Ermittlungsbericht zu „Es klingelte an der Tür“ von Rex Stout

Es klingelte an der Tür_Rex Stout_Klassiker_Buchblog_Oliver Steinhäuser_Blog_Klett-CottaAm vergangenen Samstag, den 11. 03.2017, erschien „Es klingelte an der Tür“ von Rex Stout
Morgen (16.03.2017) findet um 19:30 eine Lesung im Gartencenter Kriesten in Leonberg statt. Thomas Klingenmeier, seit 1988 Krimikolumnist bei der Stuttgarter Zeitung, liest aus dem Werk.

Kein Wunder, dass Mrs. Bruner vom FBI überwacht wird. Wer tausende Exemplare eines Enthüllungsbuchs über diese mächtige staatliche Institution kauft und es landesweit dritten schickt, verhält sich nicht gerade staatsloyal und unterwürfig. Nun steht mir diese exzentrische Dame gegenüber und beauftragt mich mit der Unterbindung dieser Überwachung. Allerdings ist es eine ziemlich heikle Sache gegen das FBI vorzugehen. Doch genau damit beauftragt mich meine Klientin, Mrs. Bruner. In der Annahme der Unmöglichkeit einer Erarbeitung eines Planes zum Unterbinden der Überwachungstätigkeiten des FBI, vertröste ich sie skeptisch. An eine Erfüllung dieses Auftrags glaube ich zunächst nicht. Bis plötzlich der Polizeichef des Morddezernats aufschlägt.

Eben dieser unterbreitet meinem Assistent Archie Goodwin und mir, dass das Federal Bureau of Investigation mit dem Gedanken spiele, uns die Ermittlerlizenz als Detektive zu entziehen. Dass der Mordermittler zeitgleich einen ungelösten Mordfall auf dem Schreibtisch liegen hat und davon ausgeht, dass Agenten des FBI diesen verübt haben, scheint eine „Win-Win-Situation“ für mich, den Privatermittler Nero Wolfe sowie den leitenden Ermittler der Mordkommission, Mr. Cramer, zu sein.
Damit genug. Alles weitere erfahren Sie in dem Bericht meines Assistenten Archie Goodwin:
Das FBI ist geradezu unantastbar, kaum ernsthaft angreifbar. Mrs. Bruners Fall anzunehmen wäre Wahnsinn, da das Durchsetzen ihres Anliegens aussichtslos scheint. Doch was der Mordermittler Mr. Cramer mir, Archie Goodwin, im Vertrauen erzählt, passt geradezu perfekt zu unserem Auftrag. Es gibt für seinen ungelösten Mordfall einen Zeugen, der drei FBI-Agenten aus der Wohnung des Mordopfers kommen sah. Cramer ist davon überzeugt, dass das kein Zufall ist und möchte, dass Nero Wolfe und ich dem FBI den Mord nachweisen. Unantastbar bleibt die staatliche Institution allerdings noch immer.
Wolfe und ich glauben nicht, dass Agenten derart dilettantisch vorgegangen wären. Es muss einen anderen Mörder geben, jedoch ebenfalls berechtigte Interessen des FBI. Wir entschieden uns, zum Schein, gegen das FBI zu ermitteln. Im Stillen konzentriertenen wir uns allerdings auf die Entlarvung des tatsächlichen Mörders. Anders konnten wir es nicht bewerkstelligten, da wir seit Mrs. Bruners Besuch ebenfalls auf Schritt und Tritt überwacht wurden. Mehr verrate ich nicht.

rex-stout_es-klingelte-an-der-tuerMehr Informationen bekommen Sie auch vom Buch- und Medienblog nicht, außer, dass „Es klingelte an der Tür“ eine wunderbar erzählte Detektivgeschichte ist, dessen Seiten man mit Bedacht umblättert, weil man weiß, dass sie sich Blatt für Blatt dem Ende einer guten Unterhaltung nähert. Der Leser kommt um zwischenzeitliches Schmunzeln nicht umher. Etwa wenn Goodwin und Wolfe wieder einmal in den Absurditäten einer aussagelosen Kommunikation stecken, die keine klaren Schlüsse zulässt, weil sie von einer lückenlosen Überwachung des FBI ausgehen und ihre echten Erkenntnisse nicht verraten wollen.
Außerdem thematisiert Rex Stout bereits damals den Zwiespalt zwischen „Sicherheit vor Freiheit“. Diese Frage hat auch in unserer heutigen Gesellschaft, in der einige Personen(gruppen) inmitten einer diffusen Bedrohung als Gefahrenpotenzial wahrgenommen werden, nicht an Virulenz verloren.

Rex Stout
Es klingelte an der Tür
ISBN: 978-3-608-98111-7  (Leinenband)

Blogtour: Essay zur Rehabilitation des Irrsinns durch proaktive Therapiemethoden

Anstatt eines Leseberichts hat der Buch- und Medienblog dem Protagonisten dieses Romans, Dr. Ludwig Meyer, folgendes Essay an den Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten, Heinrich von Mühler (1866), diktiert:

Achtung, hier gibt es etwas zu gewinnen!


brief-1866An den
Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten
Heinrich von Mühler

Geistige Fehlsteuerung und deren Zusammenhänge mit körperlichen Leiden. Rehabilitation des Irrsinns durch proaktive Therapiemethoden wie Musik, Dialog, Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Viele Verantwortliche in den Irren- und Heilanstalten sind starrsinnige Anhänger der alten Lehre über geistige Krankheiten. In ihrer Renitenz verweigern Sie neue und revolutionäre therapeutische Ansätze zur Heilung geistiger und seelischer Störungen. Viele sogenannte Forscher sind gar nicht daran interessiert, fehlgeleitete und von der Norm abweichende Existenzen ernst zu nehmen. Sie wollen auch gar nicht wahrhaftig versuchen, sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Lieber sehen Anstaltsleiter ihre „Untertanen“ in urin- und kotgetränkten Kellern mit vergitterten Fenstern, als in einer menschenwürdigen Unterkunft mit Licht, Beschäftigung und Raum zur Entfaltung. Aufgrund ihrer eigenen Unwissenheit lassen sie Geisteskranke lieber siechend in Kellern verrotten, als ihren eigenen Profit durch eine wenn auch noch so geringe Humanisierung zu schmälern!

Doch in welcher Welt leben wir, dass wir Irre schlechter behandeln als unser Vieh?
Es stellt sich darüber hinaus die Frage nach der Identifizierung einer Störung sowie das Definieren ihrer Grenzen. Wo fängt sie an, welcher Habitus impliziert den Übertritt der Eigenheit eines Menschen hin zum Wahn? Ginge es nach Senator Ulrich, zählen bereits öffentliche Freude, Ausgelassenheit und Lebenslust zu den Charaktereigenschaften, die dem Irrsinns zuzuordnen seien – wobei er diese natürlich nicht als Charakteristika anerkennen würde, sondern sie dem Schwachsinn zuordnen würde. Vergleicht man das Wissen über Spektren der Musik oder des Lichts mit den Grenzen zwischen Irrsinn und dem „Normalen“, wird doch klar, dass es zwischen der Eindeutigkeit auch Abstufungen gibt. So wie ein weißer Lichtstrahl im Prisma in seine drei Spektralfarben geteilt wird, muss es sich doch auch im Geist des Menschen verhalten. Rot, Grün und Blau sind keineswegs die einzig gegebenen Farben. Zwischen ihnen gibt es unendlich viele Nuancen. Gleiches muss für das geistige Spektrum gelten! Da gibt es keine vernünftige Gegenrede. Es gibt eben nicht nur „Irrsinn und kein Irrsinn“, sondern unendlich viele Abstufungen dazwischen. Wenn Sie sich mit den Formen des Wahns näher befassen, begeben Sie sich auf einen Balanceakt zwischen Manipulierbarkeit, Selbstmanipulation und dem Verwechseln der Realitäten.
Nota bene, Realität ist ein durch Erfahrungen und Interpretationen gewachsenes Weltbild, das in jedem von uns verankert ist. In jedem etwas anders. Was also unterscheidet diese Weltanschauungen und wer sagt uns, welches dieser Bilder das richtige ist? Was ist die Welt?

Ich wiederhole mich wirklich nur ungern, doch meine Worte drohen im Sumpf einer allgemeinen Lethargie zu ertrinken. Aber „Aktion bringt Satisfaktion“. Das meine ich durchaus wörtlich. Obwohl es sich beim Vorgang der Erteilung von Satisfaktion ursprünglich natürlich um freie, waffentragende Männer handelte, die ihre Ehrenstreitigkeiten mit internen Mitteln und ohne eine übergreifende Autorität ausfochten bzw. gelöst haben, kann dieser Ansatz auch auf die Ehre von geistig Gestörten in Irren- und Heilanstalten Anwendung finden. Auch irrgeleitete Menschen müssen sich mit internen Mitteln und ohne eine übergreifende Autorität gegen die inneren Geister wehren können. Die treibende Kraft der Heilung ist überwiegend intrinsischer Natur, angeleitet und gestützt durch unsere fachkundigen Therapeuten und Ärzte. Dabei ist die Ausgewogenheit aus Aktion und Ruhe zu gewährleisten.
Dies führt augenscheinlich ganz unweigerlich zur Musik und deren wertvollem Zusammentreffen aus Motion und Emotion – Somatik und Psychik sind die willkommenen Stichwörter.
Das kann unmöglich Zufall sein, denn warum sollte der Mensch, der durch die Musik wertvolles Zusammenspiel schafft, in seinem täglichen Tun in einer Dissonanz zwischen Körperlichem und Geistigem residieren? Es muss einen Zusammenhang der Psychik und der Somatik geben. Eine Art Psychosomatik. Es ist geradezu unglaublich, dass dieser Fakt bislang nicht in Betracht gezogen, ausprobiert und analysiert wurde. Es ist geradezu empörend, mit welcher Vehemenz Tatsachen ignoriert, geleugnet und verschlossen werden. Koryphäen können und dürfen sich neuer Erkenntnis nicht verschließen. Es geht nicht nur um die Zusammenhänge von Musik und Stimmung und die Bedeutung von positiver Stimmung für das Seelenleben sondern um Fortschritte in der Bedeutung der Menschenwürde.
Eben diese sollte unantastbar sein!

Deshalb, Herr Minister von Mühler, erlaube ich, Dr. Ludwig Meyer, an Ihre Vernunft zu appellieren. Verschließen Sie sich der Zukunft nicht und verurteilen Sie die Gleichzeitigkeit von Lachen und Weinen, von Trauer und Freude nicht als Zeichen unabwendbaren Irrsinns, sondern ermöglichen Sie den geistig schwachen und erkrankten Persönlichkeiten den Erhalt oder den Wiederaufbau ihrer Würde. Durch fachgerechte Therapien können wir diese Menschen stützen und ihnen die Wiedereingliederung in unsere Gesellschaft ermöglichen.

© Oliver W. Steinhäuser


Von allen guten Geistern_Andreas Kollender_Buchblog_Oliver Steinhäuser_Blog_LiteraturSei ein Gewinner!

Im Rahmen der Blogtour verlost der Pendragon Verlag drei Kollender-Buchpakete mit jeweils einem Exemplar von „Kolbe“ und „Von allen guten Geistern“. Um an der Verlosung teilzunehmen, müssen die TeilnehmerInnen ein Lösungswort bilden. Das Lösungswort findet sich in den fünf Blogbeiträgen zu der Tour. In jedem Beitrag findet sich ein fett gedruckter Buchstabe – das Lösungswort besteht also aus fünf Buchstaben.
Zur Teilnahme an der Verlosung muss das Lösungswort an presse@pendragon.de gesendet werden. Einsendeschluss ist Freitag, der 17. März 2017 um 23:59 Uhr.

Die drei Gewinner werden aus allen Teilnehmern ausgelost. Nach der Auslosung werden die Gewinner per Mail benachrichtigt und um ihre Adressdaten gebeten. Die Adressdaten der Gewinner werden nur für den Versand benötigt und werden nicht an Dritte weitergegeben. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt Ihr euch mit diesen Bedingungen einverstanden.

Was bisher geschah
Hier finden Sie die zwei vorherigen Beiträge:

06.03. https://seitengang.wordpress.com/ Rezension
07.03. http://leckerekekse.de/wordpress Interview mit Andreas Kollender

Was morgen und übermorgen passiert
Hier finden Sie die zwei folgenden Beiträge:

09.03. https://diedunklenfelle.wordpress.com/ Ein fiktives Interview mit Ludwig Meyer
10.03. https://wortgestalt-buchblog.de/ Ein Lesetagebuch zu den „Geistern“


„Die erste Irrenanstalt ohne Gitter wurde vor 150 Jahren eröffnet“ schreibt das Hamburger Abendblatt am 4. Oktober 2014 über die Irren- und Heilanstalt Friedrichsberg.


Andreas Kollender
Von allen guten Geistern
ISBN: 978-3-86532-575-4

Blogtour: Buch- und Medienblog in den letzten Vorbereitungen

Die Blogtour zu „Von allen guten Geistern“ von Andreas Kollender beginnt morgen!

Der Buch- und Medienblog ist nun in den letzten Vorbereitungen für die Veröffentlichung seines Textes am Mittwoch, den 08. März 2017.

Während der Lektüre, der Textvorbereitung und des Schreibens sind ihm wieder einmal kuriose Dinge passiert:

blogtour_kollender_2_Buch- und Medienblog, Blog, Oliver Steinhäuser_Foto:Oliver W. SteinhäuserDie Lektüre:
18.02.2017 – Während Oliver Steinhäuser vom Buch- und Medienblog zur Lektüre im Fernzug saß, ist er promt in einen zwanzig Mann starken Junggesellenabschied geraten. Daher musste er sein Frühstück kurzerhand um ein geselliges Bier und einen XL-Kaffee erweitern.

 

blogtour_kollender_1_Blogtour, Oliver Steinhäuser, Buch- und medienblog, Foto:Oliver W. SteinhäuserThemenfindung und Auswahl:
26.02.2017
– Zur Konzipierung des Essays hangelt sich der Buch- und Medienblog an den Kernaussagen und -themen des Revolutionsveruchs im Psychiatriewesen entlang.

 

 

Verfassen des Essays:
03.03.2017 – Während des Schreibens wollte ich unbedingt Bezug auf die heilende und stimmungsfördernde Wirkung von Musik nehmen. Dabei entstand die Idee, dass das Essay ebenso ein Brief vom Protagonist Dr. Ludwig Meyer an die Gesundheitsbehörde im Deutschen Kaiserreich sein könnte. Da Revolutionen auch die obersten Stellen der Macht erreichen müssen, könnte Dr. Ludwig Meyer das in drei Tagen auf dem Buch- und Medienblog veröffentlichte Essay (Mittwoch 08.03.2017) um 1866 auch an den (Gesundheits)Minister Heinrich von Mühler geschickt haben.

Blogtour zu „Von allen guten Geistern“

In der kommenden Woche, vom 6 – 10. März 2017, veranstaltet der Pendragon Verlag zusammen mit fünf Bloggern eine Blogtour zu „Von allen guten Geistern“ von Andreas Kollender. An jedem dieser fünf Tage veröffentlicht jeweils einer der unten aufgeführten Blogs einen Beitrag zu dem kürzlich veröffentlichten Roman.

Wer all diese Beiträge aufmerksam liest, erhält die Chance auf einen spannenden Buchgewinn!

blogtour-header_Oliver Steinhaeuser_Buch_Blog_Literatur_Andreas Kollender_Von allen guten Geistern

Links zu den teilnehmenden Blogs:
https://seitengang.wordpress.com/
http://leckerekekse.de/wordpress/
https://buchundmedienblog.com/
https://diedunklenfelle.wordpress.com/
https://wortgestalt-buchblog.de/

Lesebericht zu „Guilty – Doppelte Rache“ von Lisa Jackson

Guilty - Doppelte Rache von Lisa Jackson, Buchblog Oliver Steinhäuser_Rezension_InhaltsangabeEin brutaler Ritualmörder hat es auf Zwillingspärchen abgesehen. Seine Opfer, ausschließlich weibliche Zwillingsgeschwister, entführt kurz vor deren 21. Geburtstag, dem Übertritt aus dem Jugendalter zur Volljährigkeit. Doch der während eines Indizienprozesses verurteilte Täter sitzt in Haft. Detective Bentz und Montoya kämpfen mit Widersprüchen und der aktuelle Vermisstenfall der Denning-Zwillingsmädchen involviert immer mehr Menschen, bei denen nicht ersichtlich wird, wie und ob sie in diesem Spiel mitwirken.

Jahrelang ist es ruhig um den 21er-Killer, als plötzlich zwei Mädchen spurlos verschwinden. Handelt es sich hierbei um einen Trittbrettfahrer oder unterlief der Justiz ein Fehler und der wahre 21er-Killer läuft seit Jahren frei umher?
Das Buch steckt voller Geschichten um Zwillinge, deren besonderen Verbindungen zueinander und die Folgen eines Verlusts.
Während Zwillinge mit Verlusterfahrung sich in der Selbsthilfegruppe der „Zwillinglosen Zwillinge“ treffen, um über ihre Traumata zu sprechen, wachen Zoe und Chloe Denning in einem feuchten und kalten Verlies auf. Vor ihnen arbeitet ein bulliger Mann unerlässlich an abstrusen Vorbereitungen und trällert „Happy Birthday“. Beide fürchten, dass sie dem Monster nicht entkommen werden und dies ihr Todesurteil zu werden droht. Doch Zoe gibt nicht auf und ihr gelingt es tatsächlich sich zu befreien und ihren Peiniger außer Gefecht zu setzen. Zumindest so lang, dass sie ihre Schwester ebenfalls befreien und mit ihr fliehen kann. Temporär. Denn während es Zoe gelingt zu entkommen, wird Chloe wieder eingefangen. Doch der Mörder muss die ältere der beiden Zwillinge auch unbedingt wieder einfangen. Sie muss nämlich als erstes sterben. So sieht es sein Plan vor und Ordnung muss sein!

Die Flucht, die Suche und das Wiedereinfangen der Zwillinge stellen die großen Spannungsmomente in „Guilty“, auch wenn der Leser gelegentlich selbst zu verzweifeln beginnt: Die beiden Zwillinge haben so viele Chancen ergriffen und scheinen es aus den Fängen des Irren zu schaffen. Getrennt voneinander müssen sie jedoch mit derben Rückschlägen kämpfen, nichtwissend wie es dem anderen geht und ob er es weiter geschafft hat.


Die schiere Zwillingsflut schränkt die Verständlichkeit beim Lesen nicht ein,
sie macht es jedoch sehr komplex, in einer Rezension etwas darüber zu schreiben.


Das Schöne an der New Orleans Reihe mit Detective Rick Bentz und Reuben Montoya ist, dass Lisa Jackson Verbindungen zwischen den Büchern herstellt, die dem Leser Vertrautes und Bekanntes in Erinnerung rufen. Dabei ist es irrelevant, ob man alle Reihentitel kennt und gelesen hat. Der Buch- und Medienblog hat selbst nur „Pain. Bitter sollst du büßen“ und „Desire“ (Band 1. & 7. der Reihe) gelesen. Jackson setzt im aktuellen Band „Guilty“ mit dem „Rosenkranzmörder“ eine Klammer um den aktuellen Fall und lässt den Leser in der Hoffnung auf weitere Fälle mit dem Ermittlerduo Bentz und Montoya zurück. Für Bentz rückt die Möglichkeit der Rente kontinuierlich näher und er befindet sich mittlerweile an einem Punkt, an dem er den Ruhestand zumindest nicht gänzlich ins Abseits drängt. Doch bevor er sich aus dem aktiven Dienst verabschieden würde, muss er den „Rosenkranzmörder“ unbedingt noch dingfest machen!

Lisa Jackson
Guilty – Doppelte Rache
ISBN: 978-3-426-65395-1

Verschwörungstheorien à la Carte – Entstehung und Ursprung von Verschwörungstheorien

Februar / Tag 3  →  2/3 = 0,666
666 = die Zahl des Teufels

Verschwörung, Great Seal of the United States, Blog, Oliver Steinhaeuser

Das „Große Siegel der Vereinigten Staaten“

Verschwörungstheorien und der Glaube an Geheimbünde haben, seit den Terroranschlägen des 11. September 2001, eine verstärkte Anziehungskraft auf die moderne Gesellschaft. Es tauchen Menschen auf, die noch weiter gehen und die Mondlandung der Amerikaner für eine in Fernsehstudios nachgestellte Szenerie halten und dies mit scheinbar glaubwürdigen Beweisen belegen wollen.
Schnell kommt die Frage nach der Verbreitung solcher Theorien auf, und warum sie uns seit einigen Jahren so präsent erscheinen? Ein entscheidender Faktor ist die Verbreitung des Internets und der Möglichkeit der Interaktion, im „Web 2.0“. Durch soziale und interaktive Medien erleben wir eine verstärkte Sichtbarkeit der Subkulturen deren Kommunikation sich in den siebziger oder achtziger Jahren noch auf analoger Ebene befand. Aufgrund dieser Zugänglichkeit tritt das Narrativ einer Verschwörung zunehmend in eine breitere Öffentlichkeit. Einer Öffentlichkeit auf der Suche nach Bestätigung ihrer Zweifel, die nach der Gruppe sucht, die im Hintergrund alles heimlich plant und steuert.

Doch wo kommt der Verschwörungsglaube an eine höherstehende Macht oder Institution her? Geschichtlich betrachtet rührt er primär von der Säkularisierung. Denn mit ihr entfiel der Glaube an eine göttliche Instanz, die alle Fäden in Händen hielt. Zugleich waren die Menschen im 18. Jahrhundert nicht zur Einsicht bereit, dass komplexe Gesellschaften Dinge hervorbrachten, die ihr nicht explizit intendiert wurden. Es musste also jemanden geben, der alles geplant hat. Gott konnte es aufgrund der vorangegangenen Aufklärung nicht mehr sein. Begünstigend kommt hinzu, dass Expertenwissen nicht mehr als Gegebenheit angesehen wird, sondern – man danke an Wikipedia – stärker hinterfragt und sogar erstellt werden kann. Das Infrage stellen klassischer Wissenshierarchien kann unsere Gesellschaft weiterentwickeln, doch birgt es in der Komplexität unseres Daseins ebenso Gefahren: Denn das Individuum entscheidet sich aus einem Grundgefühl heraus für eine Einstellung und sucht sich im Anschluss die dazu passenden Argumente. Mit Auswahl dieser entsteht um einen Menschen und seiner Identität ein Realitätstunnel, in dem sich seine subjektive Meinung manifestiert. (Mehr zu Realitätstunneln & Interaktion finden Sie auf dem Blog von Thomas Heindl)
Dieser identitätsprägende Prozess festigt Einstellungen und Ansichten zu Themen, die – gleich eines Tunnelblicks – aus dem Blickfeld ragen und weniger objektiv reflektiert werden als neutral betrachtete Themen. Wobei sich an dieser Stelle die Frage der Existenz von Neutralität stellt:
Gibt es so etwas überhaupt? Oder sind wir nicht bereits ab Kenntnis eines Umstandes mit dem Abgleich von uns bekannten Mustern und dem Abwägen beschäftigt und verfälschen die Objektivität?

lexikon-der-verschwoerungstheorien_robert-anton-wilson_blog-oliver-steinhaeuser-westend-verlag

Lexikon der Verschwörungstheorien

Wem auf der Suche nach Argumenten die Quellen versiegen, kann sich im „Lexikon der Verschwörungstheorien“ von Robert Anton Wilson auf die Suche begeben. In diesem Arsenal der Verschwörungstheorien findet sich gleichermaßen Bekanntes sowie Unbekanntes. Der Verschwörungsinteressierte sollte während seiner Lektüre nicht linear lesen, sondern die Sprungmarken zu verwandten Themen als Einladung ins Unbekannte nutzen und sich mit ihrer Hilfe durch das Lexikon treiben lassen. Auch wenn die Anmutung des „Lexikon der Verschwörungstheorien“ eher einen spannenden Roman suggeriert, ist es doch ein Lexikon, dessen Verwendung konsultierend vonstattengeht.

Es lohnt sich auch ein Besuch bei Jimmy Novakin, der auf seinem Blog zwischen Religion, Geistern und Mysterie beispielsweise auch Verschwörungen mit Sarkasmus kombiniert und dabei unterhaltende Auszeiten bietet.

Lesebericht zu „Die Vermissten“ von Caroline Eriksson

Die Vermissten von Caroline Eriksson, Buchblog, Oliver Steinhäuser, Rezension, PsychothrillerMeine Gedanken schweifen ständig ab, ich sehe und fühle schreckliche Dinge. Ich liebe einen verheirateten Mann dessen Autorität mich wie besessen an ihn fesselt. Mich in den Bann zieht, obwohl er mich demütigt und unterdrückt. „Du bist schon ein bisschen verrückt. Hast nicht mehr alle Latten am Zaun, was?“, gibt er mir gelegentlich zu verstehen. Die Grenze meiner Realität und den Dingen die wirklich existent sind, ist ein immer schmaler werdender Pfad, an dessen Endpunkt Unglaubwürdigkeit und Irrsinn warten.
Mein Name ist Greta. Willkommen in meiner Paranoia.

Während eines Bootsausflugs auf dem mysteriösen Maransee, dem Nachtmaar, verschwinden bei einer Inselerkundung Gretas Freund sowie seine Tochter spurlos. Panisch sowie hin- und hergerissen sucht Greta, die während der Erkundung im Boot gewartet hat, die Insel nach den beiden ab. Doch sie sind spurlos verschwunden. In ihrer aufkeimenden Panik erkennt der Leser bereits einiges über Gretas Geisteszustand. Sie handelt völlig irrational, ist apathisch und total überfordert. Bereits das zweite Kapitel lässt erahnen, in welch desolatem Zustand Greta sich befindet. Es kristallisiert sich eine Paranoia heraus, die es ihr unmöglich macht, klare Gedanken zu formen.
Auf ihrer Suche trifft sie auf eine Jugendgruppe, die Tiere quält, randalieren und ihre Mitmenschen in Angst und Schrecken versetzen. Der Leser befindet sich in einem ständigen Zwiespalt zwischen dem Glauben an real geschehende Ereignisse und dem Verdacht auf eine Fantasie der Protagonistin. Durch die konsequente Betrachtung aus der „Ich-Perspektive“ verschleiert Caroline Eriksson dies und lässt keinen eindeutigen Rückschluss zu. Das führt in einigen Thrillern zum Spannungsaufbau, da der Leser zeitweise zu falschen Schlussfolgerungen getrieben wird. Diesem Titel hätte ein Perspektivwechsel jedoch nicht geschadet. Vor allem, da am Ende nicht alle Trugschlüsse ausgeräumt werden. Es kommt kein Licht ins Dunkel:
„Es ist mitten in der Nacht. Es ist der Punkt, an dem man genauso weit von der Abenddämmerung entfernt ist wie vom Morgengrauen. Dunkelheit von allen Seiten, Dunkelheit, wohin ich mich auch wende.“ So geht es nicht nur der Protagonistin.

Eriksson verdeutlicht, auf welch erschreckende Weise Menschen einander manipulieren und indoktrinieren können. Dabei ufert ihre Protagonistin so sehr aus, dass der Kontext verloren geht und der Leser sich im Nirwana einer geistig verwirrten Persönlichkeit verliert. Man könnte gar vom Verlust der Kontextualisierung sprechen. Sie bedeutet, dass komplexe und vielschichtige Wörter aus ihrem sprachlichen Zusammenhang heraus betrachtet werden müssen, ganz so, wie auch kulturelle Objekte nur in deren spezifischen Zusammenhängen heraus betrachtet Sinn ergeben.
Diesen Mangel an Informationen zur Herstellung der Bezüge ist die große Schwachstelle dieses Psychothrillers.

Caroline Eriksson
Die Vermissten
ISBN: 978-3-328-10038-6