrüppchen, die sich in Cafés oder auf Parkbänken zum Plausch treffen, sind einzigartig und durchbrechen mit Lebensfreude und Ausgelassenheit die Barriere zu unserem von Hektik geprägten Alltag.

Unsere letzte Station bezogen wir in der Nähe von Catania und des Vulkan Ätna, ohne dessen Bewunderung man Sizilien nicht wieder verlassen darf. Hier haben wir uns an einem Unterkunftstipp aus dem Reiseführer bedient und wurden nicht enttäuscht. Wir buchten einen Bungalow in Acireale auf einem Campingplatz „La Timpa“ der hoch über dem Meer war und man über einen Lift, der innerhalb der Felsen gebaut wurde, zum Wasser hinuntergelangen konnten. Das war wirklich etwas Neues. Da so wenig los war, bekamen wir den schönsten Bungalow inklusive eines atemberaubenden Ausblicks. Von hier aus unternahmen wir zwei Ausflüge: Zunächst fuhren wir nach Taormina und fanden zum ersten Mal die Touristenmassen, von denen die Autoren schreiben. Wie voll das wohl im Sommer sein mag wollten wir uns gar nicht erst vorstellen. Eine Seilbahn führt direkt von Mazzaro aus in das hoch über dem Meer gelegene Ortzentrum. Bekannt ist Taormina für sein griechisch-römisches Theater. Unglaublich, was die Menschen vor so langer Zeit geschaffen haben.
Das letzte Highlight auf unsere Reise war der Vulkan Ätna. Hierzu finden sich im Reiseführer sehr gute Tipps für Wanderungen und welche Möglichkeiten es für den Aufstieg auf den Vulkan gibt. Da uns die Auffahrt mit der Seilbahn zu teuer war, entschieden wir uns für eine panoramareiche Wanderung auf der Halbhöhe Taorminas mit Blick auf den Ätna, der immer wieder mit spuckenden Rauchwölkchen imponierte.

Schweren Herzens packten wir nach drei Wochen unsere Sachen und fuhren wieder zum Flughafen. Eine vollständige Umrundung der Insel haben wir nicht geschafft. Auch auf die liparischen Inseln, die im Reiseführer als besonders sehenswert beschrieben werden, hat es uns leider nicht mehr gereicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden!

Alles in Allem war uns der Reiseführer „Sizilien“ eine gute Hilfe. Er bot uns einen ersten Eindruck und Überblick zu den Regionen. Da er die ganze Insel abdeckt, ist er aber oft recht oberflächlich. Es gibt viele Informationen zur Geschichte, Gebäuden und Kirchen. Für uns war dies genau im richtigen Maß. Wer jedoch tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, benötigt auf jeden Fall ausführlicheres Material. Es gibt zahlreiche Tipps für Unterkünfte, Restaurants und praktische Informationen. Wir hätten uns manchmal mehr Hinweise für besondere Strände oder kleinere Wanderungen und Spaziergänge gewünscht. Wie auch im Reiseführer vermerkt, sollte man sich zum Wandern auf jeden Fall noch zusätzliche Wanderkarten oder Wanderführer besorgen. Als Reisezeit ist der Oktober für Sizilien wirklich toll. Es sind sehr wenige Touristen unterwegs. Menschenleere Strände und Wanderwege. Überall kann man gut parken und kommt bei Sehenswürdigkeiten ohne Schlange stehen hinein. Das Wetter war an der Nordküste wechselhaft und windig. Im Süden war es herrlich warm und sonnig. Sizilien ist ein wunderbares Reiseziel und es gibt hier noch vieles zum Entdecken. Wir kommen definitiv wieder.

Ein Reisebericht von Anne für den Buch- und Medienblog


Vorbereitung der Reise durch:
FriedrichKöthe & Daniela Schetar
Sizilien
ISBN 978-3-8317-2786-5

Reisebericht aus „Sizilien“ – Teil 1 – Cefalù – Palermo – Castellammare del Golfo

Allzu schnell gewöhnt der Mensch sich an Vertrautes. So auch bei den Reiseberichten vom Buch- und Medienblog.
„Da weiß man, was man bekommt“, sagen die einen. „Kaum Abwechslung“, wohl die anderen?

Damit nicht nur über kindgerechte und familientaugliche, bis ins Detail vorausgeplante Ausflüge auf dem Blog berichtet wird, gibt es nun einen Gastbeitrag von Anne.
Sie ist Spontanreisende und hat sich den Reiseführer „Sizilien“ vom Reise-Know-How Verlag für den Buch- und Medienblog angeschaut und mit ihm eine Rundreise auf Sizilien erlebt.

Teil 1       (Teil 2 erscheint in 14 Tagen, am 16. März 2018)


Reiseführer_Sizilien_Reise Know-how_Reisebericht_Oliver Steinhäuser_BlogErst zwei Wochen vor unserem Urlaubsbeginn legten wir uns auf das Reiseziel Sizilien fest. Wichtig bei der Entscheidung waren folgende Kriterien: ein paar warme Sonnenstrahlen, dass man wandern kann und die Anreise nicht allzu lange dauert.
Sizilien scheint all das zu erfüllen. Sonne, ein noch warmes Meer zum Baden, viele Berge und sogar ein Vulkan. Das großartige Essen nicht zu vergessen.

Als erstes buchten wir die Flüge nach Catania und einen Mietwagen, bevor wir uns anschließend grob überlegten, welche Route wir nehmen möchten. Der Reiseführer „Sizilien“ von Reise-Know-How half uns, einen ersten Überblick über die Insel zu erlangen. Die Übersichtskarte zu Beginn sowie die kurzen Zusammenfassungen am Anfang jedes Kapitels waren dabei sehr hilfreich. Die Unterteilung des Reiseführers in einzelne Streckenabschnitte führt zu einer ordentlichen Strukturierung, sodass der Reisende sich sehr gut und schnell zurechtfindet.
Der Abschluss unserer Reise sollte in Flughafennähe liegen, damit wir am Abreisetag nicht zusätzlich zum Rückflug nach Deutschland eine weite Anreise zum Flughafen mit dem Mietfahrzeug haben würden.
Daher entschieden wir uns, die Rundreise im Norden der Insel zu starten und mit etwa drei bis vier Stationen über den Süden wieder im Osten in der Nähe von Catania zu enden. Wir buchten nur die erste Unterkunft. Den Rest erledigten vor Ort. Da der Oktober zur Nachsaison in Sizilien gehört, war das kein Problem. So behielten wir den Wunsch nach Flexibilität bei und konnten an schönen Orten spontan länger bleiben.

Cefalù_Rocca di Cefalù_BurgfelsUnsere erste Unterkunft bezogen wir bei Cefalù, etwa 80km östlich von Palermo. Im Reiseführer sind Highlights mit einer gelben Hinterlegung markiert und wir entschieden uns für folgendes: ein wunderschönes Cottage außerhalb der Stadt. Erhöht auf einem Berg und mit einer tollen Aussicht auf das Meer und den berühmten Burgfels Rocca di Cefalù der Stadt. Wie im Reiseführer beschrieben, hat die Stadt einen besonderen Charme, der zum Schlendern durch die alten Gassen einlädt. Der farblich gekennzeichnete Tipp der Autoren zum Aufstieg auf den Felsen war super. Oben erwartete uns die Ruine einer Burg. Die Besteigung ist schweißtreibend, der Ausblick über die Stadt und das Meer ist jedoch fantastisch und die Mühen wert.

Vor Ort haben wir uns dann ausführlicher der Lektüre des Reiseführers „Sizilien“ gewidmet und uns einzelne Ausflugsziele, die wir von Cefalù aus machen konnten, ausgesucht. Dies waren zum einen ein Städtetrip nach Palermo, der Hauptstadt Siziliens, und eine Wanderung im Naturschutzgebiet der Madonie im Landesinneren. Einen Wandervorschlag gab der Reiseführer von Reise-Know-How nicht. Es empfiehlt sich vorzusorgen und einen zusätzlichen Wanderführer einzupacken. Bei strahlendem Wetter haben wir den zweithöchsten nichtvulkanischen Berg Siziliens, den Pizzo Carbonara (1979 m) bestiegen. Auf dem Weg zu Spitze entdeckten wir nur einige Meter entfernt eine Rehherde, deren Hirsche uns dank der einsetzenden Brunftzeit ein wunderbares Konzert boten. Wir trafen kaum einen Menschen während der Wanderung und hatten die wunderschöne, doch sehr grüne Landschaft für uns. Die Aussicht auf dem Gipfel war wunderschön und wir konnten in der Ferne Europas höchsten Vulkan, den Ätna bestaunen.
Ein weiteres Highlight bot uns Palermo. Mit dem Zug ging es von Cefalù direkt ins Zentrum. Der Reiseführer hat uns hier leider etwas enttäuscht. Auf der Umschlagklappe war von Spaziergängen durch Palermo die Sprache. Wirkliche Spaziervorschläge bzw. -strecken haben wir dann jedoch nicht gefunden. Alle wichtigen historischen Gebäuden, Kirchen, Tipps für Märkte waren beschrieben, aber die Orientierung ohne eine Skizze auf dem Stadtplan war uns zu kompliziert. Um uns nicht krampfhaft zu binden, ließen wir den Reiseführer außen vor und trieben ohne Unterstützung durch die Stadt. Da einige Straßen für Autos gesperrt sind, war das entspannt möglich. Entgegen den Ausführungen im Reiseführer, empfanden wir den Verkehr in Palermo nicht sonderlich chaotisch – sicherlich das Ergebnis der Nebensaison. Palermo hat seinen ganz eigenen Charme. Etwas morbide und heruntergekommen, fühlt man sich zum Teil hunderte Jahre zurückversetzt. Die alten historischen Gebäude und Marktstände in den engen Gassen sind herrlich anzuschauen. Und so viel Wäsche, die zwischen den Häusern hoch über dem Kopf in den Gassen hängt, haben wir noch nie gesehen.

Palermo_1Palermo_2

 

 

 

 

 

 

Auch das Baden kam in den ersten Tagen nicht zu knapp. Selbst im Oktober ist das Wasser noch warm und das allerschönste – man hat die Strände für sich alleine. Im Reiseführer haben wir einen „Geheimtipps für Strände/Buchten“ vermisst. Die regulären Strände sind genannt, darüber hinaus gibt es allerding wirklich zahlreiche und einzigartig schöne Strände, die keine Erwähnung finden. Deshalb recherchierten wir kurzerhand selbst und entdeckten nur 5 km von Cefalù sicher einen der schönsten Strände der Insel.

Unsere nächste Station war Castellammare del Golfo, nördlich von Parlemo. Hier bezogen wir eine Wohnung in der barocken Altstadt und konnten von unserer Dachterrasse einen kleinen Blick aufs Meer erhaschen. Das Wetter lud hier nicht zum Baden ein, weshalb wir viele Ausflüge in die Umgebung unternahmen. Ein Highlight, wie auch im Reiseführer ausführlich beschrieben, war eine Küstenwanderung im Naturpark Zingaro. Ein großer Spaziergang an Badebuchten vorbei und auf dessen Wegesrand können immer wieder kleine Museen besucht werden können, z.B. das Mueso Naturalistico über die Pflanzenwelt im Naturpark.

Der Reisebericht zu Sizilien wird am 16. März 2018 fortgesetzt.
Vorschau:
Selinunte – Marina di Ragusa – Catania – Ätna

Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserEin Reisebericht von Anne für den Buch- und Medienblog


Vorbereitung der Reise durch:
FriedrichKöthe & Daniela Schetar
Sizilien
ISBN 978-3-8317-2786-5

Lesebericht zu „Wer ist B. Traven?“

B_Traven_Torsten Seifert_Rezension_Buchblog_Oliver SteinhäuserOtto Feige, Ret Marut, Traven Torsvan und Hal Croves. All das sind Pseudonyme eines bis heute in Teilen nicht greifbaren deutschen Autors der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Seinen Wunsch nach Anonymität formulierte er selbst mit den Worten: „Wenn der Mensch in seinen Werken nicht zu erkennen ist, dann ist entweder der Mensch nichts wert oder seine Werke sind nichts wert.“

Torsten Seifert begibt sich in seinem Roman „Wer ist B. Traven“ auf die Suche nach Antworten und schickt seinen Protagonist, den Journalisten Leon Borenstein, auf die Reise nach Mexico. Dort soll er am Filmset zur Verfilmung von B. Travens „Der Schatz der Sierra Madre“ Informationen zur Identität Travens sammeln. Die Tarnung seiner Mission ist der erstmalige Auslandsaufenthalt des Schauspielers Humphrey Bogart, den Leon augenscheinlich journalistisch dokumentieren möchte. Doch anstatt sich unauffällig dem Vertreter B. Travens am Filmset zu nähern, verbringt Leon den Großteil seines Aufenthaltes in Mexico tatsächlich während etlicher Schachpartien mit dem Schauspieler Humphrey Bogart. Als er eines Morgens im Frühstückssaal des Hotels auf die hübsche Maria trifft, verliert der Journalist seinen Auftrag völlig aus den Augen.

Der Ehrgeiz, einem Phantom hinterherzujagen, erscheint Leon deutlich unspektakulärer, als sich mit der attraktiven und reizenden Maria durch den Tag treiben zu lassen. Er vernachlässigt den Auftrag seines Vorgesetzten, dem die Enttarnung B. Travens unter den Nägeln brennt. Er will, dass seine Zeitung durch die Demaskierung des Bestsellerautors Bekanntheit erringt. Doch Leon geht lieber privaten Vergnügungen nach. Als er nach einer aufregenden Nacht mit Maria erwacht, ist nicht nur sein Flirt, sondern auch all seine Rechercheunterlagen zu Traven verschwunden. Warum sabotiert Maria seine Suche?
Erst mit der Veröffentlichung des Kinofilms „Der Schatz der Sierra Madre“, keimt die Erinnerung an Leons Zeit in Mexiko wieder auf. Als ihm ein Brief von Maria zugestellt wird, kehrt er auf die Fährte B. Travens zurück. Denn auch ihr Interesse gilt Traven. Doch im Gegensatz zu den Traven-Anhängern, ist ihr Ziel die Wahrung seiner geheimen Identität.
Wie es der Zufall will, entsendet Leons Chef ihn für Recherchen nach Wien. Die Stadt, von der Maria in ihrem Brief behauptet, dass er dort weitere Informationen zu Traven fände. Die Stadt, die seine Euphorie nach B. Traven entfacht und dafür sorgt, dass erneut nach Mexico reist und sich an die Versen des persönlichen Vertreters von B. Traven heftet: Hal Croves. Dass Leon Borenstein und Hal Croves auf dieser Mexico Reise aufeinandertreffen und durch einen Unfall ins Gespräch kommen verrät der Buch- und Medienblog noch. Die Inhalte des Gesprächs während dieser offensichtlich ausweglosen Situation behalte ich aber für mich.

Wer ist B. Traven?
Torsten Seifert findet in seinem Roman einen Weg, der zielsicher auf eine Person hindeutet: Hal Croves, den Berater und Vertreter B. Travens. Er kennt alle Romandetails detailliert, delegiert die Anforderungen Travens so präzise wie kein anderer. Wer so viel über einen anderen Menschen und seine literarisch-künstlerische Welt weiß, macht sich verdächtig, eben dieser Mensch selbst zu sein.
Was aber macht Maria in Seiferts Roman? Warum verhindert sie die Enttarnung Travens durch das Verbreiten von Falschmeldungen über B. Traven?

Es ist die Sprunghaftigkeit Leon Borensteins, durch die der Roman so authentisch wird. Der junge Journalist kommt den Anweisungen seines Vorgesetzten anfangs nur zögerlich und leidenschaftslos nach; das weckt Empathie. Als er immer rasantere Details über Traven erfährt, erwacht Leons eigener Tatendrang und er bricht auf, um selbst das Geheimnis um den Bestsellerautor zu lüften. Mit einem Mal wird aus Aufdiktiertem Leidenschaft.

Torsten Seifert
Wer ist B. Traven?
ISBN: 978-3-608-50347-0

Lesebericht zu „Sarajevo Disco“ von David Gray

Sarajevo Disco_David Gray_Pendragon_Rezension_Oliver Steinhäuser_BuchblogDer Mord an einem hochrangigen Bandenmitglied in einer Hamburger Disco scheint der Auftakt zu einer erschreckenden Bandenrivalität im Hamburger Kiez zu sein. Als ein weiteres Mitglied einer rivalisierenden Bande brutal ermordet wird, ziehen der Leiter der Mordkommission Lewis Boyle und seine Mannschaft scheinbar logische Schlüsse:
Auf den ersten Mord folgte nun der Vergeltungsschlag.
Allerdings besteht Hamburg aus mehr als nur zwei kriminellen Banden. Die Polizei befürchtet, dass auch die Anführer der anderen kriminellen Vereinigungen auf der Abschussliste stehen. Doch wessen Liste wird in diesem Fall abgearbeitet, und wer ist der Kopf hinter dieser rücksichtslosen Aktion der Marktsäuberung?

David Gray verpasst dem deutschen Polizeiapparat einen US-amerikanischen Anstrich. Seine Figuren interagieren derb und nicht zimperlich, sodass man schnell vergessen könnte, dass der Kriminalroman in Hamburg, und nicht in Los Angeles spielt. Mit der Integration der Hamburger Straßensprache holt er seine Leser jedoch immer wieder zurück in die Hansestadt.
Gray zwängt seinen Protagonisten kein Korsett aus gespielter Intellektualität auf. Ebenso wenig vergibt er seinen Akteuren Vorbildfunktionen. Das empfindet der Leser anfangs als störend und ungeschliffen. Dahinter verbirgt sich jedoch genau jene Authentizität, die wir aufgrund erlernter Verhaltensmuster aus anderen und bekannteren Thriller verinnerlicht haben und uns über die „Sarajevo Disco“ deshalb zu Beginn fälschlicherweise ein voreiliges Urteil bilden.
Gray legt besonderen Fokus auf die Außergewöhnlichkeiten des Umfeldes seines Kommissars Lewis Boyle und der Polizisten Jale Arslan. Beide stammen aus einem sozial schwachen Umfeld. Wer Boyle aus dem Vorgängertitel „Kanakenblues“ kennt, weiß, dass er eine kriminelle Vergangenheit hat und zum Gangsterboss Teddy Armin eine seit Kindheitstagen andauernde Freundschaft pflegt. Als Ermittler kämpft er daher ständig gegen einen Generalverdacht.
Als die Ermittler auf die Spur einer völlig unbekannten Bande treffen, nimmt der Druck auf sie zu. Denn die mit Helmut-Kohl-Masken getarnten Männer drücken nicht nur Gratisdrogen auf den Markt, sondern sind auch diejenigen, die die Morde der getöteten Kiezgrößen zu verantworten haben. Wer steckt hinter diesem Arrangement? Ist es eine der bekannten Hamburger Banden, oder bemüht sich eine neue kriminelle Truppe um Marktanteile?

Zur ermittlungstechnischen Komplexität dieses Falls kämpft Lewis Boyle gegen politische Manöver des Polizeipräsidenten, des Hamburger Bürgermeisters sowie eines Senators, die ihre Gunst beim Volk nicht verwirken wollen. Während die „Bonzen“ des Präsidiums sich gegen eine öffentliche Warnung vor den tödlichen Gratisdrogen entscheiden und sich lediglich für eine Bandenrazzia aussprechen, muss Boyle sich die Frage stellen, ob er seinen Anweisungen nachkommt, oder seinem Gewissen nachgeht und die Öffentlichkeit vor der offensichtlichen Gefahr warnt. Mit dem unausweichlichen Ergebnis einer Suspendierung.

David Gray
Sarajevo Disco
ISBN: 978-3-86532-585-3