Reisebericht aus Slowenien

Reisezeit: August

Auf der Suche nach unserem diesjährigen Ziel für den Sommerurlaub sind wir in Slowenien gelandet. Dabei hätten wir es, wie so viele Reisende in der Ferienzeit, fast wieder nur als Transitland auf dem Weg nach Kroatien durchreist. Doch wir entscheiden uns aktiv dagegen und möchten uns das kleine Land einmal näher anschauen. Mit im Gepäck hat der Buch- und Medienblog die Vollausstattung des Reiseknowhow Verlags: Landkarte, Reisebuch Slowenien, Sprachführer sowie einen Stadtführer für Ljubljana.

Auch unsere Unterkunft wählen wir ganz bewusst: Ein Pfarrhaus in dem touristisch beinahe nicht erschlossenen Dorf Vipavski Kriz im Vipava Tal zwischen Nova Gorica und Ajdovscina. Auch wenn dieses kleine schmucke Dorf, mit seinen schmalen Gassen in jedem Reiseführer Erwähnung findet, sind es doch überwiegend Tagesausflügler, die hier einen kurzen Stopp einlegen, um das besondere Flair des von zwei Kirchen und einer Stadtmauer umschlossenen Dorfs zu genießen. Die Perle des Vipava Tals wird das auf einem Hügel thronende Vipavski Kriz (dt. Heilig Kreuz) auch liebevoll bezeichnet.

Doch bevor die Unterkunft im Vipava Tal bezogen wird, machen wir Halt in Sloweniens Hauptstadt. Mit der Ljubljanica durchfließt der namensgebende Fluss die Altstadt und die darüber thronende Burg bogenförmig und lädt zum Flanieren und zu einer Bootsfahrt durch Ljubljanas Altstadt ein. Fünf Brücken in der Altstadt ermöglichen einen wunderbaren Spaziergang und den Blick von beiden Uferseiten. Wir schlendern auf dem im Stadtführer vorgeschlagenen Spaziergang, der an den schönsten Stellen der Altstadt entlangführt und Informationen darüber bereithält. Wir weichen nur dann davon ab, wenn er uns vom Ufer wegführt. Es ist das Leben und entspannte Treiben am Fluss, das wir in uns aufsaugen möchten. Durch die Vielzahl von Gassen, Restaurants und Bars kommt direkt Urlaubsfeeling auf. Das Leben findet auf den Straßen und den Terrassen der Gastronomen statt.
An den Spaziergang schließen wir die Erkundung Ljubljanas mit dem Boot an. Was von den Brücken so romantisch erscheint, relativiert sich auf dem Boot etwas. Es gibt keinerlei auditiven Informationen während unserer knapp einstündigen Fahrt und das Boot mit dem wir unterwegs sind ist mit einfachen Kunststoffklappstühlen bestuhlt. Das geht auch besser, sehen wir an den anderen Touristenbooten, die uns begegnen. Also Augen auf bei der Bootswahl, denn preislich liegen alle Anbieter mit 10 € p. P. identisch! Was uns erst später auffällt: Wir waren mit dem auf dem wirklich traumhaften Coverfoto des Stadtführers abgelichteten Boot unterwegs. Aufgenommen von der Ribja brv Fußgängerbrücke. (Anmerkung: Coverfoto der Ausgabe 2019)

Auch die Burg schauen wir uns an; nutzen die Standseilbahn unweit der Markthallen und des Markts sowie der Drachenbrücke für die Auffahrt. Wer die traumhafte Altstadt bereits voll erkundet und liebgewonnen hat wird beim Blick von oben dann wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht. Die schöne Altstadt verschwindet unter den Bäumen des Burgbergs und der Blick tastet sich über eine ganz normale Stadt mit Industrieanlagen etc.

Am kommenden Mittag reisen wir auch schon weiter, verlassen das Parkhaus am kongrestni trg – das keinen 24 h Tarif ermöglicht, sondern stundengenau unsere 23 Stunden Parkzeit abrechnet – tauschen den Stadtführer durch das Reisebuch Slowenien und starten unsere einstündige Weiterfahrt in das Vipava Tal. So wie der Wechsel von regem modernem Treiben der Stadt hin zum traditionellen Leben in einem Kirchendorf, bringt auch das Reisebuch Slowenien nun einen deutlichen Wechsel zum Klassischen.

Auf Gluten- und Laktoseunverträglichkeit sind die slowenischen Supermärkte bestens vorbereitet. Selbst bei Hofer (Aldi) gibt es neben den eigenen Marken auch die der namhaften Hersteller. Die Spar Märkte bieten gar ein Zöliakie Schlaraffenland.

Das Burgdorf Stanjel besuchen wir an einem durchwachsenen Tag. Auf dem Parkplatz warten wir zunächst 20 Minuten, bis der Regenschauer über uns hinweggezogen ist. Die Zeit nutzen wir für ein kleines Picknick im Auto.
Stanjel erhält im Reisebuch Slowenien gleich eine doppelte optische Auszeichnung. Zuzüglich zum Gelben Marker, der die „Highlights der Region“ auszeichnet, sind die Informationen mit einem farblichen Fond hinterlegt. Hinterlegungen umklammern Exkurse, die sich besonders intensiv mit einer Sehenswürdigkeit beschäftigen. In diesem Eintrag hätte ich mir eine deutlichere Erwähnung des angeschlossenen Ferrari-Gartens gewünscht. Der Beschilderung zu diesem idyllischen Park in Stanjel sind wir – aufgrund seiner nur beiläufigen Erwähnung – leider nicht gefolgt. Die Konkurrenz ist an dieser Stelle präziser und stattet den Eintrag zu Stanjel sogar mit einem Foto des Parks im venezianischen Stil aus.

Ein ähnlicher Effekt ergibt sich, als wir am Bahnhof in Nova Gorica stehen und in nördlicher Richtung eine Bergkirche ausmachen, die von unten gesehen eher einer Festung gleicht. Da muss der Buch- und Medienblog natürlich hoch, um sich die Stadt auch von oben anzuschauen. In allerEuphorie und meiner Ungeduld ist es gar nicht so einfach die passende Info aus dem Reisebuch zu finden. Sveta Gora lautet ein Eintrag mit dem Hinweis, dass es sich dabei um eine der wichtigsten Marien-Pilgerstätten Sloweniens handle; Entfernung 9 km. Eine Adresse findet sich nicht, also fahre ich mit Blickkontakt in Richtung Norden und taste mich anhand der Straßenbeschilderung bis zur Wallfahrtskirche Sveta Gora. Und es ist der Ort, zu dem ich zu gelangen erhoffte.
Auch in dieser Situation hätte mir eine genauere Beschreibung mit einem Foto erheblich geholfen.
Ich sei ungeduldig, höre ich immer wieder. Umso wichtiger ist es mir, dass ich mich sofort orientieren und die benötigten Informationen zweifelsfrei finden kann.

Völlig unerwähnt bleibt leider das Solkan Viadukt der Transalpina Eisenbahnstrecke im Norden Nova Goricas. Über die Soca führt das weltweit größte Viadukt der Steinbauweise (gebaut ohne Mörtel etc.) hinauf über Most na Soci und Bled bis Jesenice an der österreichischen Grenze.

Zum Baden entdecken wir einige Kilometer von Idrija entfernt einen echten Geheimtipp.
Idrijska Bela nennt sich eine kleine Häuseransiedlung am Fluss Idrijca. Verlässt man dieses kleine Gebiet und folgt dem Sträßchen 800 m westwärts, so kommt man am Kopališče Lajšt an, einer aufgestauten Badestelle mit Treppenzugang ins Wasser, Grillmöglichkeiten und kleiner Imbissbewirtung. Touristen bilden hier eine Minderheit zwischen den Einheimischen der Region. Es ist jedoch alles auch für einen größeren Besucherandrang ausgelegt. So gibt es z. B. auch zwei PKW Parkplätze. Hier findet der Ruhesuchende aufgrund der Abgeschiedenheit Entspannung und das sogar an den Wochenenden der Sommerferien.

Eine weitere besondere Abkühlung findet der Urlauber in den Höhlen von Postojna.
Mit einem kleinen Zug werden die Besucher zunächst in das Innere des Höhlensystem Postojnska Jama gefahren. Unter sprachlicher Führung wird die Höhle gruppenweise erkundet. Betonierte Wege ermöglichen einen sicheren Spaziergang. Slowenische, englische, deutsche und italienische Gruppen werden von den Höhlenführern während der Tour informiert, für weitere Sprachen erhalten Touristen beim Ticketkauf Headsets.
Sobald die Gäste an der Haltestelle innerhalb der Höhle angelangt sind eröffnet sich ein gigantisches Bild aus Stalagmiten und Stalaktiten. Immer wieder staunen die Gäste über die Weiten und Tiefen, die sich im Höhlensystem der Postojnska Jama auftun. Für den Buch- und Medienblog war es unmöglich, diesen Eindruck und vor allem die Dimensionen fotografisch festzuhalten.

Nicht zu unterschätzen – gerade bei hohen Außentemperaturen – ist der Temperaturabfall auf 10° C im Höhleninneren. Darauf sollte man unbedingt vorbereitet sein!

Resümierend stelle ich fest, dass viele der Sehenswürdigkeiten in Sloweniens Westen, im Reisebuch des Reise-Know-How Verlags enthalten waren. Einige der vom Buch- und Medienblog besuchten Orte waren jedoch weniger detailliert beschrieben, als ich es mir gewünscht hätte. Im Zuge der Aktualisierung und Überarbeitung des Werkes hätten konsequenterweise auch die Fotos im Reisebuch einer genaueren Überprüfung und Aktualisierung unterzogen werden müssen. Das fällt gerade bei der Daumpenprobe im direkten Vergleich mit dem hauseigenen und ebenfalls neu aufgelegten Ljubljana Stadtführer auf. Hier stehen modern bearbeitete Fotos veraltetem Bildmaterial gegenüber.
Tipps und Anregungen zu kleinen Wanderungen findet der Leser direkt im Anschluss an die jeweiligen Städte/Regionen. Auszüge von Wanderkarten samt ausgearbeiteten Wegbeschreibungen für größere Wanderungen werden in einem extra Kapitel aufgeführt.
Positiv fallen auch die kleinen Karten der Stadt- bzw. Ortszentren auf. Sie sind zahlreich vertreten und geben einen ersten Eindruck der Ortschaften wieder. Zusammen mit der großen Slowenien Landkarte – ebenfalls im Verlagsprogramm – erleichtert es die geografische Verortung und somit die Anfahrt mit dem PKW.

Der Sprachführer „Kauderwelsch Slowenisch“ hat mich motiviert einige Grundlagen zu anzuwenden sowie die korrekte Aussprache zu erlernen. Einige Sprachbeispiele sind auch als Audios zusätzlich per QR-Code online abrufbar. Das ist sehr gut, da beispielsweise der Google Übersetzer keine große Hilfe ist.

Tipps des Buch- und Medienblog zur Reise per PKW:
Wer bei der An- und Abreise sehr günstig tanken möchte, kann dies auf der Tauernautobahn (A 10) kurz nach dem Grenzübertritt von Deutschland Richtung Österreich tun. An der Ausfahrt Nr. 8 Grödig ist ein Hofer (Aldi) mit angeschlossener Tankstelle. Hier tanken wir mit 1,15 €/l satte 0,40 €/l günstiger als an den Autobahntankstellen in Österreich. Zeit verlieren wir aufgrund der direkten Nähe zur Autobahn auch nicht.

Wer dazu auch Zeit sparen möchte, kann sich beim ADAC für die Mautstelle der Tauerntunnel (Tauernautobahn) sowie den Karawankentunnel freischalten lassen. Bezahlt wird dann beim ADAC, der für das PKW Kennzeichen eine Freischaltung der digitalen Maut einrichtet.

Ein Reisebericht von Oliver W. Steinhäuser


Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserVorbereitung der Reise durch:

Daniela Schetar und FriedrichKöthe
Slowenien mit Triest
ISBN 978-3-8317-3335-4

Reisebericht aus der Pfalz

michael mueller reisebuch pfalz blog oliver steinhaeuserReisezeit: April

Urlaub im eigenen Land erfreut sich einer steigenden Popularität. Auch der Buch- und Medienblog hat seit Jahren die Idee, eine Deutschlandreise zu unternehmen. Eine Rundreise entlang der Grenzen. Ein ziemlicher Aufwand, ohne mobiles Heim. Deshalb schauen wir uns zu Ostern 2019 die Pfalz für eine Woche an. Eine Region, die sich – trotz meiner rheinland-pfälzischen Herkunft – für mich bislang touristisch nie erschloss. In Bad Bergzabern mieten wir uns ein, denn von Stuttgart aus bietet sich besonders die schnelle (110 km) Anreise in die Südpfalz an.
Im Handgepäck befindet sich das Reisebuch „Pfalz“ des Michael Müller Verlag. Ein klassischer Reiseführer für Individualreisende. Schnell finden wir interessante Ausflugsziele, und markieren uns Sehenswürdigkeiten in einem Radius von ca. 25 km von Bad Bergzabern. Weite Wege wollen wir in diesem Urlaub meiden.
In vier Sektoren gliedert der Michael Müller Verlag die Pfalz auf: Die Pfalz am Rhein (1); An der Deutschen Weinstraße(2); Im Pfälzerwald (3)und Im Nordpfälzer Bergland(4). Während der Erkundung der Region Südpfalz bewegen wir uns in den Sektoren (1) bis (3).

In unserer Unterkunft erhalten wir die Pfalzcard, ein touristisches Angebot, das zu freien Eintritten in ausgewählte Museen, Weinwanderungen und -proben, in Schwimmbäder einlädt und auch die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in der Pfalz einschließt.

Wissembourg

Allein dadurch kommen wir überhaupt auf die Idee, ein paar Stunden in der Südpfalztherme zu verbringen und mit dem Bus nach Wissembourg (Frankreich) zu fahren, anstatt mit dem Auto.

Auch auf der Reichsburg Trifels bei Annweiler freuen wir uns über den freien Eintritt, den wir durch die Pfalzcard genießen. Gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist, lockt der gebührenfreie Einlass auch Familien eher in Museen. Es schwindet der latente Druck, alles anschauen zu müssen, weil schließlich für alles gezahlt wurde. Es lässt sich zwangloser Entdecken.

Den Anreisetag nutzen wir auch zum Einkaufen. Lebensmitteldiscounter findet man in Bad Bergzabern reichlich. Etwas vom Stadtzentrum ausgelagert befinden sich Aldi, Penny, Lidl und dm. Ein Edeka ist in Bad Bergzabern ebenfalls vorhanden. Ein großes Angebot für das Kurstädtchen.

Unseren ersten Urlaubstag verbringen wir im Biosphärenhaus und Baumwipfelpfad inmitten des Biosphärenreservats Pfälzerwald/Nordvogesen in Fischbach. Gerade die angepriesene Röhrenrutsche möchten wir unserer Tochter nicht vorenthalten. Unser Enthusiasmus wird leider im Keim erstickt: Rutschen erst ab 6 Jahren und das Mitrutschen auf dem Schoß ist strengstens verboten. Das sorgt – nicht nur beim Nachwuchs – zunächst für traurige Gesichter, dem pädagogischen Wert des Wipfelpfads und des Biosphärenhauses tut dies jedoch keinen Abbruch.

Besonders Burgen und Burgruinen stehen im Vordergrund unserer Besichtigungen. Doch in sieben Tagen schaffen wir nur eine kleine Auswahl. Von den erhaltenen Burgen besichtigen wir die Burg Trifels, die frei (also ohne gebuchte Führung) besichtigt werden kann. Sie ist mit dem PKW sehr gut zu erreichen und der Aufstieg vom Parkplatz dauert nur zehn Minuten. Bei klarer Sicht blicken wir über Landau hinweg tief in die Rheinebene, bis zum Kernkraftwerk in Philippsburg.

Auch die noch bewohnte, über dem Ort Erlenbach thronende Burg Berwartstein schauen wir uns einen Moment an. Allerdings nur von außen, da im Inneren gerade eine Jugendgruppe geführt wird. Das „Pfalz“ Reisebuch empfiehlt die besonders für Kinder spannend und unterhaltsame Führung durch die Gemächer. Der Jugendausflug scheint dies zu bestätigen.
Besonders die Angaben zu Aufstiegszeiten auf die Burgen gefallen dem Buch- und Medienblog gut. Im Register muss der Burgfreund sich allerdings alle Burgen mühsam heraussuchen. Denn es gibt keinen zusammenfassenden Eintrag, der alle Burgen unter sich aufführt – wie etwa im Reisehandbuch „Allgäu“ des Michael Müller Verlags. Hier wurde dies für die Allgäuer Schlösser und Burgen so aufgebaut und half der Orientierung. Burgen im Allgäu – Burgen in der Pfalz – für mich äquivalent.

Sonnenaufgang auf der Ruine Wegelnburg

Der vorletzte Tag soll mit einem Sonnenaufgang und dem Blick über den Pfälzerwald beginnen. Von der Ruine Wegelnburg hat man einen tollen Ausblick. In aller Frühe führt mich der Weg in das beschauliche Dorf Nothweiler, das neben einem Bergbaumuseum auch die höchstgelegene Burgruine der Pfalz beheimatet. Sehr hilfreich finde ich die Angaben zur Aufstiegshöhe und der Streckenlänge von Nothweiler bis hinauf zur Ruine, die der Michael Müller Verlag zur Verfügung stellt. Sie helfen mir bei der Bestimmung meines morgendlichen Aufbruchs. Auch den beschriebenen (Wander)Parkplatz (Lembacher Straße) finde ich auf Anhieb. Da es so früh am Tag noch dunkel ist, entgeht mir leider die auf dem Parkplatz aufgestellte Rad- und Wanderkarte, weshalb ich dem deutsch-französischen Forstweg in südwestlicher Richtung folge. Da bald die Vögel ausgiebig zu zwitschern beginnen, wird klar, dass die Zeit drängt. Ich sehe die Ruine, aber die Forstwege führen mich einfach nicht weiter aufwärts, sondern um den Berg herum. Um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen entscheide ich mich irgendwann für den direkten Weg. Die Ruine in Sichtweite, klettere ich den Hang hinauf. Erschöpft aber rechtzeitig stehe ich auf der Wegelnburg und schaue der Morgendämmerung entgegen. Der Abstieg ist ein leichter, folgt man der Beschilderung nach Nothweiler – exakt auf der beschriebenen, lückenlos beschilderten Strecke. Ein Hinweisschild auf dem Wanderparkplatz, dass alle Wanderungen in Nothweiler starten, wäre hilfreich gewesen.

Rückblickend vergingen die sieben Tage wie im Flug, was einerseits an der Dichte unserer Unternehmungen sowie den Unternehmensmöglichkeiten in der Pfalz liegt. Das Reisehandbuch „Pfalz“ listet diese Ausflugsmöglichkeiten lückenlos und gibt wertvolle Tipps. In einer ruhigen Minute lese ich sehr gerne auch die historischen, geografischen oder kulturellen Hintergrundinformationen „Alles im Kasten“, zu finden in den gelben Zusatzkästen im Buch.
Da ich gerne Angebote und Sehenswürdigkeiten in Relation mit der Siedlungsdichte setze, fehlen mir diesmal die Informationen zu Einwohneranzahlen, die im „Pfalz“ Reisebuch leider nur sporadisch im Teasertext aufgeführt werden.

Ein Reisebericht von Oliver W. Steinhäuser


Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserVorbereitung der Reise durch:

Stefanie & Ansgar Schmitz-Veltin
Pfalz
ISBN: 978-3-95654-453-8

Lesebericht zu „Muttertag“ von Nele Neuhaus

Die LKA Kommissare Pia Sander und Oliver von Bodenstein werden auf das altertümliche Anwesen des Theo Reifenraths gerufen. Bereits seit mehreren Tagen wurde der Briefkasten schon nicht mehr geleert – ein eindeutiges Zeichen dafür, dass mit seinem greisen Bewohner etwas nicht stimmt.
Die Polizisten finden den leblosen Körper Reifenraths in der Küche auf und es scheint, als sei er entweder gestürzt oder an den Folgen eines Schlages gestorben. Kein spektakulärer Fall, wie es scheint. Bis die Beamten bei der Begehung des Grundstückes einen ausgemergelten Hund, eingesperrt in einem Hundezwinger, finden. In seiner Not hat er versucht sich durch einen Tunnel frei zu graben und dabei menschliche Knochen freigelegt. Diese rücken mit einem Schlag in den Vordergrund der Ermittlungen, denn es handelt sich um die Überreste dreier vermisster Frauen.

Der tot aufgefundene Theo Reifenrath betreute zusammen mit seiner Frau Rita Jahrzehnte lang schwer vermittelbare Kinder aus Kinderheimen und bot ihnen ein zu Hause. Dementsprechend groß ist der Kreis der Verdächtigen, die einerseits mit dem Tod des Pflegevaters, als auch mit den bald identifizierten Leichen in Verbindung stehen könnten. Diese sind nämlich vermisste Frauen aus nie aufgeklärten Mordverbrechen.
Die Ermittlungen ergeben, dass es sich bei den drei aufgefundenen Leichen nicht um Einzelfälle handelt, sondern um eine seit etlichen Jahren – mit einer unerklärlichen Unterbrechung – regelmäßig fortsetzten Mordserie.

Parallel zu den Ermittlungen des LKA rund um Frankfurt erzählt ein weiterer Handlungsstrang von einer jungen Schweizerin, die durch den Tod ihrer Mutter erfährt, dass sie adoptiert wurde und gar nicht den geglaubten Wurzeln entspringt. Ihre Suche führt sie auf die Fährte einer Koryphäe der Reproduktionsmedizin. Ihr derzeitiger Arbeitgeber ist eine Kinderwunschklinik in der Umgebung Frankfurts.
Durch einen unglücklichen Zufall kommt die junge Frau dem Täter näher, als ihr lieb ist, und auch dem Täter ist die Konfrontation mit der jungen Frau nicht zupass. Sie ist eine – in seinem Sinne – Unschuldige, die ihm bei seinem weiteren Vorgehen im Wege steht und sie deshalb erst einmal aus dem Verkehr gezogen werden muss.

„Muttertag“ ist getrieben von geschickt gelegten Fährten, die beim LKA immer wieder für den ersehnten Durchbruch sorgen und alle im Team um Pia Sander und Oliver von Bodenstein in helle Aufregung versetzen. Kaum ergibt beispielsweise die Beschattung eines in den Fokus des Verdachts gerückten Akteurs einen offensichtlichen Zusammenhang mit den Morden, erweist sich diese verdächtige Handlung während des polizeilichen Eingriffs als Lappalie und Alltagssituation. Das Team ist seit Tagen beinahe ununterbrochen mit den Ermittlungen zu Gange und befindet sich am Limit der Erschöpfung, als sich der Fall mit einem Mal zu einem persönlichen Drama auswächst.

Nele Neuhaus
Muttertag
ISBN-13 9783550081033

Reisebericht aus Amsterdam

amsterdam_cityMarihuana, Heineken, Grachten und Rotlicht. Das sind wohl die ersten Suggestionen, die uns zur niederländischen Hauptstadt einfallen. Attraktionen, die jedes Jahr von über 17 Million Touristen besucht werden, was mehr als der siebzehnfachen Menge der städtischen Einwohner entspricht. Neben den genannten Besonderheiten bietet Amsterdam jedoch auch eine Vielzahl an Museen, Kirchen und vor allem Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen.

Einige Stunden (ca. 6) haben wir, um durch die Stadt zu spazieren. Ein Zeitfenster, dass – möchte man ein Großteil der Stadt erkunden – keine Museumsbesuche zulässt. Ein Tipp des Michael Müller Verlags gefällt mir besonders: Ein persönlicher und geführter Stadtspaziergang, angeboten von Amsterdam Your Walk. Leider ist die Dame für diesen Tag bereits gebucht.

Spaziergang durch Amsterdam

Spaziergang durch Amsterdam

Aus diesem Grund stellen wir uns aus drei der insgesamt zwölf im Stadtführer vom Michael Müller Verlag vorgeschlagenen Touren einen noch individuelleren Besichtigungsspaziergang zusammen. Auf der ca. 6 Kilometer langen Strecke passieren wir das Multatuli Museum, das Huis mit de Hoofden, das Tulpenmuseum, das Anne-Frank-Haus, das Hausbootmuseum, das Hash Marihuana & Hanf Museum, Europas größten buddhistischen Tempel sowie die Oude Kerk inmitten des Rotlichtviertels. Und eine Grachtenfahrt ist auch noch drin.

Da Amsterdam aufgrund seiner Grachten für den PKW Verkehr nur bedingt geeignet ist, empfiehlt sich die Anreise mit dem Zug. So dachte auch ich bislang. Doch wer auf sein Fahrzeug nicht verzichten möchte, kann sehr gut im Parkhaus Interparking IJDock – kaum mehr als fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt – parken. Mit 3 € pro 23 Minuten erreicht man sehr schnell utopische Preise, weshalb sich ein Online-Check-In lohnt. Tagestickets können frühestens einen Tag vor Einfahrt online gebucht und per Kreditkarte bezahlt werden. Sie kosten dann nicht mehr als 15 Euro. Ein faszinierendes Schnäppchen.
Bares Geld kann auch bei einer Grachtenfahrt gespart werden. Mit 18 € schlägt beispielsweise eine einstündige Fahrt pro Erwachsenen zu Buche, steigt man in eines der Boote am Hauptbahnhof. Während unseres Spaziergangs stoßen wir auf Höhe der Straßenbahnstation Amsterdam Rokin zufällig auf die Reederei P. Koo´J, die bei gleicher Fahrdauer lediglich 11 € verlangt.

Obwohl ich Amsterdam etliche Mal besucht habe, ist der diesjährige Ausflug etwas Besonderes. Schlenderte ich sonst ohne konkreten Plan durch die verwinkelten Grachten und Gassen, entdeckte ich oft zufällig wunderbare Orte, Kneipen und Cafés. In der Regel blieben dies einmalige Entdeckungen, denn bei keinem der kommenden Besuche, fand ich erneut den Weg dorthin.
Umso besser, dass der Amsterdam Stadtführer diesmal einen Plan stellt. Nicht nur in Form seiner herausnehmbaren Faltkarte, sondern auch mit hochinteressanten Details zur historischen Stadtentstehung und der modernen Stadtentwicklung.
Im Kapitel „Architektur“ und „Venedig des Nordens“ findet der Leser viele Hintergrundinformationen, die die Begriffsherkunft erläutern. Der vorwiegend morastige und weiche Erdboden macht eine Ständerbauweise nötig, die der Venedigs gleicht. Tausende Baumstämme verankern die Bauwerke der Stadt in tragenden Erdschichten in einer Tiefe von 10-20 Metern.
Der Status der Niederlande als ehemalige Kolonialmacht schaffte die heutige kulturelle Vielfalt, die nicht nur in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam gelebt wird.

Mit dem Stadtführer MM-City Amsterdam findet man sich vor Ort sehr gut zurecht.
Vorweg werden Leser sehr hilfreich unterhalten und lernen viel über die Besonderheiten Amsterdams.
Ergänzen können Reisende ihr Stadtwissen durch die einstündige Grachtenfahrt, auf der beispielsweise die Immobilienbesteuerung an den Grachten thematisiert wird. Diese Besteuerung ist der Grund, warum die Häuser so schmal sind. Denn sie wurde nicht etwa auf die Fläche eines Hauses, sondern pro laufenden Meter an einer Gracht berechnet. Geld sparte also, wer schmal und in die Tiefe baute.

Ein Reisebericht von Oliver W. Steinhäuser


Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserVorbereitung der Reise durch:
Annette Krus-Bonazza
Amsterdam
ISBN 978-3-95654-125-4

Lesebericht zu „Gebrauchsanweisung für den Wald“ von Peter Wohlleben

Gebrauchsanweisung für den Wald_Peter Wohlleben_Rezension_Oliver Steinhaeuser_BlogSieben Jahre ist es her, dass ich vom Land in die Großstadt zog. Eine lange Zeit, in der der eigene Organismus anfängliche Schwierigkeiten überwunden und sich auf die neue Umgebung eingestellt hat:
veränderter Rhythmus; weniger Natur und andere Gerüche.
Deshalb stellt sich mir die Frage, ob der Organismus gar Dinge vergisst, mit denen er aufwuchs, die den Mensch seit den frühen Stunden prägen?

So komme ich mir jedenfalls vor, als ich mit der „Gebrauchsanweisung für den Wald“ zu Hause sitze und misstrauisch beäugt werde. „Ein paar Jahre in der Stadt, und schon braucht man eine Anleitung für den Wald?“, werde ich verständnislos gefragt. „Nein“, sage ich. „Aber es schadet nie, noch mehr zu wissen“, rede ich mich heraus. Ich fühle mich ertappt.
Doch wenn ich das Buch nicht selbst gelesen habe, werde ich nicht beurteilen können, ob mein urbaner Zerfall bereits so weit fortgeschritten ist, dass ich für ein natürliches Erlebnis eine Anleitung benötige. Deshalb sitze ich mit diesem Buch in der S-Bahn und lass mich hinaus ins Grüne treiben.


Ein kratziges Bett aus Tannenästen, taufeuchtes Moos als Waschlappen und Toilettenpapier (bitte nie andern herum), dazu Baumrinde und Käferlarven zum Frühstück. Was auf den ersten Blick rein gar nichts mit Kulinarik zu tun hat, verliert doch nie ganz seinen Reiz. Ob das mit unseren archaischen Instinkten zusammenhängt erläutert Peter Wohlleben seinen Lesern auf einem Ausflug durch den Wald.


Zentraler Punkt des Buches ist das Leben und Eingreifen des Menschen in den natürlichen Lebensraum Wald. Wohlleben beschreibt anschaulich, welche Auswirkungen beispielsweise Waldmaschinen auf das Ökosystem haben. Interessante Punkte, denn jeder ahnt, dass solch schweres Gerät dem Wald kein Segen bringen kann. Doch kaum jemand kennt die Gründe so gut, wie ein Förster.
Weiterhin wird der Eingriff in die natürliche Auslese des Tierreichs diskutiert. Füttert der Mensch im Winter so gerne Vögel mit Fettbällchen und Rehe mit Heu, greifen wir damit erheblich in die natürliche Selektion ein und verändern damit nicht nur die Population der Vögel und Rehe, sondern des gesamten Waldsystems. Im Anschluss an die Lektüre bekommt der Leser ein Gefühl dafür, was so lieb gemeinte Aktionen für Vögelchen und die süßen Rehe in Wahrheit bedeuten: Wir heben den tierischen Bestand über ein Niveau, das die Natur ernähren könnte. Tiere, die sonst im kalten Winter sterben würden, bleiben erhalten und beuten die Wälder im kommenden Frühling regelrecht aus. Aber auch dafür hat der Mensch eine Lösung: Aufforstung.
Man sieht schnell, dass ein Teufelskreis entsteht, der, ließe man die Natur auf ihre Weise wirken, gar nicht notwendig wäre.
Auch der Erhalt oder Aufbau von Artenvielfalt ist ein nicht zu unterschätzender Eingriff in die Natur und hat überhaupt nichts mit Naturschutz zu tun. „Die größte Artenvielfalt auf kleinstem Raum finden Sie in einem Zoo. Diesen als Naturschutzgebiet zu bezeichnen fällt selbst den aktivsten Umweltschützern nicht ein, und dennoch machen wir genau dies in Nationalparks und Co.“ (S. 132)

Ich interpretiere Wohllebens „Gebrauchsanweisung für den Wald“ als eine Einladung sich dem Wald wieder anzunähern, ihn zu schätzen und ihm mit dem nötigen Respekt zu begegnen. Das Buch ist keine Überlebensanleitung, die Auskunft darüber gibt, wie man im Wald lebt, wie man Hütten baut etc. Es ist vielmehr ein Anstoß, die Natur als „Tagesgast“ zu besuchen, sie zu beobachten oder Pilze und Beeren zu sammeln.
Das Buch ist mit interessanten Informationen gespickt, über die man sich vorher kaum Gedanken gemacht hat, oder sie niemals vermutet hätte.
Dazu gehören beispielsweise radioaktives Wildschweinfleisch oder der Vergleich zwischen Waldpfleger & Metzger. Ist erster im Ruf gutes für den Wald zu tun, käme wohl kaum jemand auf die Idee, einen Metzger als Tierpfleger zu bezeichnen. Doch im Vergleich beider Aufgabenfelder, bleibt am Ende kaum ein Unterschied.

Peter Wohlleben
Gebrauchsanweisung für den Wald
ISBN: 978-3-492-27684-9

Lesebericht zu „Das Geheimnis der Grays“ von Anne Meredith

Das Geheimnis der Grays_Anne Meredith_Rezensiert von Oliver Steinhäuser_Buch_Blog_LiteraturNicht mehr lange, dann steht Weihnachten wieder vor der Tür. Es gestaltet sich nicht immer einfach, allen familiären Verpflichtungen mit der nötigen Gelassenheit entgegenzutreten.
Allen bleibt zu hoffen, dass uns kein ebenso tragisches Ende, wie den Grays widerfährt, deren Vater am Weihnachtsmorgen tot aufgefunden wird. Erschlagen von einem seiner eigenen Kinder.Unverhofft trifft am Weihnachtsmorgen die Todesnachricht seine Kinder wie ein Schlag ins Gesicht. Sind alle doch gestern extra angereist, um dem Alten etwas Geld aus den Rippen zu leiern. Missgünstig beäugen sich die sechs Geschwister, suchen unter ihresgleichen nach dem Täter. Nach dem, der den Vater getötet und damit die Hoffnung auf finanzielle Erlösung ausgelöscht hat.

Nur eines der Kinder, Hildebrand, kennt den genauen Tathergang, war er es doch, der den Briefbeschwerer dem Vater im Zorn gegen die Schläfe geschlagen und Beweise manipuliert hat. Auch er sucht einen Schuldigen, der ihn vor der Enttarnung und dem Gang zum Galgen bewahrt.

Damit sich der Leser ein Bild von der Familie machen kann, werden alle Familienmitglieder und das Familienoberhaupt Adrian Gray im ersten Kapitel nacheinander vorgestellt. Diese Protagonistenliste erinnert an einen Vorabdruck für ein Theaterstück und ist den Lesern später dienlich. In dieser ersten Personenübersicht erfahren wir, welches Motiv die Kinder Adrian Grays antreibt, auch in diesem Jahr wieder der Einladung des Vaters zu folgen. Wohl ist es dabei keinem der Abkömmlinge. Denn alle benötigen wieder einmal eine Finanzspritze. Diese Hoffnung ist gleichzeitig alleiniger Grund, dem Vater und seinen eigenen Geschwistern zu begegnen.
In seinem Schwager Eustace findet der schuldige Hildebrand den perfekten Sündenbock. Jeder weiß um seine windigen Geschäfte, in dem auch der Vater seine Aktien hält. Dank seines Talents für das Nachahmen von Hand- und Unterschriften, gelingt ihm ein glaubhaft ausgefüllter Scheck des Vaters an Eustace. Den Scheck verbrennt er, den Kontrollabriss aber belässt er im Scheckheft. Dass sein Schwager mit alldem nichts zu tun hat und alles abstreiten wird, stört Hildebrand nicht weiter. Denn er wiederum weiß, dass seine Geschwister zwar auch ihn verdächtigen, er mit seinem gefälschten Beweis jedoch den größten Groll auf seinen Schwager Eustace lenkt.

Nach einem Viertel der Geschichte steht bereits fest, wer der Mörder ist: Das Geheimnis der Grays dreht sich demnach weniger um die Enttarnung eines Mörders, sondern konzentriert sich auf das Innenleben des schuldigen Protagonisten Hildebrand. Dem Leser offenbart er nämlich schnell, dass er der Täter ist und lässt ihn auch an der Tat teilhaben. Das wahre Geheimnis hinter seiner Tat liegt in seinen Gedanken, seinen Ängsten und Hoffnungen. Dem Leser wird dies Stück für Stück klarer. Der Originaltitel „Portrait of a Murderer“ verdeutlicht, dass die Geschichte kein klassischer Krimi der Sorte „whodunit“ ist. Der Leser lässt sich daher weniger auf eine polizeiliche Verfolgung, sondern das Innenleben eines Mörders, mit all seinen Gefühlen ein.


Das Geheimnis der Grays wird dominiert vom innerlich ausgefochtenen Zwiespalt seiner Protagonisten.


Das letzte Geheimnis des Hildebrand Gray liegt in der Beurteilung seiner Selbst durch den Leser.
Ist er ihm ans Herz gewachsen, versteht oder verabscheut man ihn gar?
Darüber wird hier nichts geschrieben.
Das ist eure Entscheidung!

Anne Meredith
Das Geheimnis der Grays
ISBN: 978-3-608-96299-4

Reisebericht vom Comer See – Teil 2 – Brunate – Varenna – Bellano – Bergamo

comer_see_Reisebericht von Oliver SteinhaeuserTeil 2 des Reiseberichts vom Comer See        (Teil 1 finden Sie hier)
Reisezeit: August


Nach einem ausflugslosen Badetag stehen wir am sechsten Tag in aller Frühe auf. Ein nächtliches Gewitter mit Regen sorgte für einen Temperatursturz auf 21°C am Morgen und bietet damit die Grundlage für eine Wanderung.
Der Plan: Como – Standseilbahn nach Brunate – Leuchtturm Voltario – Wandern nach Torno – Fährfahrt zurück nach Como
Doch: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.
Kurz nach dem Berufsverkehr fahren wir zunächst nach Como und parken am Hafen, keine 500 Meter von der Funicolare nach Brunate. Zu dieser frühen Stunde sind kaum Touristen unterwegs und wir können ohne Wartezeit mit der Standseilbahn hinauf fahren. In Brunate angekommen wenden wir uns nach links (in Bezug mit Blick hinunter nach Como), um zum ausgeschilderten Panoramablick auf Como zu gelangen. Ab hier läuft der Buch-.und Medienblog mit der Wanderkraxe zunächst zurück zur Funicolare und dann weiter zum Leuchtturm Faro Voltiano, errichtet in Gedenken an Alessandro Volta, Erfinder der Batterie und Mitbegründer der Elektrizitätslehre. Ein steiler und mit 16 Kilogramm Gepäck recht beschwerlicher Fußweg (Via Mulattiera per S. Maurizio) führt die etwa 200 Höhenmeter auf zwei Kilometern hinauf. Oben angekommen, bin ich froh, endlich die Kraxe ausziehen zu können. Es wird schnell klar, dass wir auf die Wanderung nach Torno verzichten, obwohl wir uns bereits Wochen zuvor darauf gefreut hatten. Die letzte Kraft setzen wir in die Besteigung des Leuchtturms, bevor wir ins Ortzentrum zurückkehren und mit der Standseilbahn zurück nach Como fahren.

Nach dieser Tortur gönnen wir uns Ruhe, verbringen drei Tage am Wasser und in unserer Unterkunft, schlendern hin- und wieder durch Bellagio und genießen bei leckerem Eis den Blick auf das lebhafte Treiben im Hafen.
Im Kapitel „Von Lecco nach Bellagio“ des Reisebuchs „Comer See“ erhalten Badefreunde die Information zu guten Bademöglichkeiten um den Ort Onno. Voller Euphorie vergessen wir, was wir im Kapitel „Unterwegs am Comer See“ (S.59) gelernt haben: Gerade die Wochenenden im August sind nicht nur von Touristen überlaufen, sondern gerade von etlichen Großfamilien aus den Städten Bergamo, Mailand sowie dem nahen Tessin. Die Badeplätze um Onno dürften vor allem auch durch Einwohner aus Lecco stark frequentiert sein. Und so kommt es, dass unser sonntäglicher Badeausflug nach Onno zum Reinfall wird. Autos stehen dicht an dicht an jeder noch so kleinen Haltemöglichkeit und darüber hinaus. Wabernd ziehen die Rauchschwaden der unzähligen Grills über die Uferstraße. Entschlossen drehen wir um und fahren zurück zu unserer kleinen Badestelle nach Limonta, denn bis hier hin schlängeln sich keine Wochenendausflügler.

Mit vollen Reserven geht es an Tag Nummer zehn mit dem PKW hinunter nach Lecco, entlang des Ostufers hinauf nach Varenna. Hier lohnt sich der etwa halbstündige Aufstieg zum Castello di Vezio, welches das Reisebuch des Michael Müller Verlags zu Recht als Empfehlung auf einer ganzen und besonders betonten Seite führt. Die auf dem Gelände der Burgruine drapierten, aus Pappmaché geformten Geisterfiguren in Gewändern, ergeben ein unglaublich tolles und mystisches Bild mit dem historischen Gemäuer und dem See als Kulisse.
Nach einer Brotzeit mit Blick auf den Comer See, das mittig in den See ragende Bellagio sowie Menaggio am Westufer, laufen wir zurück zum Auto und setzen unseren Ausflug fort. Die vorangeschrittene Mittagsstunde bringt auch die Wärme mit sich, sodass wir der kühlen Luft der Klamm Orrido di Bellano in Bellano entgegenstreben. Innerhalb von zehn Minuten sind wir von Varenna bis Bellano gefahren und parken auf dem Parkplatz vor der Kirche Chiesa dei Santi Nazaro E Celso. Dieser Parkplatz ist auch mit „L’Orrido“ an der Hauptstraße des Ortes ausgeschildert, fällt mit seinen ca. 15 Parkplätze jedoch spärlich aus. Die kleine Klamm ist durch Stege erschlossen und bietet am oberen Ende eine kleine parkähnliche Anlage mit Sitzbänken. Gerade mit kleinen Kindern eine tolle und ungefährliche Abwechslung.
ACHTUNG: Der Orrido bietet keine weitere Wandermöglichkeit wie etwa die Breitachklamm oder Starzlachklamm im Allgäu. In zehn Minuten ist hier alles gesehen und die Fotos geschossen.

Bevor wir den letzten Tag zum Sonnen- und Wasserbaden nutzen, führt unser Weg nach Bergamo. Nicht gerade günstig – dafür sicher – parken wir unseren PKW in der Tiefgarage „Piazza Libertà“. In nur fünf Minuten sind wir bis zur Standseilbahn Funicolare Città Alta gelaufen, die uns in wenigen Minuten hinauf in die Altstadt Bergamos zieht. Schon nach wenigen Metern schlendern wir über den zentralen Platz Piazza Vecchia, den wir durch die drei Bögen des Palazzo della Ragione wieder verlassen, um die unglaublich schöne Fassade der Cappella Colleoni zu bestaunen. Die Eindrücke, die man umgeben von den Gebäuden sammelt, sind schwer mit Fotografien festzuhalten. Die Cappella Colleoni, die daran anschließende Basilica die Santa Maria Maggiore, der Dom Bergamos und der Palazzo della Ragione. Alles so wunderschön beisammen, dass wir auf den Treppen der Cappella unser Vesper auspacken und die Aura auf uns wirken lassen.

Unsere Abreise vom Comer See nach zwei Wochen treten wir nach dem Frühstück an, fahren bis Lecco und von dort über die vierspurige SS36 am Comer See hinauf, vorbei am Lago di Mezzola nach Chiavenna. Den zweiläufigen Wasserfall Cascata dell’Acquafraggia wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen, nehmen dafür sogar den zeitintensiveren Heimweg über den Julierpass in Kauf. Nach einem Mittagsessen auf den grünen Wiesen am Fuße des Wasserfalls treten wir nun endgültig die Rückreise nach Stuttgart an.

Für wen sich der Comer See als Reisedestination eignet:
Je öfter ich über unsere Erfahrungen am Comer See berichte, desto klarer zeichnet sich ein Bild, für welche Zielgruppe der See geeignet ist. Der Spaßfaktor steigert sich mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn man mit selbstständigen Kindern oder gar ohne sie reist. Dann fallen die fehlenden Gehwege weniger stark ins Gewicht. Auch das Befahren des Sees mit Personenfähren stellt ohne die Mitnahme eines Kinderwagens, Wickelrücksacks, Bauchtrage etc. überhaupt keine Schwierigkeit dar.

Wir sind froh, den Comer See bereist zu haben, wissen allerdings auch, dass wir frühestens zurückkehren, sobald der Nachwuchs über sechs Jahre alt und somit deutlich eigenständiger ist. Denn dann steht der Weiterentdeckung per Schiff inklusive häufigem Umsteigen nichts mehr im Wege.

Ein Reisebericht von Oliver W. Steinhäuser


Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserVorbereitung der Reise durch:
Eberhard Fohrer
Comer See
ISBN 978-3-95654-133-9