Buch- und Medienblog schreibt für Klett-Cotta

Buch- und Medienblog schreibt für Klett-Cotta

Ich habe ihn getötet, Buchblog, Klett-Cotta, Oliver Steinhäuser, Keigo Higashino22.06.2016. Nach über einem Jahr Pause ist es wieder soweit. Der Buch- und Medienblog schreibt erneut Gastbeiträge für den Klett-Cotta Blog.

Los geht es mit dem neuen Kriminalroman von Keigo Hihashino. Der japanische Autor fällt vor allem durch die Verwendung komplexer Sachverhalte auf. In seinen Szenen lässt er viel Spielraum für alle erdenklichen Schlussfolgerungen an einem geschehenen Mord. In „Ich habe ihn getötet“ treibt er es auf die Spitze und verrät nicht explizit, wer der Täter ist. Higoshino bindet den Leser am Schluss aktiv ein, gibt ihm kleine Hinweise und führt ihn (wenn man ein wenig Geduld mitbringt) auf die Fährte des Rätsels Lösung.

Hier geht es zum Beitrag:

Ermittlungsprotokoll: „Ich habe ihn getötet“ von Keigo Higashiono

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Lesebericht zu „Halbe Helden“ von Erin Jade Lange

Halbe Helden Cover, Buchblog, Oliver Steinhäuser, Blog, Rezension, Erin Jade Lange, Magellan VerlagZwei Jugendliche treffen in ihrer trostlos heruntergekommenen Nachbarschaft aufeinander. Äußerlich betrachtet verbindet die beiden lediglich ihre Vaterlosigkeit und die Aussicht auf ein Leben im sozialen Brennpunkt. Während Dane ein ausgeklügeltes Schlitzohr ist, der Konflikte bevorzugt mit seinen Fäusten klärt und die Wahrheit als flexibles Konstrukt interpretiert, ist Billy D. eine treue und ehrliche Seele. Lügen kann er nicht. Und er versteht auch nicht, warum Menschen flunkern, hinterlistig und verdorben sind, denn Billy D. leidet unter dem Down-Syndrom und sieht die Welt aus vorurteilsfreieren, aufrichtigeren (und auch naiveren) Augen.

Nachdem der neu zugezogene Billy D. sich auf der Suche nach Anschluss an die Fersen seines Nachbarn Dane haftet, wird er prompt mit dessen Gefühlskälte konfrontiert. Kein anderer Jugendlicher würde sich ihm derart aufdrängen, sondern vor ihm kuschen – aus Angst von ihm verprügelt zu werden. Nicht so Billy D., der Neue in der Straße. Unerschrocken folgt er Dane auf Schritt und Tritt, denn er möchte sein Freund sein. Zu fürchten braucht er sich vor dem gewaltbereiten Dane nicht, denn der gibt ihm deutlich zu verstehen, dass er keine „Mongos“ schlägt. Obwohl Dane überhaupt keine Lust hat mit einem behinderten Menschen in der Schule gesehen zu werden, ist es Billy D., der zu seiner letzten Chance wird und der ihn vor einem Rausschmiss von der Schule bewahren kann. Widerwillig lässt Dane sich auf diese besondere Verbindung ein und merkt plötzlich, dass die Tatsache, dass beide vaterlos aufwachsen sie zusammenschweißt und zu echten Gefährten werden lässt.
Auf der Suche nach Billys Vater erleben die beiden Abenteuer, schlagen sich durch und müssen herbe Rückschläge einstecken. Die gemeinsamen Unternehmungen fördern einen Einstellungswandel anderen Menschen gegenüber zu Tage. Dem rücksichtslosen Dane wird durch den Kontakt zu Billy nach und nach bewusst, dass Menschen in der Regel den Hang dazu haben, andere, von der Norm abweichende Mitmenschen, stets als Opfer zu verurteilen.

„Halbe Helden“ ist ein Reflexionsroman, der seinem Leser in einer außergewöhnlichen und zugleich rührenden Geschichte einen großen Pool an menschlichem Verhalten präsentiert. Das Zusammenspiel der beiden ungleichen Jungs lehrt auf unterhaltsame Weise, was es bedeutet, ein „nicht genormtes“ Leben zu führen. Es zeigt auch, dass nicht nur echte körperlich/geistige Einschränkungen Hürden im Leben bedeuten. Denn auch Dane „behindert“ sich mit seinem aggressiven Lebensstil immer wieder selbst. Umso schöner ist es, das beide von ihren Schwächen und Fehlern lernen, ihr Verhalten reflektieren und sich an einem positiven Wandel versuchen.
Auch wenn man den beiden liebgewonnenen Jungen einen positiven Ausgang wünscht, wartet das Buch nicht mit klischeehaften Schlusstakten auf. Denn so spielt das Leben nicht. Nicht jeder bekommt was er sich wünscht und erwartet. Und nicht jeder bekommt was er verdient.

Erin Jade Lange
Halbe Helden
ISBN: 9783734850103

 

Lesebericht zu „18 – Zahlen des Todes“ von Mia Winter

18 - Zahlen des Todes, Buchblog, Egmont Lyx, Oliver Steinhäuser, Thriller, Mia WinterZu wem wirst du, wenn dich ein schreckliches Ereignis komplett aus der Bahn wirft und dein altes Leben, ein Leben in Geborgenheit und im Glauben an das Gute im Mensch, nie mehr so sein wird, wie es war. Was machst du? Du, das 18-jährige Mädchen, das sich seit dem schlimmen Ereignis damals im Wald in sich verkriecht, versuch neu zu starten und – getrieben von wiederkehrenden Zweifelsmomenten – all seine Vorhaben verwirft, weil das stete Wandern ihrer Gedanken auf dem Grat zwischen Leben und Tod ihr Lebenskonzept durcheinanderbringen.

Die junge Frau heißt Monika Stammer. Die grauenhafte Massenvergewaltigung zerstörte ihr Leben für immer und beförderte sie in eine lethargische Opferrolle. Als sie eines Tages auf der Rheinbrücke steht und erneut am Sinn ihres Lebens zweifelt, begegnet ihr eine glückliche Familie. Als sie erkennt, dass es sich um einen der damaligen Peiniger handelt, fasst sie einen Entschluss. Er muss sterben. Und alle sechs Mittäter auch!
Hier kommt Leana Meister ins Spiel. Sie ist die neue Leiterin des Kompetenzcenter. Für ihre neue Herausforderung verlässt die intelligente Ermittlerin Südafrika, wo sie seit Jahren an Fällen von Misshandlung arbeitete. Mit ihren ehemaligen Tätigkeiten verlässt sie auch ihre Familie und erhofft sich in Düsseldorf einen Neustart. Nicht jeder der neuen Kollegen ist ihr von Beginn an wohlgesonnen und Leana muss sich ihren Weg in das Team zeitweise hart erkämpfen.

Mia Winter zeichnet verschiedene Charaktere, von denen keiner nur einschichtig und klischeehaft wirkt. Genau wie die zwischen Leben und Tod wandelnden Gedanken der Protagonistin, sind die Personen in „18 – Zahlen des Todes“ weder absolut gut oder schlecht. Winter schafft Personen, wie jeder von uns sie kennt: vielschichtig, manchmal sympathisch oder intrigant, kontrolliert oder zügellos und triebhaft.
Obwohl die Jagd nach der Mörderin, die an dem Tag, als sie einen ihrer damaligen Peiniger wiedertrifft den Entschluss fasst aus ihrer Opferrolle herauszuwachsen und selbst zum Täter wird, zentraler Punkt des Buches ist, erfährt der Leser interessante Aspekte zum Verhalten von Menschen in Gruppen, der sekundären Viktimisierung (durch die Gesellschaft) und den Gefahren sozialer Medien.

Der etwas zähe Start wird mit Fortschreiten der Geschichte wettgemacht. Gerade die Schilderungen der lebendsverändernden Gewalttat an der Protagonistin sowie die Ergründung der Motive bringen Spannung und lösen beim Leser Verzweiflung und Ohnmacht aus.
„18 – Zahlen des Todes“ ist ein unterhaltender Serienauftakt dessen Nachfolger („21 – Zahlen des Todes“) man im Auge behalten kann.
Wer „Janusmond“ von Mia Winter gelesen sollte keine zu euphorische Erwartungshaltung haben, da die Story mit weniger Abstrusität und Spannung ausgestattet ist.

Mia Winter
18 – Zahlen des Todes
978-3-8025-9937-8