Reisebericht aus der Pfalz

michael mueller reisebuch pfalz blog oliver steinhaeuserReisezeit: April

Urlaub im eigenen Land erfreut sich einer steigenden Popularität. Auch der Buch- und Medienblog hat seit Jahren die Idee, eine Deutschlandreise zu unternehmen. Eine Rundreise entlang der Grenzen. Ein ziemlicher Aufwand, ohne mobiles Heim. Deshalb schauen wir uns zu Ostern 2019 die Pfalz für eine Woche an. Eine Region, die sich – trotz meiner rheinland-pfälzischen Herkunft – für mich bislang touristisch nie erschloss. In Bad Bergzabern mieten wir uns ein, denn von Stuttgart aus bietet sich besonders die schnelle (110 km) Anreise in die Südpfalz an.
Im Handgepäck befindet sich das Reisebuch „Pfalz“ des Michael Müller Verlag. Ein klassischer Reiseführer für Individualreisende. Schnell finden wir interessante Ausflugsziele, und markieren uns Sehenswürdigkeiten in einem Radius von ca. 25 km von Bad Bergzabern. Weite Wege wollen wir in diesem Urlaub meiden.
In vier Sektoren gliedert der Michael Müller Verlag die Pfalz auf: Die Pfalz am Rhein (1); An der Deutschen Weinstraße(2); Im Pfälzerwald (3)und Im Nordpfälzer Bergland(4). Während der Erkundung der Region Südpfalz bewegen wir uns in den Sektoren (1) bis (3).

In unserer Unterkunft erhalten wir die Pfalzcard, ein touristisches Angebot, das zu freien Eintritten in ausgewählte Museen, Weinwanderungen und -proben, in Schwimmbäder einlädt und auch die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in der Pfalz einschließt.

Wissembourg

Allein dadurch kommen wir überhaupt auf die Idee, ein paar Stunden in der Südpfalztherme zu verbringen und mit dem Bus nach Wissembourg (Frankreich) zu fahren, anstatt mit dem Auto.

Auch auf der Reichsburg Trifels bei Annweiler freuen wir uns über den freien Eintritt, den wir durch die Pfalzcard genießen. Gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist, lockt der gebührenfreie Einlass auch Familien eher in Museen. Es schwindet der latente Druck, alles anschauen zu müssen, weil schließlich für alles gezahlt wurde. Es lässt sich zwangloser Entdecken.

Den Anreisetag nutzen wir auch zum Einkaufen. Lebensmitteldiscounter findet man in Bad Bergzabern reichlich. Etwas vom Stadtzentrum ausgelagert befinden sich Aldi, Penny, Lidl und dm. Ein Edeka ist in Bad Bergzabern ebenfalls vorhanden. Ein großes Angebot für das Kurstädtchen.

Unseren ersten Urlaubstag verbringen wir im Biosphärenhaus und Baumwipfelpfad inmitten des Biosphärenreservats Pfälzerwald/Nordvogesen in Fischbach. Gerade die angepriesene Röhrenrutsche möchten wir unserer Tochter nicht vorenthalten. Unser Enthusiasmus wird leider im Keim erstickt: Rutschen erst ab 6 Jahren und das Mitrutschen auf dem Schoß ist strengstens verboten. Das sorgt – nicht nur beim Nachwuchs – zunächst für traurige Gesichter, dem pädagogischen Wert des Wipfelpfads und des Biosphärenhauses tut dies jedoch keinen Abbruch.

Besonders Burgen und Burgruinen stehen im Vordergrund unserer Besichtigungen. Doch in sieben Tagen schaffen wir nur eine kleine Auswahl. Von den erhaltenen Burgen besichtigen wir die Burg Trifels, die frei (also ohne gebuchte Führung) besichtigt werden kann. Sie ist mit dem PKW sehr gut zu erreichen und der Aufstieg vom Parkplatz dauert nur zehn Minuten. Bei klarer Sicht blicken wir über Landau hinweg tief in die Rheinebene, bis zum Kernkraftwerk in Philippsburg.

Auch die noch bewohnte, über dem Ort Erlenbach thronende Burg Berwartstein schauen wir uns einen Moment an. Allerdings nur von außen, da im Inneren gerade eine Jugendgruppe geführt wird. Das „Pfalz“ Reisebuch empfiehlt die besonders für Kinder spannend und unterhaltsame Führung durch die Gemächer. Der Jugendausflug scheint dies zu bestätigen.
Besonders die Angaben zu Aufstiegszeiten auf die Burgen gefallen dem Buch- und Medienblog gut. Im Register muss der Burgfreund sich allerdings alle Burgen mühsam heraussuchen. Denn es gibt keinen zusammenfassenden Eintrag, der alle Burgen unter sich aufführt – wie etwa im Reisehandbuch „Allgäu“ des Michael Müller Verlags. Hier wurde dies für die Allgäuer Schlösser und Burgen so aufgebaut und half der Orientierung. Burgen im Allgäu – Burgen in der Pfalz – für mich äquivalent.

Sonnenaufgang auf der Ruine Wegelnburg

Der vorletzte Tag soll mit einem Sonnenaufgang und dem Blick über den Pfälzerwald beginnen. Von der Ruine Wegelnburg hat man einen tollen Ausblick. In aller Frühe führt mich der Weg in das beschauliche Dorf Nothweiler, das neben einem Bergbaumuseum auch die höchstgelegene Burgruine der Pfalz beheimatet. Sehr hilfreich finde ich die Angaben zur Aufstiegshöhe und der Streckenlänge von Nothweiler bis hinauf zur Ruine, die der Michael Müller Verlag zur Verfügung stellt. Sie helfen mir bei der Bestimmung meines morgendlichen Aufbruchs. Auch den beschriebenen (Wander)Parkplatz (Lembacher Straße) finde ich auf Anhieb. Da es so früh am Tag noch dunkel ist, entgeht mir leider die auf dem Parkplatz aufgestellte Rad- und Wanderkarte, weshalb ich dem deutsch-französischen Forstweg in südwestlicher Richtung folge. Da bald die Vögel ausgiebig zu zwitschern beginnen, wird klar, dass die Zeit drängt. Ich sehe die Ruine, aber die Forstwege führen mich einfach nicht weiter aufwärts, sondern um den Berg herum. Um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen entscheide ich mich irgendwann für den direkten Weg. Die Ruine in Sichtweite, klettere ich den Hang hinauf. Erschöpft aber rechtzeitig stehe ich auf der Wegelnburg und schaue der Morgendämmerung entgegen. Der Abstieg ist ein leichter, folgt man der Beschilderung nach Nothweiler – exakt auf der beschriebenen, lückenlos beschilderten Strecke. Ein Hinweisschild auf dem Wanderparkplatz, dass alle Wanderungen in Nothweiler starten, wäre hilfreich gewesen.

Rückblickend vergingen die sieben Tage wie im Flug, was einerseits an der Dichte unserer Unternehmungen sowie den Unternehmensmöglichkeiten in der Pfalz liegt. Das Reisehandbuch „Pfalz“ listet diese Ausflugsmöglichkeiten lückenlos und gibt wertvolle Tipps. In einer ruhigen Minute lese ich sehr gerne auch die historischen, geografischen oder kulturellen Hintergrundinformationen „Alles im Kasten“, zu finden in den gelben Zusatzkästen im Buch.
Da ich gerne Angebote und Sehenswürdigkeiten in Relation mit der Siedlungsdichte setze, fehlen mir diesmal die Informationen zu Einwohneranzahlen, die im „Pfalz“ Reisebuch leider nur sporadisch im Teasertext aufgeführt werden.

Ein Reisebericht von Oliver W. Steinhäuser


Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserVorbereitung der Reise durch:

Stefanie & Ansgar Schmitz-Veltin
Pfalz
ISBN: 978-3-95654-453-8

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Lesebericht zu „Muttertag“ von Nele Neuhaus

Die LKA Kommissare Pia Sander und Oliver von Bodenstein werden auf das altertümliche Anwesen des Theo Reifenraths gerufen. Bereits seit mehreren Tagen wurde der Briefkasten schon nicht mehr geleert – ein eindeutiges Zeichen dafür, dass mit seinem greisen Bewohner etwas nicht stimmt.
Die Polizisten finden den leblosen Körper Reifenraths in der Küche auf und es scheint, als sei er entweder gestürzt oder an den Folgen eines Schlages gestorben. Kein spektakulärer Fall, wie es scheint. Bis die Beamten bei der Begehung des Grundstückes einen ausgemergelten Hund, eingesperrt in einem Hundezwinger, finden. In seiner Not hat er versucht sich durch einen Tunnel frei zu graben und dabei menschliche Knochen freigelegt. Diese rücken mit einem Schlag in den Vordergrund der Ermittlungen, denn es handelt sich um die Überreste dreier vermisster Frauen.

Der tot aufgefundene Theo Reifenrath betreute zusammen mit seiner Frau Rita Jahrzehnte lang schwer vermittelbare Kinder aus Kinderheimen und bot ihnen ein zu Hause. Dementsprechend groß ist der Kreis der Verdächtigen, die einerseits mit dem Tod des Pflegevaters, als auch mit den bald identifizierten Leichen in Verbindung stehen könnten. Diese sind nämlich vermisste Frauen aus nie aufgeklärten Mordverbrechen.
Die Ermittlungen ergeben, dass es sich bei den drei aufgefundenen Leichen nicht um Einzelfälle handelt, sondern um eine seit etlichen Jahren – mit einer unerklärlichen Unterbrechung – regelmäßig fortsetzten Mordserie.

Parallel zu den Ermittlungen des LKA rund um Frankfurt erzählt ein weiterer Handlungsstrang von einer jungen Schweizerin, die durch den Tod ihrer Mutter erfährt, dass sie adoptiert wurde und gar nicht den geglaubten Wurzeln entspringt. Ihre Suche führt sie auf die Fährte einer Koryphäe der Reproduktionsmedizin. Ihr derzeitiger Arbeitgeber ist eine Kinderwunschklinik in der Umgebung Frankfurts.
Durch einen unglücklichen Zufall kommt die junge Frau dem Täter näher, als ihr lieb ist, und auch dem Täter ist die Konfrontation mit der jungen Frau nicht zupass. Sie ist eine – in seinem Sinne – Unschuldige, die ihm bei seinem weiteren Vorgehen im Wege steht und sie deshalb erst einmal aus dem Verkehr gezogen werden muss.

„Muttertag“ ist getrieben von geschickt gelegten Fährten, die beim LKA immer wieder für den ersehnten Durchbruch sorgen und alle im Team um Pia Sander und Oliver von Bodenstein in helle Aufregung versetzen. Kaum ergibt beispielsweise die Beschattung eines in den Fokus des Verdachts gerückten Akteurs einen offensichtlichen Zusammenhang mit den Morden, erweist sich diese verdächtige Handlung während des polizeilichen Eingriffs als Lappalie und Alltagssituation. Das Team ist seit Tagen beinahe ununterbrochen mit den Ermittlungen zu Gange und befindet sich am Limit der Erschöpfung, als sich der Fall mit einem Mal zu einem persönlichen Drama auswächst.

Nele Neuhaus
Muttertag
ISBN-13 9783550081033

Reisebericht aus Amsterdam

amsterdam_cityMarihuana, Heineken, Grachten und Rotlicht. Das sind wohl die ersten Suggestionen, die uns zur niederländischen Hauptstadt einfallen. Attraktionen, die jedes Jahr von über 17 Million Touristen besucht werden, was mehr als der siebzehnfachen Menge der städtischen Einwohner entspricht. Neben den genannten Besonderheiten bietet Amsterdam jedoch auch eine Vielzahl an Museen, Kirchen und vor allem Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen.

Einige Stunden (ca. 6) haben wir, um durch die Stadt zu spazieren. Ein Zeitfenster, dass – möchte man ein Großteil der Stadt erkunden – keine Museumsbesuche zulässt. Ein Tipp des Michael Müller Verlags gefällt mir besonders: Ein persönlicher und geführter Stadtspaziergang, angeboten von Amsterdam Your Walk. Leider ist die Dame für diesen Tag bereits gebucht.

Spaziergang durch Amsterdam

Spaziergang durch Amsterdam

Aus diesem Grund stellen wir uns aus drei der insgesamt zwölf im Stadtführer vom Michael Müller Verlag vorgeschlagenen Touren einen noch individuelleren Besichtigungsspaziergang zusammen. Auf der ca. 6 Kilometer langen Strecke passieren wir das Multatuli Museum, das Huis mit de Hoofden, das Tulpenmuseum, das Anne-Frank-Haus, das Hausbootmuseum, das Hash Marihuana & Hanf Museum, Europas größten buddhistischen Tempel sowie die Oude Kerk inmitten des Rotlichtviertels. Und eine Grachtenfahrt ist auch noch drin.

Da Amsterdam aufgrund seiner Grachten für den PKW Verkehr nur bedingt geeignet ist, empfiehlt sich die Anreise mit dem Zug. So dachte auch ich bislang. Doch wer auf sein Fahrzeug nicht verzichten möchte, kann sehr gut im Parkhaus Interparking IJDock – kaum mehr als fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt – parken. Mit 3 € pro 23 Minuten erreicht man sehr schnell utopische Preise, weshalb sich ein Online-Check-In lohnt. Tagestickets können frühestens einen Tag vor Einfahrt online gebucht und per Kreditkarte bezahlt werden. Sie kosten dann nicht mehr als 15 Euro. Ein faszinierendes Schnäppchen.
Bares Geld kann auch bei einer Grachtenfahrt gespart werden. Mit 18 € schlägt beispielsweise eine einstündige Fahrt pro Erwachsenen zu Buche, steigt man in eines der Boote am Hauptbahnhof. Während unseres Spaziergangs stoßen wir auf Höhe der Straßenbahnstation Amsterdam Rokin zufällig auf die Reederei P. Koo´J, die bei gleicher Fahrdauer lediglich 11 € verlangt.

Obwohl ich Amsterdam etliche Mal besucht habe, ist der diesjährige Ausflug etwas Besonderes. Schlenderte ich sonst ohne konkreten Plan durch die verwinkelten Grachten und Gassen, entdeckte ich oft zufällig wunderbare Orte, Kneipen und Cafés. In der Regel blieben dies einmalige Entdeckungen, denn bei keinem der kommenden Besuche, fand ich erneut den Weg dorthin.
Umso besser, dass der Amsterdam Stadtführer diesmal einen Plan stellt. Nicht nur in Form seiner herausnehmbaren Faltkarte, sondern auch mit hochinteressanten Details zur historischen Stadtentstehung und der modernen Stadtentwicklung.
Im Kapitel „Architektur“ und „Venedig des Nordens“ findet der Leser viele Hintergrundinformationen, die die Begriffsherkunft erläutern. Der vorwiegend morastige und weiche Erdboden macht eine Ständerbauweise nötig, die der Venedigs gleicht. Tausende Baumstämme verankern die Bauwerke der Stadt in tragenden Erdschichten in einer Tiefe von 10-20 Metern.
Der Status der Niederlande als ehemalige Kolonialmacht schaffte die heutige kulturelle Vielfalt, die nicht nur in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam gelebt wird.

Mit dem Stadtführer MM-City Amsterdam findet man sich vor Ort sehr gut zurecht.
Vorweg werden Leser sehr hilfreich unterhalten und lernen viel über die Besonderheiten Amsterdams.
Ergänzen können Reisende ihr Stadtwissen durch die einstündige Grachtenfahrt, auf der beispielsweise die Immobilienbesteuerung an den Grachten thematisiert wird. Diese Besteuerung ist der Grund, warum die Häuser so schmal sind. Denn sie wurde nicht etwa auf die Fläche eines Hauses, sondern pro laufenden Meter an einer Gracht berechnet. Geld sparte also, wer schmal und in die Tiefe baute.

Ein Reisebericht von Oliver W. Steinhäuser


Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserVorbereitung der Reise durch:
Annette Krus-Bonazza
Amsterdam
ISBN 978-3-95654-125-4

Lesebericht zu „Gebrauchsanweisung für den Wald“ von Peter Wohlleben

Gebrauchsanweisung für den Wald_Peter Wohlleben_Rezension_Oliver Steinhaeuser_BlogSieben Jahre ist es her, dass ich vom Land in die Großstadt zog. Eine lange Zeit, in der der eigene Organismus anfängliche Schwierigkeiten überwunden und sich auf die neue Umgebung eingestellt hat:
veränderter Rhythmus; weniger Natur und andere Gerüche.
Deshalb stellt sich mir die Frage, ob der Organismus gar Dinge vergisst, mit denen er aufwuchs, die den Mensch seit den frühen Stunden prägen?

So komme ich mir jedenfalls vor, als ich mit der „Gebrauchsanweisung für den Wald“ zu Hause sitze und misstrauisch beäugt werde. „Ein paar Jahre in der Stadt, und schon braucht man eine Anleitung für den Wald?“, werde ich verständnislos gefragt. „Nein“, sage ich. „Aber es schadet nie, noch mehr zu wissen“, rede ich mich heraus. Ich fühle mich ertappt.
Doch wenn ich das Buch nicht selbst gelesen habe, werde ich nicht beurteilen können, ob mein urbaner Zerfall bereits so weit fortgeschritten ist, dass ich für ein natürliches Erlebnis eine Anleitung benötige. Deshalb sitze ich mit diesem Buch in der S-Bahn und lass mich hinaus ins Grüne treiben.


Ein kratziges Bett aus Tannenästen, taufeuchtes Moos als Waschlappen und Toilettenpapier (bitte nie andern herum), dazu Baumrinde und Käferlarven zum Frühstück. Was auf den ersten Blick rein gar nichts mit Kulinarik zu tun hat, verliert doch nie ganz seinen Reiz. Ob das mit unseren archaischen Instinkten zusammenhängt erläutert Peter Wohlleben seinen Lesern auf einem Ausflug durch den Wald.


Zentraler Punkt des Buches ist das Leben und Eingreifen des Menschen in den natürlichen Lebensraum Wald. Wohlleben beschreibt anschaulich, welche Auswirkungen beispielsweise Waldmaschinen auf das Ökosystem haben. Interessante Punkte, denn jeder ahnt, dass solch schweres Gerät dem Wald kein Segen bringen kann. Doch kaum jemand kennt die Gründe so gut, wie ein Förster.
Weiterhin wird der Eingriff in die natürliche Auslese des Tierreichs diskutiert. Füttert der Mensch im Winter so gerne Vögel mit Fettbällchen und Rehe mit Heu, greifen wir damit erheblich in die natürliche Selektion ein und verändern damit nicht nur die Population der Vögel und Rehe, sondern des gesamten Waldsystems. Im Anschluss an die Lektüre bekommt der Leser ein Gefühl dafür, was so lieb gemeinte Aktionen für Vögelchen und die süßen Rehe in Wahrheit bedeuten: Wir heben den tierischen Bestand über ein Niveau, das die Natur ernähren könnte. Tiere, die sonst im kalten Winter sterben würden, bleiben erhalten und beuten die Wälder im kommenden Frühling regelrecht aus. Aber auch dafür hat der Mensch eine Lösung: Aufforstung.
Man sieht schnell, dass ein Teufelskreis entsteht, der, ließe man die Natur auf ihre Weise wirken, gar nicht notwendig wäre.
Auch der Erhalt oder Aufbau von Artenvielfalt ist ein nicht zu unterschätzender Eingriff in die Natur und hat überhaupt nichts mit Naturschutz zu tun. „Die größte Artenvielfalt auf kleinstem Raum finden Sie in einem Zoo. Diesen als Naturschutzgebiet zu bezeichnen fällt selbst den aktivsten Umweltschützern nicht ein, und dennoch machen wir genau dies in Nationalparks und Co.“ (S. 132)

Ich interpretiere Wohllebens „Gebrauchsanweisung für den Wald“ als eine Einladung sich dem Wald wieder anzunähern, ihn zu schätzen und ihm mit dem nötigen Respekt zu begegnen. Das Buch ist keine Überlebensanleitung, die Auskunft darüber gibt, wie man im Wald lebt, wie man Hütten baut etc. Es ist vielmehr ein Anstoß, die Natur als „Tagesgast“ zu besuchen, sie zu beobachten oder Pilze und Beeren zu sammeln.
Das Buch ist mit interessanten Informationen gespickt, über die man sich vorher kaum Gedanken gemacht hat, oder sie niemals vermutet hätte.
Dazu gehören beispielsweise radioaktives Wildschweinfleisch oder der Vergleich zwischen Waldpfleger & Metzger. Ist erster im Ruf gutes für den Wald zu tun, käme wohl kaum jemand auf die Idee, einen Metzger als Tierpfleger zu bezeichnen. Doch im Vergleich beider Aufgabenfelder, bleibt am Ende kaum ein Unterschied.

Peter Wohlleben
Gebrauchsanweisung für den Wald
ISBN: 978-3-492-27684-9

Lesebericht zu „Das Geheimnis der Grays“ von Anne Meredith

Das Geheimnis der Grays_Anne Meredith_Rezensiert von Oliver Steinhäuser_Buch_Blog_LiteraturNicht mehr lange, dann steht Weihnachten wieder vor der Tür. Es gestaltet sich nicht immer einfach, allen familiären Verpflichtungen mit der nötigen Gelassenheit entgegenzutreten.
Allen bleibt zu hoffen, dass uns kein ebenso tragisches Ende, wie den Grays widerfährt, deren Vater am Weihnachtsmorgen tot aufgefunden wird. Erschlagen von einem seiner eigenen Kinder.Unverhofft trifft am Weihnachtsmorgen die Todesnachricht seine Kinder wie ein Schlag ins Gesicht. Sind alle doch gestern extra angereist, um dem Alten etwas Geld aus den Rippen zu leiern. Missgünstig beäugen sich die sechs Geschwister, suchen unter ihresgleichen nach dem Täter. Nach dem, der den Vater getötet und damit die Hoffnung auf finanzielle Erlösung ausgelöscht hat.

Nur eines der Kinder, Hildebrand, kennt den genauen Tathergang, war er es doch, der den Briefbeschwerer dem Vater im Zorn gegen die Schläfe geschlagen und Beweise manipuliert hat. Auch er sucht einen Schuldigen, der ihn vor der Enttarnung und dem Gang zum Galgen bewahrt.

Damit sich der Leser ein Bild von der Familie machen kann, werden alle Familienmitglieder und das Familienoberhaupt Adrian Gray im ersten Kapitel nacheinander vorgestellt. Diese Protagonistenliste erinnert an einen Vorabdruck für ein Theaterstück und ist den Lesern später dienlich. In dieser ersten Personenübersicht erfahren wir, welches Motiv die Kinder Adrian Grays antreibt, auch in diesem Jahr wieder der Einladung des Vaters zu folgen. Wohl ist es dabei keinem der Abkömmlinge. Denn alle benötigen wieder einmal eine Finanzspritze. Diese Hoffnung ist gleichzeitig alleiniger Grund, dem Vater und seinen eigenen Geschwistern zu begegnen.
In seinem Schwager Eustace findet der schuldige Hildebrand den perfekten Sündenbock. Jeder weiß um seine windigen Geschäfte, in dem auch der Vater seine Aktien hält. Dank seines Talents für das Nachahmen von Hand- und Unterschriften, gelingt ihm ein glaubhaft ausgefüllter Scheck des Vaters an Eustace. Den Scheck verbrennt er, den Kontrollabriss aber belässt er im Scheckheft. Dass sein Schwager mit alldem nichts zu tun hat und alles abstreiten wird, stört Hildebrand nicht weiter. Denn er wiederum weiß, dass seine Geschwister zwar auch ihn verdächtigen, er mit seinem gefälschten Beweis jedoch den größten Groll auf seinen Schwager Eustace lenkt.

Nach einem Viertel der Geschichte steht bereits fest, wer der Mörder ist: Das Geheimnis der Grays dreht sich demnach weniger um die Enttarnung eines Mörders, sondern konzentriert sich auf das Innenleben des schuldigen Protagonisten Hildebrand. Dem Leser offenbart er nämlich schnell, dass er der Täter ist und lässt ihn auch an der Tat teilhaben. Das wahre Geheimnis hinter seiner Tat liegt in seinen Gedanken, seinen Ängsten und Hoffnungen. Dem Leser wird dies Stück für Stück klarer. Der Originaltitel „Portrait of a Murderer“ verdeutlicht, dass die Geschichte kein klassischer Krimi der Sorte „whodunit“ ist. Der Leser lässt sich daher weniger auf eine polizeiliche Verfolgung, sondern das Innenleben eines Mörders, mit all seinen Gefühlen ein.


Das Geheimnis der Grays wird dominiert vom innerlich ausgefochtenen Zwiespalt seiner Protagonisten.


Das letzte Geheimnis des Hildebrand Gray liegt in der Beurteilung seiner Selbst durch den Leser.
Ist er ihm ans Herz gewachsen, versteht oder verabscheut man ihn gar?
Darüber wird hier nichts geschrieben.
Das ist eure Entscheidung!

Anne Meredith
Das Geheimnis der Grays
ISBN: 978-3-608-96299-4

Reisebericht vom Comer See – Teil 2 – Brunate – Varenna – Bellano – Bergamo

comer_see_Reisebericht von Oliver SteinhaeuserTeil 2 des Reiseberichts vom Comer See        (Teil 1 finden Sie hier)
Reisezeit: August


Nach einem ausflugslosen Badetag stehen wir am sechsten Tag in aller Frühe auf. Ein nächtliches Gewitter mit Regen sorgte für einen Temperatursturz auf 21°C am Morgen und bietet damit die Grundlage für eine Wanderung.
Der Plan: Como – Standseilbahn nach Brunate – Leuchtturm Voltario – Wandern nach Torno – Fährfahrt zurück nach Como
Doch: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.
Kurz nach dem Berufsverkehr fahren wir zunächst nach Como und parken am Hafen, keine 500 Meter von der Funicolare nach Brunate. Zu dieser frühen Stunde sind kaum Touristen unterwegs und wir können ohne Wartezeit mit der Standseilbahn hinauf fahren. In Brunate angekommen wenden wir uns nach links (in Bezug mit Blick hinunter nach Como), um zum ausgeschilderten Panoramablick auf Como zu gelangen. Ab hier läuft der Buch-.und Medienblog mit der Wanderkraxe zunächst zurück zur Funicolare und dann weiter zum Leuchtturm Faro Voltiano, errichtet in Gedenken an Alessandro Volta, Erfinder der Batterie und Mitbegründer der Elektrizitätslehre. Ein steiler und mit 16 Kilogramm Gepäck recht beschwerlicher Fußweg (Via Mulattiera per S. Maurizio) führt die etwa 200 Höhenmeter auf zwei Kilometern hinauf. Oben angekommen, bin ich froh, endlich die Kraxe ausziehen zu können. Es wird schnell klar, dass wir auf die Wanderung nach Torno verzichten, obwohl wir uns bereits Wochen zuvor darauf gefreut hatten. Die letzte Kraft setzen wir in die Besteigung des Leuchtturms, bevor wir ins Ortzentrum zurückkehren und mit der Standseilbahn zurück nach Como fahren.

Nach dieser Tortur gönnen wir uns Ruhe, verbringen drei Tage am Wasser und in unserer Unterkunft, schlendern hin- und wieder durch Bellagio und genießen bei leckerem Eis den Blick auf das lebhafte Treiben im Hafen.
Im Kapitel „Von Lecco nach Bellagio“ des Reisebuchs „Comer See“ erhalten Badefreunde die Information zu guten Bademöglichkeiten um den Ort Onno. Voller Euphorie vergessen wir, was wir im Kapitel „Unterwegs am Comer See“ (S.59) gelernt haben: Gerade die Wochenenden im August sind nicht nur von Touristen überlaufen, sondern gerade von etlichen Großfamilien aus den Städten Bergamo, Mailand sowie dem nahen Tessin. Die Badeplätze um Onno dürften vor allem auch durch Einwohner aus Lecco stark frequentiert sein. Und so kommt es, dass unser sonntäglicher Badeausflug nach Onno zum Reinfall wird. Autos stehen dicht an dicht an jeder noch so kleinen Haltemöglichkeit und darüber hinaus. Wabernd ziehen die Rauchschwaden der unzähligen Grills über die Uferstraße. Entschlossen drehen wir um und fahren zurück zu unserer kleinen Badestelle nach Limonta, denn bis hier hin schlängeln sich keine Wochenendausflügler.

Mit vollen Reserven geht es an Tag Nummer zehn mit dem PKW hinunter nach Lecco, entlang des Ostufers hinauf nach Varenna. Hier lohnt sich der etwa halbstündige Aufstieg zum Castello di Vezio, welches das Reisebuch des Michael Müller Verlags zu Recht als Empfehlung auf einer ganzen und besonders betonten Seite führt. Die auf dem Gelände der Burgruine drapierten, aus Pappmaché geformten Geisterfiguren in Gewändern, ergeben ein unglaublich tolles und mystisches Bild mit dem historischen Gemäuer und dem See als Kulisse.
Nach einer Brotzeit mit Blick auf den Comer See, das mittig in den See ragende Bellagio sowie Menaggio am Westufer, laufen wir zurück zum Auto und setzen unseren Ausflug fort. Die vorangeschrittene Mittagsstunde bringt auch die Wärme mit sich, sodass wir der kühlen Luft der Klamm Orrido di Bellano in Bellano entgegenstreben. Innerhalb von zehn Minuten sind wir von Varenna bis Bellano gefahren und parken auf dem Parkplatz vor der Kirche Chiesa dei Santi Nazaro E Celso. Dieser Parkplatz ist auch mit „L’Orrido“ an der Hauptstraße des Ortes ausgeschildert, fällt mit seinen ca. 15 Parkplätze jedoch spärlich aus. Die kleine Klamm ist durch Stege erschlossen und bietet am oberen Ende eine kleine parkähnliche Anlage mit Sitzbänken. Gerade mit kleinen Kindern eine tolle und ungefährliche Abwechslung.
ACHTUNG: Der Orrido bietet keine weitere Wandermöglichkeit wie etwa die Breitachklamm oder Starzlachklamm im Allgäu. In zehn Minuten ist hier alles gesehen und die Fotos geschossen.

Bevor wir den letzten Tag zum Sonnen- und Wasserbaden nutzen, führt unser Weg nach Bergamo. Nicht gerade günstig – dafür sicher – parken wir unseren PKW in der Tiefgarage „Piazza Libertà“. In nur fünf Minuten sind wir bis zur Standseilbahn Funicolare Città Alta gelaufen, die uns in wenigen Minuten hinauf in die Altstadt Bergamos zieht. Schon nach wenigen Metern schlendern wir über den zentralen Platz Piazza Vecchia, den wir durch die drei Bögen des Palazzo della Ragione wieder verlassen, um die unglaublich schöne Fassade der Cappella Colleoni zu bestaunen. Die Eindrücke, die man umgeben von den Gebäuden sammelt, sind schwer mit Fotografien festzuhalten. Die Cappella Colleoni, die daran anschließende Basilica die Santa Maria Maggiore, der Dom Bergamos und der Palazzo della Ragione. Alles so wunderschön beisammen, dass wir auf den Treppen der Cappella unser Vesper auspacken und die Aura auf uns wirken lassen.

Unsere Abreise vom Comer See nach zwei Wochen treten wir nach dem Frühstück an, fahren bis Lecco und von dort über die vierspurige SS36 am Comer See hinauf, vorbei am Lago di Mezzola nach Chiavenna. Den zweiläufigen Wasserfall Cascata dell’Acquafraggia wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen, nehmen dafür sogar den zeitintensiveren Heimweg über den Julierpass in Kauf. Nach einem Mittagsessen auf den grünen Wiesen am Fuße des Wasserfalls treten wir nun endgültig die Rückreise nach Stuttgart an.

Für wen sich der Comer See als Reisedestination eignet:
Je öfter ich über unsere Erfahrungen am Comer See berichte, desto klarer zeichnet sich ein Bild, für welche Zielgruppe der See geeignet ist. Der Spaßfaktor steigert sich mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn man mit selbstständigen Kindern oder gar ohne sie reist. Dann fallen die fehlenden Gehwege weniger stark ins Gewicht. Auch das Befahren des Sees mit Personenfähren stellt ohne die Mitnahme eines Kinderwagens, Wickelrücksacks, Bauchtrage etc. überhaupt keine Schwierigkeit dar.

Wir sind froh, den Comer See bereist zu haben, wissen allerdings auch, dass wir frühestens zurückkehren, sobald der Nachwuchs über sechs Jahre alt und somit deutlich eigenständiger ist. Denn dann steht der Weiterentdeckung per Schiff inklusive häufigem Umsteigen nichts mehr im Wege.

Ein Reisebericht von Oliver W. Steinhäuser


Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserVorbereitung der Reise durch:
Eberhard Fohrer
Comer See
ISBN 978-3-95654-133-9

Reisebericht vom Comer See – Teil 1 – Como – Bellagio – Madonna del Ghisallo

Teil 1       (Teil 2 erscheint in 14 Tagen, am 23.11.2018)
Reisezeit: August


Zwei Wochen nehmen wir uns Zeit, um den oberitalienischen Comer See zu bereisen. Ein von Villen gesäumtes und von prominenten Persönlichkeiten geschätztes Feriendomizil mit einer mediterranen Flora und Fauna. Auch der Filmindustrie bietet der See immer wieder tolle Kulissen. Was so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, möchte auch der Buch- und Medienblog einmal erleben und begibt sich auf Entdeckungsreise in die Lombardei.

Die einen machen jahrelang voller Überzeugung Urlaub am Comer See, andere waren dort und zogen sofort weiter. Gespaltener kann die Meinung vorab unserer Reise kaum sein. Nach sorgfältiger Planung mit dem Reisebuch des Michael Müller Verlags geht es gemischter Gefühle los. Im Hinterkopf stets die Frage, mit welchen Eindrücken wir den Comer See nach 14 Tagen verlassen.

Aufgrund der relativ kurzen Anreise von Stuttgart (500 km), planen wir auf der Hinreise einen Stopp am Rheinfall in Schaffhausen (CH) ein. Ein wunderbares Bild bietet sich, sobald man ihn von einem der Rheinfall Parkplätze in Neuhausen vor sich sieht. Doch richtig beeindruckend wird der 23 Meter hohe und 150 Meter breite Wasserfall erst, sobald man sich ihm mit einem der Boote nähert. Dafür reicht bereits eine 15-minütige Ausfahrt, während der man sich zwei Mal an das tosende Gewässer tastet, bis sich das schäumende Wasser schließlich imposant auftürmt.
Weiter geht es durch die Schweiz, bis wir schließlich die italienische Grenze passieren und bereits fünf Minuten später durch Como hindurch auf die westliche Uferstraße in Richtung Menaggio und Cadenabbia fahren, von wo wir mit der Autofähre nach Bellagio übersetzen. Hier beziehen wir im vier Kilometer entfernten Dorf Limonta der Gemeinde Oliveto Lario unser Quartier und planen die Tagesausflüge für die kommenden Wochen.

Da wir uns gluten- und laktosefrei ernähren, brechen wir bereits am ersten Tag nach Como auf, um nach einem Spaziergang durch die Altstadt und den Hafen im Anschluss im Lidl Italia in Fino Mornasco einzukaufen.
Bevor wir Como zum Einkaufen wieder verlassen, kehren wir in Hafennähe im Restaurant „El Merendero“ am Piazza de Orchi ein. Hier gibt es wunderbare gluten- und laktosefreie Burger Menüs zu einem unschlagbaren Preis; und das Personal ist bestens mit der gebotenen Vorsicht bei Zöliakie vertraut!
Nachdem wir uns bei Lidl Italia mit Fleisch, Käse, Wurst etc. für die folgenden 14 Tage eingedeckt haben, können wir den Rest des Urlaubs beinahe einkaufsfrei genießen.

Verkehr am Comer See

Bereits an dieser Stelle möchte ich einige Hinweise zum Straßenverkehr rund um den Comer See geben:
Gemütliche Ausfahrten mit dem PKW auf den Uferstraßen des Gebiets Triangolo Lariano (Dreieck zwischen den beiden See Armen) sind beinahe nicht möglich, da die Straßen teilweise extrem eng sind. Hier ist oft absolute Konzentration angesagt. Die vereinzelt angelegten Parkplätze sind aufgrund der Felsen, die manchmal bis direkt an die Straße und das Ufer ragen, eher überschaubar und meist bereits belegt. Auch ausgedehnte Spaziergänge am Ufer sind, zumindest in den von mir rot markierten Abschnitten, nicht möglich. Die beengte Lage zwischen Fels und See bedingt, dass die schmalen Uferstraßen, wenn überhaupt, sporadisch mit Gehwegen ausgestattet sind. Und an den Ufern direkt befinden sich keine Spazierwege.
Dies empfinden wir gerade mit Kinderwagen und zum Joggen zu gefährlich und steigen dementsprechend für jeden noch so kurzen Ausflug ins Auto.

Bellagio besuchen wir des Öfteren. Gerade der Botanische Garten der Villa Melzi lädt aufgrund seiner Weitläufigkeit ein. Der alleeartig bepflanzte Uferweg spendet auch an heißen Tagen Schatten und verführt zum Entspannen auf Steinbänkchen oder auf dem Rasen. Wer das Tagesticket gelöst hat, kann den Park verlassen und bis 18 Uhr jederzeit wieder erneut betreten, was sich besonders dann anbietet, wenn man auf die kostenlosen Gemeindeparkplätze etwas zentrumsferner zurückgreift und den Park als Transit ins Stadtzentrum von Bellagio mitnutzen möchte.
Lebensmittel können gleich in zwei Supermärkten (Sigma & Migross) in der Via Alessandro Volta gekauft werden. Zusammengenommen bieten beide Märkte ein umfangreiches gluten- und laktosefreies Sortiment an. Eine Querstraße weiter, in der Via Lazzaretto befindet sich außerdem ein Parkplatz, sowie eine Wasserstation. Hier kann sowohl stilles als auch gekühltes Sprudelwasser für 0,05€/l gezapft werden.

Nach Lezzeno zieht es uns am vierten Tag, denn wir möchten die im Reisebuch angesprochene Grotta dei Bulberi – die blaue Grotte ansehen. An der Touristeninformation Nähe des Fährstegs bestellen wir Tickets zur Besichtigung. Ungläubig werden wir beäugt und erhalten die Info, dass dies nur mit einem privaten bzw. einem gemieteten Boot ginge. Dazu fehlt im Reisebuch leider der Hinweis. Kurzerhand blättern wir ein paar Seiten weiter und entscheiden uns zu einem PKW Ausflug via Nesso, weiter über kurvige Straßen zur Sternwarte und Aussichtsplattform Colma di Sormano und von dort zur Madonna del Ghisallo in Magreglio. Die kleine Kapelle geht auf das 17. Jahrhundert zurück und in ihr befindet sich ein Gemälde mit der Beata Vergine Maria – die schöne Jungfrau Maria, genannt Madonna del Ghisallo. Diese erklärte Papst Pius XII im Jahr 1946 zur Schutzpatronin der Radfahrer.
In Blickweite schließt sich ein Fahrradmuseum an.

Der Reisebericht zum Comer See wird am 23. November 2018 fortgesetzt.
Vorschau: Brunate – Varenna – Bellano – Bergamo

Ein Reisebericht von Oliver W. Steinhäuser


Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserVorbereitung der Reise durch:
Eberhard Fohrer
Comer See
ISBN 978-3-95654-133-9