Erlebnisbericht zu den „Germanische Götter- und Heldensagen“

Die Rezension bezieht sich auf den Band der Germanischen Götter- und Heldensagen
griechische-und-germanische-goetter-und-heldensagenEs ist Odin, der Gottvater der Asen, den jeder von uns kennt. Zumindest namentlich. Spätestens jedoch seit der Verfilmung der US-amerikanischen Action- und Science-Fiction Spielfilme über den Donnergott „Thor“ aus dem Jahr 2011 sind die alten germanischen Göttersagen für die Massen des 21. Jahrhundert audiovisuell reanimiert worden. Während sich kaum ein Kinobesucher über den Einzug der germanischen Götter in unsere moderne Medienlandschaft wundern wird, finden Wissensdurstige die Geschichte der Götter, ihr Entstehen sowie den Einzug nach Asgard im ersten Buch des zweibändigen Schubers „Griechische und Germanische Götter- und Heldensagen“ vom Reclam Verlag.

Geboren wurde der erste Gott durch die Riesin Bestla. Odin lautet sein Name und er war beteiligt an der Erschaffung der drei Welten Utgard, Midgard und Asgard. Und trotz des Ursprungs der Götter in den Riesen, wohnen die meisten von ihnen in der niedersten und kargsten der Welten – in Utgard. Durch ständiges Misstrauen und Kräftemessen leben Götter und Riesen im Zwiespalt. Midgard gehört den Menschen. Asgard ist der Sitz aller vom Geschlechte Odins abstammenden Götter, den Asen und Asinnen.
Doch auch innerhalb des göttlichen Asgard wird der Zusammenhalt der Götter und der durch sie aufgenommenen Wesen (z. B. Loki) immer häufiger auf die Probe gestellt, sodass sich die Götterwelt zunehmend vom goldenen Zeitalter, der Gründungszeit, entfernt und die ursprünglich definierten Werte, Tugenden und Moral stets hanebüchener interpretiert und gelebt werden.
Besonders lohnend ist die genauere Betrachtung der Figur des Loki, der als Riese geboren, durch Thors Empfehlung und die Blutsbruderschaft mit Odin Einzug nach Asgard erhält. Somit ist er Teil der Götterwelt. Gleichzeitig ist er allerdings auch der Vater der drei Weltenfeinde. Mit der Riesin Angrboda zeugte er den Fenriswolf, die Midgardschlange sowie die Totengöttin Hel, die von den Göttern Asgards genauestens beobachtet bzw. verbannt wurden.

In Loki steckt so viel mystisches Potential, dass auch die US-amerikanischen Heavy Metal Ikonen Manowar ihm einen Song gewidmet haben, dessen Text Loki nicht treffender beschreiben könnte:


Die Götter- und Heldensagen sind voneinander getrennt. Sie sind jeweils in viele Kapitel getrennt. Nun muss man zwischen den Göttersagen und den Heldengeschichten differenzieren.

Zu den (germanischen) Göttersagen:
Ich lese ein solches Werk gerne quer und informiere mich über die Geschichten oder Teilgeschichten konsultierend, nach Lesart eines Lexikons. Das gestaltet sich in diesem Fall unmöglich, da in jedem der genannten Kapitel so viele Dinge passieren, dass sie niemals alle in einer Überschrift abgebildet werden können. Eine Marginalspalte wäre die beste Möglichkeit zur schnellen Auffindbarkeit einzelner Aspekte der Kapitel. Diese würde jedoch eine Verkleinerung des Satzspiegels bedeuten, und somit den Seitenumfang vergrößern. Letzten Endes kann der Leser auch das gesamte Werk lesen, erfährt somit viele kleine und interessante Details. Und seine Marginalspalte kann er – wie der Buch- und Medienblog es getan hat – auch handschriftlich hinzufügen. Der Stift sollte dann stets in greifbarer Nähe liegen, denn er kommt kaum zur Ruhe.

Zu den (germanischen) Heldensagen:
Der Großteil der Heldensagen dreht sich um den Hort der Nibelungen. Auch hier kann der Leser zwischen den Kapiteln hin- und her springen, wenn er quer lesen möchte. Allerdings ist die Geschichte um Siegfried – dem jeder als Drachentöter bekannt sein dürfte – die Nibelungen, Burgunden und Hunnen linear aufgebaut und daher besser chronologisch zu lesen.

Reclam hat aus dem Kulturgut der Götter- und Heldensagen einen wunderbaren Schuber hergestellt. Um ihn noch haltbarer zu machen, hat der Buch- und Medienblog die beiden Bände noch foliert, damit die alten Götter und Helden nicht nur das Bücherregal hüten, sondern eine aktive Rolle einnehmen können.


„Hier entsteht Diskussionsbedarf über den Verlauf der Geschichte, darüber wer mit wem in Verbindung steht und warum manch ein König seinen über allen Zweifel hinweg loyalen Freund verrät und damit dessen Tod mitverschuldet. Und vor allem: Wo genau mag wohl der Schatz der Nibelungen liegen?“, schrieb ich im März 2015 zu Heinrich Steinfests Mischung aus Sage und Komödie „Der Nibelungen Untergang“, ebenfalls bei Reclam erschienen. So stelle ich mir eine wichtige Frage erneut: Woraus besteht der Schatz? Gold und materieller Reichtum, oder ist er möglicherweise nur Sinnbild für Wissen und Reichtum durch Erkenntnis?


Reiner Tetzner & Uwe Wittmeyer
Griechische und Germanische Götter- und Heldensagen
ISBN: 978-3-15-030053-4
Zwei Bände geb. in Kassette.

Reisebericht „Allgäu“ – Nesselwang-Starzlachklamm-Grüntensee-Lechbruck-Hahnenkamm

allgaeu_reisebuch_reisebericht_rezension_oliver steinhaeuser_BuchblogReisezeit: Juni/Juli
Fünf Tage. Das ist unser Zeitrahmen. Urlaub ist das noch nicht, doch dank der Distanz von nur 200 Kilometern zu Stuttgart, bietet das Allgäu ein sehr attraktives Reiseziel für verlängerte Wochenendausflüge. Aufgrund des neuen Vorsatzes des Buch- und Medienblogs, lassen wir diese freien Tage nicht einfach so verstreichen, sondern nutzen jeden Tag. Es gibt ein richtiges Programm. Zur Vorbereitung dieser Ausflüge dient das Reisehandbuch „Allgäu“ des Michael Müller Verlags. Damit werden zum ersten Mal fünf Tage genau durchgeplant.

Im Nesselwanger Ortsteil Hertingen beziehen wir unser Quartier, von wo aus die Ziele unserer Exkursionen sich in einem Radius von ca. 30-40 Kilometern Entfernung befinden. Baden mit Bergblick, Wandern mit Fernblick und Seilbahn fahren inklusive Adrenalinkick. Eine bunte Mischung aus Spaß und Erholung.

Der Plan: Badetag am Grüntensee – Floßfahrt auf dem Lech – Seilbahnfahrt auf den Hahnenkamm (Tirol) – Buchenegger Wasserfälle

Die Reihenfolge: Wetter- und Gemütsabhängig

Die Sonne scheint und die Autobahn ist trotz frühmorgendlicher Abreise in Stuttgart immer wieder überlastet. Daher bestimmt bereits die dreistündige Autofahrt nach Nesselwang unseren ersten Ausflug. Staufrust und Hitze ziehen uns an den Grüntensee, der mit Blick auf den Grünten panoramareichen Badespaß bietet. „Wächter des Allgäus“ wird er auch genannt, obwohl er mit 1738 Metern bei weitem nicht der höchste Berg der Allgäuer Alpen ist. GrüntenseeSeinen Namen Grünten verdankt er der frühen und flächendeckenden Abholzung des Gipfels ab 1471 zur Nutzung als Brennmaterial in Bergwerken und Schmelzöfen. Eine von Menschenhand erzeugte Frisur – Der Glatzkopf. Ein großer Parkplatz befindet sich direkt neben dem „Grüntensee-Camping“ und ermöglicht stressfreies Parken sowie einen Zugang zum See und Campingplatz, der mit einem Steg in den Grüntensee gerade für Familien Badespaß bietet.

Unsere Ferienwohnung im östlich von Nesselwang auf einer Anhöhe gelegenen Ortsteil Hertingen bietet einen guten Blick auf die Burgruinen „Eisenberg“ und „Hohenfreyberg“ sowie auf den „Falkenstein“, Deutschlands höchstgelegene Burganlage. Nur einige Meter entfernt finden Ruhesuchende den „Ge(h)zeitenweg“, der an dem Parkplatz „Rindegger Tanne“ des Ortsteils Rindegg startet und mit sechs Stationen in der Natur zur inneren Einkehr einlädt. Feld- und Waldstücke eignen sich ebenso zum Laufen und Spazieren. Ein Rundweg um den Attlesee lohnt sich in jeden Fall, da hier eine Badestelle mit Umkleidekabinen und Toiletten eingerichtet wurde.

Nach der morgendlichen Joggingrunde brach der Buch- und Medienblog nach Lechbruck am See auf. Ein Ort, der vor dem Eisenbahnzeitalter vor allem von der Flößerei und dem Transport von Holz, Bausteinen und Kalk lebte. Auf den ersten Blick ist das heute nicht mehr zu erkennen. Lech mit FloßLechbruck am See
Doch das Reisebuch „Allgäu“ erinnert an diese Floßfahrten und nennt die Website der Touristen-Information. Wer voller Euphorie von täglichen Fahrten ausgeht übersieht leider schnell, dass die Flößer lediglich dienstags und donnerstags fahren. So steht es auf der Website – aber nicht deutlich genug. Wer nicht leer ausgehen möchte, sollte also unbedingt telefonisch im Voraus buchen. Dass wir wenigstens die Fahrt eines ausgebuchten Floßes über den Lech gesehen haben, war reiner Zufall. Doch auch ohne den Ausflug auf dem Lech, bietet dieser ein schönes Ufer mit einigen großen Holzliegebänken, einem Spielplatz sowie dem Eiscafé Venezia. Besonders lecker: Quella – Weißes Schokoladeneis mit Nutella.

Eine Wanderung mit tierischem Erlebnis bietet uns am dritten Tag der Hahnenkamm in Höfen bei Reutte in Tirol, Österreich. Mit der Kabinenbahn der Reuttener Bergbahnen geht es hoch zur Bergstation, von der aus der ca. 1900 Meter hohe Abstieg auf einer Strecke von 9 km inmitten von Kuhherden gewandert werden kann. Das ist leider nicht nur idyllisch. Gerade wenn Kälber mit auf den Weiden stehen, kann schnell eine unruhige Stimmung zwischen Kuh und Mensch entstehen. Deshalb: Augen auf, die Umgebung genau beobachten und nicht auf die Tiere zugehen. Wer für alle Umstände gerüstet sein möchte, führt einen (Wander-)Stock bei sich. Ein gezielter Schlag auf die Schnauze der Kuh stoppt sie im äußersten Notfall. Aber dennoch gilt: Sicherheitsabstand reduziert das Aufkommen einer Gefahrensituation ungemein, wohingegen Kleidungsstücke in Signalfarbe den Kick beim Abstieg erheblich erhöhen: Die angegebene Laufzeit von drei Stunden wird durch den tierischen Rückenwind auf die Hälfte reduziert.
Auf der Strecke laden ein paar Sitzbänke zur Rast und zum Ausblick ein. Ca. 20 Minuten nach Beginn des Abstiegs erreicht man eine Bank, die den Blick auf den Segelflugplatz Reutte-Höfen sowie auf die Burgruine Ehrenberg, von der aus der Zutritt auf die highline179 möglich ist. Die Fußgängerhängebrücke ist mit einer Länge von 406 m und einer Höhe von 114,6 m, laut Eintrag im Guinness Buch der Rekorde, die die längste Fußgängerhängebrücke der Welt in der Kategorie Hängebrücken für Fußgänger im Tibet Style.

Der vorletzte Tag des langen Wochenendes führt uns in die Starzlachklamm. Eine recht spontane Entscheidung am Frühstückstisch, da wir am Mittag einer Einladung nach Kempten folgen. Die Tagestour zu den Buchenegger Wasserfällen fällt aufgrund der Entfernung von ca. 60 Kilometern aus und wird durch einen Ausflug in die Starzlachklamm, südlich des Grünten, im Sonthofener Stadtteil Winkel ersetzt. Das halbiert die Anreise um 30 Kilometer, ohne auf rauschendes Wasser verzichten zu müssen. Für Familien mit Kindern empfiehlt sich der Weg bis zum Ende der Klamm und wieder zurück zum Parkplatz. Sie ist mit Handläufen, Brücken, Stegen erschlossen und das Ende der Klamm erkennt man durch das plötzliche Fehlen dieser Sicherungen. Hier geht es zur virtuellen Führung durch die Starzlachklamm. Es gibt einen großen Parkplatz unmittelbar zum Eingang in die Klamm, der schnell übersehen werden kann. Wer den Weg bis zum Friedhof gefahren ist, folgt dem für Busse gesperrten Weg und erreicht den Starzlachklammparkplatz. Das sanft auslaufende Ende der Klamm (10 min. entfernt vom Parkplatz & noch vor dem zahlungspflichtigen Einstieg) bietet vor allem Kindern einen natürlichen Spielplatz. Kieselsteine und langsam fließende Bachläufe ermöglichen das Bauen von kleinen Staudämmen, während die Picknickdecke auf einer der Kiesbänke ausgebreitet werden kann. Zahlreiche Bäume bieten dabei einen natürlichen Sonnenschutz.

Am Abend vor der Abreise sitze ich auf der Couch unserer Ferienwohnung in Hertingen und blättere im Reisebuch „Allgäu“. Auf jedem der beschriebenen Ausflüge war er unser Wegweiser. Nicht nur für den Buch- und Medienblog, sondern ebenfalls für die Mitreisenden. Wenn ich beim Aufbruch die Frage stellte, ob wir das Reisebuch wieder auf den Ausflug mitnehmen sollen, lautete die Antwort stets ‚Ja’. Er ist nicht nur Wegweiser, sondern Inspirationsquelle. Die von mir eingeklebten Post-Its sowie die Textmarkierungen machen ihn nun  zu unserem Tagebuch.

Alpspitze NesselwangEs fällt schwer am fünften Tag die Wohnung wieder zu räumen, ohne in Aufbruchsstimmung zu verfallen. Die Berg- und Talfahrt mit der Alpspitzbahn in Nesselwang lindert dieses Gefühl ein wenig. Um die letzten Stunden zu genießen fahren wir mit einem der Sessellifte der Kombibahn und atmen frische Bergluft. Nach dem Umstieg an der Mittelstation geht es weiter hinauf auf die Alpspitze, die mit einem tollen Berg- und Panoramablick Richtung Forggensee und Füssen auf uns wartet. Auch die Burgruine Falkenstein kann man von hier aus sehen.
Mit der Talfahrt und dem freien Blick auf Hertingen sowie die Joggingrunde um den Attlesee kommt am Ende nun doch Fernweh auf. Und ein Entschluss: Das Allgäu hat noch sehr viel mehr zu bieten. Der Buch- und Medienblog nutzt weitere lange Wochenenden und kommt wieder. Mit dabei ist dann in jedem Fall das Reisebuch „Allgäu“ des Michael Müller Verlag.

Ralph Raymond BraunReisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver Steinhäuser
Reiseführer Allgäu
ISBN 978-3-95654-422-4

„Der Reisebericht“ – Eine neue Rubrik für den Buch- und Medienblog

Der Buch- und Medienblog erweitert die Themen seiner Rezensionen.
Reiseberichte ergänzen künftig die vertrauten Leseberichte.

Die ersten Ziele sind bereits in Planung. Es geht ins Allgäu und danach an den Gardasee. Neben den stark frequentierten touristischen Attraktionen, die man gesehen haben muss, legt der Buch- und Medienblog gesteigerten Wert auf Ausflüge mit Entspannungsfaktor und Kontenance (aber ohne Wellnessoasen).


„Wenn wir vor zehn Jahren planlos Städte besucht haben, war das wichtigste an diesen Trips das Zusammensein mit den Mitreisenden. Zeit für kompromisslose und absolute Freundschafts- und Beziehungspflege. Sehenswürdigkeiten und Ausflüge standen dabei nicht im Fokus.“ (Oliver W. Steinhäuser)


Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserAb heute sind es eben nicht mehr nur die Menschen, mit denen der Buch- und Medienblog etwas unternehmen möchte. Es sind auch die Städte, die Orte und die Regionen, die wir erleben möchten. Der spezielle Flair des Neuen und Unbekannten wird im Mittelpunkt unserer Berichte stehen. Für die Reiseberichte ist es wichtig, nicht nur über sehenswerte Orte, leckere Restaurants etc. zu schreiben, sondern auch eine besondere Geschichte, Eigenheit und geografische Außergewöhnlichkeit mitzuteilen. Dazu ist es – im Gegensatz zu den Reisen der letzten Dekade – wichtig zu planen. Das fängt bereits mit der Auswahl eines geeigneten Reiseführers an, geht über das Sondieren der darin beinhalteten Informationen und Tipps, bis zum eigentlichen Reiseerlebnis.

Die Reiseberichte bieten eine Dokumentation der Reiseplanung, über die Lektüre des Reisebuchs, der Planung der Ausflüge, deren Ausführung und dem Fazit. Die durch das Reisebuch/Reiseführer vermittelten Informationen und Tipps fließen in diese Punkte mit ein und sollen geprüft, ergänzt, und möglicherweise erweitert werden.

Da Reisen immer auf Individualität fußen, können nur Ausschnitte aus einem Titel betrachtet werden.

Lesebericht zu „Bretonisches Leuchten“ von Jean-Luc Bannalec

Bretonisches Leuchten_Jean-Luc Bannalec_Rezension_Oliver Steinhaeuser_Buch-und Medienblog, BlogIn der vergangenen Woche erschien der neue Kriminalroman von Jean-Luc Bannalec
Kommissar Dupins sechster Fall

Kommissar Georges Dupin hat frei! Weit weg von seinem Büro in Concarneau, macht er mit seiner Freundin Claire zwei Wochen Urlaub. Schon die Vorstellung an die erzwungene Ruhe und des Nichtstuns setzen dem arbeitswütigen Dupin zu. Nun liegt er allerdings tatsächlich am Strand der Côte de Granit Rose und soll endlich einmal seine Kriminalfälle und den Alltagsstress vergessen. So wünschen es zumindest Claire und auch die Kollegen in Concarneau.

Aus Sehnsucht nach Ermittlungen, kauft Dupin sich eines seiner geliebten Clairefontaine Notizbücher. Nicht wie üblich in rot, sondern blau. Er hat schließlich Urlaub. Wenn er schon nicht arbeiten darf, könne er sich wenigstens einen Fall konstruieren und fiktiv ermitteln.
Doch so weit kommt es nicht, denn aus seinem Feriendomizil verschwindet eine Frau spurlos. Schnell spricht sich im Hotel und auch im Ort Trégastel herum, dass der Besucher Georges Dupin der bekannte Kommissar aus Concarneau ist und wird umgehend um seinen Rat gebeten. Da der Hotelier, die beiden Gendarme, die Inhaberin des Presse- und Tabakladens, der Friseur etc. gewissermaßen über etliche Ecken verwand und verschwägert sind, bilden sie ein eingefleischtes Team. Jetzt, da auch noch der unbeliebte Kommissar aus Lannion den Fall offiziell übernommen hat, arbeiten alle Instanzen des Örtchens zusammen, informieren sich gegenseitig und legen größten Wert auf das Knowhow Dupins. Sie wollen die Tatumstände selbst herausfinden und Ergebnisse abliefern. Neben dem erteilten Arbeitsverbot seiner Freundin Claire, muss Georges Dupin zudem gegen die Drohungen des Kommissars aus Lannion achten. Der fühlt sich durch seine heimlichen Aktionen und die als Urlaubsplausch getarnten Befragungen in seinem Hoheitsgebiet und seiner Ehre übergangen.
Als eine Attacke auf die Lokalabgeordnete Madame Rabier stattfindet und plötzlich eine weibliche Leiche im Steinbruch gefunden wird, nehmen die Ereignisse schlagartig zu. Besonders, da die Tote im Steinbruch zunächst für die verschwundene Frau aus Dupins Hotel gehalten wird. Dem ermittlungssüchtigen Kommissar lässt das natürlich keine Ruhe. Um Claire nicht aufzuregen, muss er sich ausgefallene Ausreden ausdenken. Gut nur, dass auch sie sich nicht ganz konsequent an die Abmachung des arbeitsfreien Urlaubs zu halten scheint.

Wie die fünf Vorgänger der Reihe um den Kommissar Georges Dupin, ist auch der neue Krimi von Jean-Luc Bannalec ein sonniger und wohliger Ausflug in den Sommer der Bretagne.
Er eignet sich wie immer für all diejenigen, die im Sommer zu Hause bleiben, denn Dank der wunderbar bildlichen Sprache kann man das Meer trotzdem riechen und die Bretagne spüren. Die Krimis dienen auch hervorragend zur Vorbereitung und Einstimmung des eigenen Urlaubs im westlichsten Zipfel Frankreichs.

Jean-Luc Bannalec
Bretonisches Leuchten
ISBN: 978-3-462-05056-1

Lesebericht zu „Des Teufels Gebetbuch“ von Markus Heitz

Des Teufels Gebetbuch_Markus Heitz_Blog_Oliver Steinhaeuser_RezensionIn illegalen Spielpartien zocken reiche Kartenbegeisterte um historische Karten. Ihr Einsatz ist eine Menge Geld und jeweils eine historische Spielkarte. Gespielt wird „Supérieur“, bei dem die Spieler nacheinander Karten aufnehmen. Die höchste Karte gewinnt, alle anderen verlieren ihren Einsatz pro Runde. Wer die „Pik-Ass“ zieht hat automatisch alles verloren. Auch sein Leben. So sehen es die historischen Spielregeln vor, denn der Verlierer seines gesamten weltlichen Besitzes findet seine Ruhe besser im Tod als im Leben.
Hyun, die die Nachricht über den Unfalltod ihres zockenden Verlobten nicht recht glauben möchte, will die Organisatoren des illegal arrangierten Spiels zur Rechenschaft ziehen und löst bei der nächsten Partie in Baden-Baden eine Lawine ungeahnten Ausmaßes aus, die mit dem Tod eines russischen Oligarchensohnes zudem noch einmal mehr an Rasanz gewinnt.

Des Teufels Gebetbuch ist eine gelungene Kombination aus dem historischen Entstehungsprozess der Spielkarten und der Wirkung von Kartenspielen in unserer Gesellschaft. Die Verwunderung über die Macht des historischen Kartendecks fesselt den Leser so stark an das Buch, dass die im Anhang mitgereichten Informationen über die Entstehung von Kartenspielen und deren Weg nach und in Europa mit Euphorie weiterstudiert werden.
Die Verwendung historisch nachweisbarer Fakten und echt existierender Charaktere in der Geschichte zum Teufels Gebetbuch erzeugt eine solche Authentizität, sodass der Leser keinen Zweifel an der Story hat – obwohl er natürlich weiß, dass es um einen Roman mit fiktiven Elementen handelt.

Richtig interessant wird die Thematik, sobald der Leser das Geschriebene reflektiert. Das historische Kartenspiel des Romans wurde im Auftrag des Teufels im Heiligen Römischen Reich um 1768 in Leipzig mit einem Kupferstich gedruckt. Man kann sich nun die Frage der Existenz des Teufels stellen. Dann muss man jedoch gleichzeitig über die Existenz Gottes grübeln. Sind das nun fantastische Elemente? Beim Teufel und Gott eher nicht. Wie dem auch sei: Ist es nicht das Spielen an sich, dass in uns Menschen das teuflische in Form von Habgier, Missgunst und Sucht auslöst? Ebenso wie das Göttliche nicht körperlich existiert, sondern durch unser Handeln als Mensch erst zu Vorschein kommt.


Achtung! Dieses Buch fesselt den Leser an sich. Ein Entkommen der eigenen Gedanken aus dem Buch ist auch nach Beenden der Lektüre kaum möglich!


Markus Heitz liefert in den beiden Erzählsträngen einerseits eine sagenhaft düstere Aura, durch die der Leser ins alte Leipzig des Heiligen Römischen Reichs entführt wird. Zurück in die Zeit, zu der der Kupferstecher Bastian Kirchner im Verlagshaus Breitkopf tätig ist und das Kartendeck herstellt. Im zweiten Erzählstrang befindet sich der Leser in der rasanten Gegenwart, die von der Jagd nach eben diesen historischen Karten – des Teufels Gebetbuch – dominiert wird. Dass einige Protagonisten, Tadeus Boch allen voran, über unglaubliche Fähigkeiten verfügen – er spricht und versteht beinahe jede Sprache – ist kaum zu begreifen und strapaziert die Glaubwürdigkeit. Aber es schadet dem Buch nicht. Die Geschichte selbst ist so unglaublich, dass dem Leser diese Makel zwar nicht entgehen, sie ihn aber nicht davon abhalten, mehr über des Teufels Gebetbuch erfahren zu wollen. Und sich zusammen mit Hyun und Tadeus in den entlegensten Winkeln Italiens, Frankreichs, Belgiens, Russlands und Westafrikas rumtreiben, um alle Karten des Decks zusammenzubekommen. Nachdem auch Tadeus der Aura einer Karte anheimgefallen ist und er ihre negative und böse Ausstrahlung auf sein Denken und Handeln bemerkt, ist es der beiden Ziel, die unzerstörbaren Karten wenigstens so zu verbergen, dass kein Mensch mehr sie erreichen soll.

Markus Heitz
Des Teufels Gebetbuch
ISBN: 978-3-426-65419-4

Lesebericht zu „In jedem Augenblick unseres Lebens“ von Tom Malmquist

9783608983128_Tom Malmquist_Rezension_Besprechung_In jedem Augenblick unseres Lebens_Oliver Steinhäuser_Blog_Buch_LiteraturDie Geburt eines Kindes ist der wohl aufregendste und glücklichste Moment eines sich liebenden Paares. Ein Anlass, zu dem man das Überqueren der Türschwelle eines Krankenhauses nicht mit Krankheit und Verlust, sondern mit der Entstehung neuen Lebens verbindet. Leider geht das nicht immer so einfach,  und Tom muss dabei eine traurige Erfahrung machen. Das Schicksal hat für ihn keine traditionelle „Vater-Mutter-Kind-Familie“ vorgesehen, denn bei seiner Partnerin Karin wird im Verlauf der Schwangerschaft Leukämie diagnostiziert. Dank eines ungeplanten und dann auch noch frühen Kaiserschnitts öffnet sich für seine Tochter Livia das Tor zur Welt, während die nicht heilbare Krankheit seiner Freundin Karin innerhalb kürzester Zeit die Tür des Vertrauten und Geborgenen für immer zuschlägt.

Mit Luftnot liefert Tom Karin im Krankenhaus ein. Die zerschmetternde Diagnose lautet Leukämie in einem bereits weit vorangeschrittenen Stadium. Bevor jedoch die Therapie begonnen werden kann, muss ihr Kind per Kaiserschnitt entbunden werden. Karins letzte Entscheidung, bevor Medikamente und fortschreitender Zerfall sie von ihrem Bewusstsein trennen lautet: Livia. Der Name eines Kindes, das sie selbst nur aufgrund pränataler Kindsbewegungen in ihrem Körper kennt.
Der Leser ist nach nur wenigen Seiten in einer traurigen und belastenden Geschichte gefangen. Er lernt den Vater Tom in einer auch ihm unbekannten Umgebung kennen. Er hetzt durch die Gebäude und Gänge des Krankenhauses, zwischen der Frühgeborenen-Station und der Thorax-Intensivstation. Das Krankenhaus verlässt Tom nur mit seiner Tochter.
Zur Verarbeitung des Geschehenen und zur Erinnerung an eine erfüllte Vergangenheit mit seiner Freundin, schreibt Tom Malmquist im Namen seines Protagonisten Tom Malmquist ein Buch. Gegenwart und Erinnerung finden darin einen gleichrangigen Stellenwert. Erinnerungen an das Verliebt sein, an die Freuden und den Zweifeln. „In jedem Augenblick unseres Lebens“ führt uns die Macht des Schicksals vor Augen und offenbart, dass wir trotz aller Umstände zu jeden Moment unserer Existenz leben.

Das konsequente Auslassen von Anführungszeichen der wörtlichen Rede verstärkt die Machtlosigkeit während den tragischen Ereignissen. Ohne sie drohen dem Leser der Verlust der Struktur und das Verschwimmen der Zeilen. Worte und Situationen gehen ineinander über, drohen dem Leser zu entgleiten. Sie verschwimmen im Kummer, ja Ohnmacht, und sind für Tom kaum in Worte zu fassen. Malmquist schreibt ein Buch, in dem das Überspringen einzelner Zeilen unverzichtbar scheint. Denn nur wer im kontinuierlichen Fluss der Dialoge gelegentlich den Überblick verliert, hat eine Ahnung über die Überforderung des Protagonisten und Vaters.
Zwischen all den Hürden und Anstrengungen, die Tom zu bewältigen hat, erfährt der Leser eine Menge über Säuglinge – Informationen, mit denen sich nur Eltern identifizieren können: Beispielsweise die korrekte Menge an Vitamin D, den Moro-Reflex oder Kindspech. Oder den besten Zeitpunkt zur Vaterschaftsanerkennung und der Einwilligung der Mutter zum geteilten Sorgerecht – in seinem Fall leider zu spät, denn die Kindsmutter ist tot und das erschwert den Vorgang ungemein. „Was mich bei diesem Zirkus am meisten verletzt, ist die Tatsache, dass eine simple Heiratsurkunde, die man schon unterschreiben kann, wenn man sich nur eine Viertelstunde aus der Kneipe kennt, mehr zählt, als dass man zehn Jahre zusammen gelebt hat, ist eine Heiratsurkunde denn wichtiger als die Geschichte einer Familie?“ (S. 167)
Eine Bürokratie, die kaum auszuhalten ist!

Falsch liegt, wer hinter „In jeden Augenblick unseres Lebens“ einen tränentreibenden Trauerroman vermutet, denn dem Leser bleibt ebenso wenig Zeit zur Trauer, wie dem Protagonisten Tom. Wir sind zusammen mit ihm und der Bewältigung seiner Probleme so beschäftigt, dass wir dem Überlebenstrieb mehr folgen als uns in Larmoyanz zu ergeben.

Tom Malmquist
In jedem Augenblick unseres Lebens
978-3-608-98312-8

Lesebericht zu „Die Mutter des Satans“ von Claudia & Nadja Beinert

Stolz erfüllt Eltern, deren Kinder Erkenntnisse für die Menschheit liefern und der Gesellschaft ein nachvollziehbares und realitätsnahes Leben ermöglichen. Ein Leben und Denken abseits absurder Repressalien. So ist es auch bei Margarethe Luder, deren Sohn Martin im frühen 16. Jahrhundert die Lehre der katholischen Kirche in Frage stellt. Während der Vater Hans sich von Martin abwendet und ihn verstößt, liebt seine Mutter ihn weiterhin. Obwohl auch sie Zweifel und Unheil vor seinen reformatorischen Thesen für sich, ihre Familie und das gesamte Volk befürchtet.

Die Geschwister Beinert durchleuchten in „Die Mutter des Satans“ das Leben der Margarethe Luder. Eine Frau deren Aufgabe das Gebären, Zusammenhalten und Umsorgen der Familie ist – eine übliche Aufgabe für Frauen des 15. und 16. Jahrhunderts. Ihr Mann Hans ernährt mit dem Verdienst aus der Erzschmelze die Familie. Mit seinen gepachteten Schmelzhütten verdient er dabei anfangs kein schlechtes Geld und beschäftigt mehrere Hauer, die ihm das Gestein zum Ausschmelzen von Kupfer und Silber aus dem Berg treiben. Die Luders sind in Mannsfeld eine gut und gern gesehene Familie. Bis Sohn Martin sein Jurastudium abbricht und sich für ein Leben als Mönch entscheidet. Er spaltet die Familie zutiefst. Während seine Mutter mit Unbehagen und Fassungslosigkeit reagiert, spricht ihm der Vater die Familienzugehörigkeit ab. Niemals werde ein Kuttenträger der Familie Luder zugehören! Harte Worte, die den jungen Mann nicht davon abbringen können. Denn er handelt allein nach seinem Gewissen und Überzeugung. Mit dem Thesenanschlag in Wittenberg 1517 beginnt eine turbulente Zeit. Für Martin, der sich nach Eleutherius – die latinisierte Form des spätgriechischen Namen Ελευθέριος („Befreier“) – fortan Luther schreibt. Aber auch für seine Familie, da sie die Wut der strengen katholischen Kirche und unterwürfigen Bürgern auf die reformatorischen Gedanken und Äußerungen Martins zu spüren bekommt.

Der Roman eignet sich für zwei Zielgruppen:
Erstere ist, wer detaillierte Kenntnis zum Leben der Margarethe Luder erfahren möchte. Die Geschwister Beinert haben mit viel Liebe zum Detail einen ausführlichen Roman um die geschichtlichen Fakten geschrieben und das Wirken von Martin Luthers Mutter plastisch zum Leben erweckt.
Die zweite Zielgruppe stellen Informationssuchende, die die Entwicklung Martin Luthers sowie seiner Familie aus einem spannend erzählten Kontext erleben möchten. Wer jeweils ein bis zwei Sätze am Absatzbeginn und -ende der zahlreichen Absätze liest, erfährt all diese geschichtlich prägenden Ereignisse und kann dem Leben der Luders zusehen.

Erzählt wird die Geschichte aus den Erinnerungen von Margarethe Luder, die ihr Leben während des Portraitierens bei Lucas Cranach Revue passieren lässt. Deren Sohn Martin zu Beginn lediglich für die Abschaffung von Missbräuchen eingetreten war, der sich zum Reformator der Kirche entwickelt hat und Reliquien, Ablässen sowie Heiligenverehrung bedeutungslos machte. Obwohl Martin Luther seinerzeit die gesamte Kirche gegen sich aufbrachte, ist es nicht Rebellion, sondern die Suche nach Gottes Gnaden, die ihn bewegt und antreibt. Für ihn steht fest, dass ein Christ kein gutes Werk zu tun braucht, um fromm zu sein. „Es ist genau umgekehrt. Kaum dass er [der gute Christ] meint, sich Frömmlichkeit erst verdienen zu müssen, verliert er seinen Glauben. Es ist wie mit einem Hund, der ein Stück Fleisch im Maul trägt, nach seinem Spiegelbild im Wasser schnappt und genau deshalb Fleisch und Spiegelbild verliert.“ (S. 336).

Zu Beginn des Buches erlebt der Leser Martins Vater Hans als einen Menschen, der seinem Sohn Misstrauen gegenüber Dritten lehrt, damit er sich nicht übers Ohr hauen lässt. Dass Martin letzten Endes genau das mit seiner Reformation tut, entgeht dem tobenden Vater völlig. Er ist im Gegensatz zu seinem Sohn nicht an Wahrhaftigkeit, sondern nur an seiner Reputation interessiert. Martin interpretiert seines Vaters Lehre zu gesundem Misstrauen auf seine eigene Art. Für ihn zählt mehr, als nur Dinge die auf das Diesseits gerichtet sind. Gottes Gnade und das Verhindern der ewigen Verdammnis hebt er über Besitz und weltlichen Ruhm. Er handelt am Ende misstrauisch wie vom Vater gewollt und doch anders als es Hans jemals in den Sinn gekommen wäre.

Die Mutter des Satans
Claudia & Nadja Beinert
ISBN: 978-3-426-65383-8