„Der Reisebericht“ – Eine neue Rubrik für den Buch- und Medienblog

Der Buch- und Medienblog erweitert die Themen seiner Rezensionen.
Reiseberichte ergänzen künftig die vertrauten Leseberichte.

Die ersten Ziele sind bereits in Planung. Es geht ins Allgäu und danach an den Gardasee. Neben den stark frequentierten touristischen Attraktionen, die man gesehen haben muss, legt der Buch- und Medienblog gesteigerten Wert auf Ausflüge mit Entspannungsfaktor und Kontenance (aber ohne Wellnessoasen).


„Wenn wir vor zehn Jahren planlos Städte besucht haben, war das wichtigste an diesen Trips das Zusammensein mit den Mitreisenden. Zeit für kompromisslose und absolute Freundschafts- und Beziehungspflege. Sehenswürdigkeiten und Ausflüge standen dabei nicht im Fokus.“ (Oliver W. Steinhäuser)


Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserAb heute sind es eben nicht mehr nur die Menschen, mit denen der Buch- und Medienblog etwas unternehmen möchte. Es sind auch die Städte, die Orte und die Regionen, die wir erleben möchten. Der spezielle Flair des Neuen und Unbekannten wird im Mittelpunkt unserer Berichte stehen. Für die Reiseberichte ist es wichtig, nicht nur über sehenswerte Orte, leckere Restaurants etc. zu schreiben, sondern auch eine besondere Geschichte, Eigenheit und geografische Außergewöhnlichkeit mitzuteilen. Dazu ist es – im Gegensatz zu den Reisen der letzten Dekade – wichtig zu planen. Das fängt bereits mit der Auswahl eines geeigneten Reiseführers an, geht über das Sondieren der darin beinhalteten Informationen und Tipps, bis zum eigentlichen Reiseerlebnis.

Die Reiseberichte bieten eine Dokumentation der Reiseplanung, über die Lektüre des Reisebuchs, der Planung der Ausflüge, deren Ausführung und dem Fazit. Die durch das Reisebuch/Reiseführer vermittelten Informationen und Tipps fließen in diese Punkte mit ein und sollen geprüft, ergänzt, und möglicherweise erweitert werden.

Da Reisen immer auf Individualität fußen, können nur Ausschnitte aus einem Titel betrachtet werden.

Welttag des Buches – Buchverlosung

Es ist wieder soweit! Heute ist der Welttag des Buches.

Bücher sind ein wunderbares Medium, um Menschen mit spannenden Geschichten zu unterhalten, sie zusammenzubringen und mit lehrreichen Beiträgen in ihrem persönlichen Reifungsprozess und dem Aufbau moralischen Verständnisses zu unterstützen.

Getreu des Motto des Buch- und Medienblogs „Du siehst, was du liest“ verlose ich „Mona“, ein Thriller zum Thema Cyberkriminalität.

Obwohl das Buch Schwachstellen im Spannungsbogen aufweist, ergeben sich aus dem Buch interessante Erkenntnisse zwischen zwei kulturell und religiös divergierenden Menschen.
Hier geht es zur Rezension!

Mona, buchblog, medien, thriller, cyberkriminalität, computervirusDie Teilnahme an der Verlosung des Thrillers erstreckt sich über eine Woche und endet am Sonntag, den 30.04.2017. Zur Teilnahme, kommentieren Sie diesen Beitrag. Beachten Sie auch, dass nur Teilnehmer mit deutscher Postanschrift an der Verlosung teilnehmen können!
Der Gewinner wird in der ersten Mai-Woche per E-Mail informiert!

Viel Spaß und einen schönen Tag des Buches!
Oliver W. Steinhäuser

 

Blogtour: Essay zur Rehabilitation des Irrsinns durch proaktive Therapiemethoden

Anstatt eines Leseberichts hat der Buch- und Medienblog dem Protagonisten dieses Romans, Dr. Ludwig Meyer, folgendes Essay an den Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten, Heinrich von Mühler (1866), diktiert:

Achtung, hier gibt es etwas zu gewinnen!


brief-1866An den
Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten
Heinrich von Mühler

Geistige Fehlsteuerung und deren Zusammenhänge mit körperlichen Leiden. Rehabilitation des Irrsinns durch proaktive Therapiemethoden wie Musik, Dialog, Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Viele Verantwortliche in den Irren- und Heilanstalten sind starrsinnige Anhänger der alten Lehre über geistige Krankheiten. In ihrer Renitenz verweigern Sie neue und revolutionäre therapeutische Ansätze zur Heilung geistiger und seelischer Störungen. Viele sogenannte Forscher sind gar nicht daran interessiert, fehlgeleitete und von der Norm abweichende Existenzen ernst zu nehmen. Sie wollen auch gar nicht wahrhaftig versuchen, sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Lieber sehen Anstaltsleiter ihre „Untertanen“ in urin- und kotgetränkten Kellern mit vergitterten Fenstern, als in einer menschenwürdigen Unterkunft mit Licht, Beschäftigung und Raum zur Entfaltung. Aufgrund ihrer eigenen Unwissenheit lassen sie Geisteskranke lieber siechend in Kellern verrotten, als ihren eigenen Profit durch eine wenn auch noch so geringe Humanisierung zu schmälern!

Doch in welcher Welt leben wir, dass wir Irre schlechter behandeln als unser Vieh?
Es stellt sich darüber hinaus die Frage nach der Identifizierung einer Störung sowie das Definieren ihrer Grenzen. Wo fängt sie an, welcher Habitus impliziert den Übertritt der Eigenheit eines Menschen hin zum Wahn? Ginge es nach Senator Ulrich, zählen bereits öffentliche Freude, Ausgelassenheit und Lebenslust zu den Charaktereigenschaften, die dem Irrsinns zuzuordnen seien – wobei er diese natürlich nicht als Charakteristika anerkennen würde, sondern sie dem Schwachsinn zuordnen würde. Vergleicht man das Wissen über Spektren der Musik oder des Lichts mit den Grenzen zwischen Irrsinn und dem „Normalen“, wird doch klar, dass es zwischen der Eindeutigkeit auch Abstufungen gibt. So wie ein weißer Lichtstrahl im Prisma in seine drei Spektralfarben geteilt wird, muss es sich doch auch im Geist des Menschen verhalten. Rot, Grün und Blau sind keineswegs die einzig gegebenen Farben. Zwischen ihnen gibt es unendlich viele Nuancen. Gleiches muss für das geistige Spektrum gelten! Da gibt es keine vernünftige Gegenrede. Es gibt eben nicht nur „Irrsinn und kein Irrsinn“, sondern unendlich viele Abstufungen dazwischen. Wenn Sie sich mit den Formen des Wahns näher befassen, begeben Sie sich auf einen Balanceakt zwischen Manipulierbarkeit, Selbstmanipulation und dem Verwechseln der Realitäten.
Nota bene, Realität ist ein durch Erfahrungen und Interpretationen gewachsenes Weltbild, das in jedem von uns verankert ist. In jedem etwas anders. Was also unterscheidet diese Weltanschauungen und wer sagt uns, welches dieser Bilder das richtige ist? Was ist die Welt?

Ich wiederhole mich wirklich nur ungern, doch meine Worte drohen im Sumpf einer allgemeinen Lethargie zu ertrinken. Aber „Aktion bringt Satisfaktion“. Das meine ich durchaus wörtlich. Obwohl es sich beim Vorgang der Erteilung von Satisfaktion ursprünglich natürlich um freie, waffentragende Männer handelte, die ihre Ehrenstreitigkeiten mit internen Mitteln und ohne eine übergreifende Autorität ausfochten bzw. gelöst haben, kann dieser Ansatz auch auf die Ehre von geistig Gestörten in Irren- und Heilanstalten Anwendung finden. Auch irrgeleitete Menschen müssen sich mit internen Mitteln und ohne eine übergreifende Autorität gegen die inneren Geister wehren können. Die treibende Kraft der Heilung ist überwiegend intrinsischer Natur, angeleitet und gestützt durch unsere fachkundigen Therapeuten und Ärzte. Dabei ist die Ausgewogenheit aus Aktion und Ruhe zu gewährleisten.
Dies führt augenscheinlich ganz unweigerlich zur Musik und deren wertvollem Zusammentreffen aus Motion und Emotion – Somatik und Psychik sind die willkommenen Stichwörter.
Das kann unmöglich Zufall sein, denn warum sollte der Mensch, der durch die Musik wertvolles Zusammenspiel schafft, in seinem täglichen Tun in einer Dissonanz zwischen Körperlichem und Geistigem residieren? Es muss einen Zusammenhang der Psychik und der Somatik geben. Eine Art Psychosomatik. Es ist geradezu unglaublich, dass dieser Fakt bislang nicht in Betracht gezogen, ausprobiert und analysiert wurde. Es ist geradezu empörend, mit welcher Vehemenz Tatsachen ignoriert, geleugnet und verschlossen werden. Koryphäen können und dürfen sich neuer Erkenntnis nicht verschließen. Es geht nicht nur um die Zusammenhänge von Musik und Stimmung und die Bedeutung von positiver Stimmung für das Seelenleben sondern um Fortschritte in der Bedeutung der Menschenwürde.
Eben diese sollte unantastbar sein!

Deshalb, Herr Minister von Mühler, erlaube ich, Dr. Ludwig Meyer, an Ihre Vernunft zu appellieren. Verschließen Sie sich der Zukunft nicht und verurteilen Sie die Gleichzeitigkeit von Lachen und Weinen, von Trauer und Freude nicht als Zeichen unabwendbaren Irrsinns, sondern ermöglichen Sie den geistig schwachen und erkrankten Persönlichkeiten den Erhalt oder den Wiederaufbau ihrer Würde. Durch fachgerechte Therapien können wir diese Menschen stützen und ihnen die Wiedereingliederung in unsere Gesellschaft ermöglichen.

© Oliver W. Steinhäuser


Von allen guten Geistern_Andreas Kollender_Buchblog_Oliver Steinhäuser_Blog_LiteraturSei ein Gewinner!

Im Rahmen der Blogtour verlost der Pendragon Verlag drei Kollender-Buchpakete mit jeweils einem Exemplar von „Kolbe“ und „Von allen guten Geistern“. Um an der Verlosung teilzunehmen, müssen die TeilnehmerInnen ein Lösungswort bilden. Das Lösungswort findet sich in den fünf Blogbeiträgen zu der Tour. In jedem Beitrag findet sich ein fett gedruckter Buchstabe – das Lösungswort besteht also aus fünf Buchstaben.
Zur Teilnahme an der Verlosung muss das Lösungswort an presse@pendragon.de gesendet werden. Einsendeschluss ist Freitag, der 17. März 2017 um 23:59 Uhr.

Die drei Gewinner werden aus allen Teilnehmern ausgelost. Nach der Auslosung werden die Gewinner per Mail benachrichtigt und um ihre Adressdaten gebeten. Die Adressdaten der Gewinner werden nur für den Versand benötigt und werden nicht an Dritte weitergegeben. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt Ihr euch mit diesen Bedingungen einverstanden.

Was bisher geschah
Hier finden Sie die zwei vorherigen Beiträge:

06.03. https://seitengang.wordpress.com/ Rezension
07.03. http://leckerekekse.de/wordpress Interview mit Andreas Kollender

Was morgen und übermorgen passiert
Hier finden Sie die zwei folgenden Beiträge:

09.03. https://diedunklenfelle.wordpress.com/ Ein fiktives Interview mit Ludwig Meyer
10.03. https://wortgestalt-buchblog.de/ Ein Lesetagebuch zu den „Geistern“


„Die erste Irrenanstalt ohne Gitter wurde vor 150 Jahren eröffnet“ schreibt das Hamburger Abendblatt am 4. Oktober 2014 über die Irren- und Heilanstalt Friedrichsberg.


Andreas Kollender
Von allen guten Geistern
ISBN: 978-3-86532-575-4

Blogtour: Buch- und Medienblog in den letzten Vorbereitungen

Die Blogtour zu „Von allen guten Geistern“ von Andreas Kollender beginnt morgen!

Der Buch- und Medienblog ist nun in den letzten Vorbereitungen für die Veröffentlichung seines Textes am Mittwoch, den 08. März 2017.

Während der Lektüre, der Textvorbereitung und des Schreibens sind ihm wieder einmal kuriose Dinge passiert:

blogtour_kollender_2_Buch- und Medienblog, Blog, Oliver Steinhäuser_Foto:Oliver W. SteinhäuserDie Lektüre:
18.02.2017 – Während Oliver Steinhäuser vom Buch- und Medienblog zur Lektüre im Fernzug saß, ist er promt in einen zwanzig Mann starken Junggesellenabschied geraten. Daher musste er sein Frühstück kurzerhand um ein geselliges Bier und einen XL-Kaffee erweitern.

 

blogtour_kollender_1_Blogtour, Oliver Steinhäuser, Buch- und medienblog, Foto:Oliver W. SteinhäuserThemenfindung und Auswahl:
26.02.2017
– Zur Konzipierung des Essays hangelt sich der Buch- und Medienblog an den Kernaussagen und -themen des Revolutionsveruchs im Psychiatriewesen entlang.

 

 

Verfassen des Essays:
03.03.2017 – Während des Schreibens wollte ich unbedingt Bezug auf die heilende und stimmungsfördernde Wirkung von Musik nehmen. Dabei entstand die Idee, dass das Essay ebenso ein Brief vom Protagonist Dr. Ludwig Meyer an die Gesundheitsbehörde im Deutschen Kaiserreich sein könnte. Da Revolutionen auch die obersten Stellen der Macht erreichen müssen, könnte Dr. Ludwig Meyer das in drei Tagen auf dem Buch- und Medienblog veröffentlichte Essay (Mittwoch 08.03.2017) um 1866 auch an den (Gesundheits)Minister Heinrich von Mühler geschickt haben.

Lesebericht zu “ In Shitgewittern“ von Jon Ronson

in-shitgewittern-jon-ronson-klett-cotta-blog-buch-oliver-steinhaeuserWie daneben müssen wir uns benehmen, welche Ungehörigkeit uns erlauben, um kollektiven Hass auf uns zu ziehen? Und welche Gründe sind es, dass manch einer wegen Kleinigkeiten regelrecht gelyncht wird, wohin gegen andere, deren Taten und Worte viel schwerer wiegen, ungeschoren und ungeachtet ihrer Wege gehen dürfen? Was vor einigen Jahren abgeschafft wurde erfährt eine Renaissance: Der Pranger. Mit erheblichen und verheerenden Ausmaßen: Die zeitliche Spanne der Demütigung. Während in der Vergangenheit Schläge und öffentlich zur Schau gestellte Herabwürdigung temporär vollzogen wurden, haben die Beweise im Internet auch lange nach einer Empörung noch Bestand.


Rufen Sie sich eines ihrer persönlichsten Eigenschaften vor Augen, eine Angewohnheit über deren Kenntnis nur Sie selbst verfügen. Erzählen Sie diese einer beliebigen Person mit der Bitte zur Veröffentlichung in sozialen Medien. Machen Sie nicht? Ist Ihnen peinlich? Zu privat?
Nun, so geht es wohl jedem von uns, da er sich vor einer Bloßstellung fürchtet.


Jon Ronson beginnt sein Sachbuch über die Möglichkeiten zur globalen Denunziation durch digital-soziale Medien. Anhand des Autors Jonah Lehrer, dem die Mehrfachverwendung eigener Zitate sowie die Erweiterung von Fremdzitaten durch seine Worte in seinen populärwissenschaftlichen Büchern zum Verhängnis wurde.
Ronson präsentiert dieses Beispiel sehr detailliert, und der Leser muss das über sich ergehen lassen. Nur so erfährt er mehr über die Entstehung und das kontinuierliche Hochkochen bis zum finalen Paukenschlag: Der Shitstorm, der sich brandschnell und netzartig ausbreitet. Immer tiefer tastet Ronson sich in die Demütigung im Internet vor und beschreibt dies an echten Fällen. Interessant dabei ist, dass die Fälle jeweils Aspekte aus „Täter-“ als auch „Opfersicht“ veranschaulichen. Er erzeugt ein Verständnis für den Shitstorm-Angriff gegen eine Person und reflektiert die Gedanken des Auslösers. Genau der denkt sich während des Veröffentlichens eines Postes in sozialen Medien in der Regel weniger, als spitzfindige Streithähne später darin hineininterpretieren. Doch genau so entsteht eine oft gefährliche Gruppendynamik, die, befördert durch die teilweise anonymisierte „Umgebung Internet“, in Massenhysterien auszuufern droht. Es entsteht Deindividuation, ein Phänomen, bei dem ein Individuum sich in einer Situation, in dem es sich in einer Gruppe befindet, weniger stark an gesellschaftliche Gepflogenheiten und Verhaltensmustern hält, als wenn es alleine in dieser Situation agieren würde. Hinzu kommt, dass der Fehltritt eines Einzelnen oft zur Projektionsfläche eines generellen gesellschaftlichen Problems/Kritik wird und sich der Unmut auf die Aussage/Fehltritt einer Einzelperson potenziert. Das Shitstorm-Opfer wird als Ventil eines generellen Problems missbraucht. Wird man sich darüber hinaus klar, dass die meisten der Menschen unserer Gesellschaft nicht als sonderbar bzw. angreifbar wahrgenommen werden möchten, schließen sich viele der öffentlichen Mehrheitsmeinung an. Dadurch fallen wir als Individuum nicht auf und entsprechen einer gewissen Norm. Um nicht angreifbar zu sein, reduzieren wir also unsere Individualität.

Ein unkritischer Post, Buch und Medienblog, Klett-Cotta, In Shitgewittern

Ein unkritischer Post von der diesjährigen Frankfurter Buchmesse 2016!

Kommen wir zur Anfangsfrage zurück: Warum sorgen manche Beiträge für Aufsehen während andere einfach untergehen?
Scham wird mitunter davon beeinflusst, ob das Demütigungsopfer sie zulässt. Wer sich ihrer annimmt wird von ihr verfolgt und hart getroffen. Wer sie an sich abprallen lässt, sorgt sich weniger. Soweit die Theorie. Allerdings kann Scham nicht ein- und ausgeschaltet werden. Auch wenn man es schafft, sie in der Öffentlichkeit zu verdrängen, bedeutet das nicht, dass sie uns im Unterbewusstsein erspart bleibt. Sie ist sogar in der Lage unser Handeln und Verhalten zu beeinflussen, ohne dass wir von ihrem offensichtlichen Einwirken Notiz nehmen.
In unserer Gesellschaft kommt niemand gänzlich an ihr vorbei. Deshalb müssen wir unser voreiliges Kommentieren in sozialen Medien reflektieren und uns über die Auswirkung von bloßstellenden Worten Gedanken machen. Denn manch unüberlegter Post kann auch durch eine persönliche Nachricht kritisiert werden und beim Ersteller zum Nachdenken anregen. Nachdenken führt, im Gegensatz zum offensiven Beleidigen, nicht selten zur Einsicht, zumindest aber zu einer sachlicheren Kontroverse. Angriffe in der Regel nur zu Gegenangriffen und Barrikaden.


Wie sozial sind unsere vermeintlich sozialen Netzwerke? Dieser Frage geht auch Heiner Wittmann auf „Stuttgart-Fotos“ nach:
„Ronsons Geschichte erklärt den Mechanismus, wie die schweigende Mehrheit, die unsichtbare selbsternannte kollektive Intelligenz eine Stimme beansprucht“, schreibt Wittmann zu Ronsons Werk auf dem Klett-Cotta-Blog.


Jon Ronson
In Shitgewittern – Wie wir uns das Leben zur Hölle machen
ISBN: 978-3-608-50235-0

Die verspielte und politisch-historisch verkümmerte Gesellschaft

Wie unsere Jugend durch Pokémon sozial-gesellschaftlich verarmt und das derzeitige Schulsystem G8/G9 den geistigen Abbau weiter fördert.

Smartphone-Spiele wie „Pokémon go“ sorgen für allgemeine Verwirrung bildungsnaher Gesellschaftsschichten und fördern  Überlegungen und Reflexionen über uns selbst zu Tage. Es ist schon verantwortungslos, wenn Spieler öffentliche Plätze und Straßen durch ihr Spiel in Beschlag nehmen und Mitmenschen gar in Gefahr bringen. Wenn die virtuelle Monsterjagd jedoch nicht einmal vor historischen Mahnmalen wie dem ehemaligen Konzentrationslager in Auschwitz Halt macht, müssen wir uns Gedanken machen, welche Gründe dafür verantwortlich sind, dass Teile unserer Gesellschaft unreflektiert und gedankenlos durch das Leben laufen.

Schnell könnte man an Sittenverfall und eine fortschreitende digitale Debilität denken. Diese Geschmacksverirrung der Gaming-Generation ist möglicherweise jedoch Vorbote viel verheerenderer Vorgänge auf epochaler Ebene: Wir erfahren derzeit eine einschneidende Verschiebung auf dem Gebiet des kulturellen Gedächtnisses. Fixpunkte kollektiver Erinnerungen unserer Gesellschaft fallen zunehmend dem Dunst des Vergessens anheim. Historische Ereignisse verweilen nicht mehr so lange wie früher im sozialen Gedächtnis. Während die Generation unserer Großeltern geschichtlich versiert ist, sinkt die Verweildauer der Geschichte auf 80 – 100 Jahre. books-485479_1920Fatal, wenn man bedenkt, dass aus dieser Zeitspanne der Aufbau des Erfahrungshorizontes eines Menschen entspringt und mit Hilfe dessen ein Individuum seine Lebenseinstellungen ableitet. Fatal deshalb, da es bedeutet, dass die folgenschweren Ereignisse des 20. Jahrhunderts im Moment dabei sind, aus dem Kollektivgedächtnis (vgl. hierzu das „Konzept des französischen Philosophen und Soziologen Maurice Halbwachs à „kommunikatives- und kulturelles Gedächtnis; sowie http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/1895/1/Assmann_Kollektives_Gedaechtnis_1988.pdf) unserer Gesellschaft zu fallen. Hinzu kommt, dass die letzten Zeitzeugen ebenfalls verschwinden. Und mit ihnen die Unmittelbarkeit des Katastrophalen sowie die Notwendigkeit, aus der Vergangenheit zu lernen. Anstelle der Übersetzung historischen Wissens in Diskurse politischer Willensbildung, interessieren sich junge Generationen immer öfter nur noch für das ungestörte, von Geschichte nicht beeinflusste Spiel mit ihren Smartphones.
Um die Gefahr dieser Trends noch besser zu verstehen, lohnt sich die Betrachtung der Schulpolitik, die seit ca. 15 Jahren mit Einführung des G8 ‑ die ihre Wissensvermittlung von traditionell neun auf acht Jahre verkürzt haben ‑ an dieser Entwicklung mit beteiligt ist. Wer in nur acht Jahren zum Abitur gelangen möchte, dem bleibt nicht nur ein ganzes Jahr Zeit erspart, sondern auch eine Menge Wissen und Allgemeinbildung. Effizienzideologischen Entscheidern ist es geschuldet, dass sich die Lernschwerpunkte nicht mehr auf die Inhalte konzentrieren, dem reinen Wissen also, sondern sich zum Aufbau von Kompetenzen verlagert haben. Diese baut man am wenigsten in Fächern wie Geschichte auf, das wie viele andere Fächer in seiner Wochenstundenzahl kurzerhand reduziert und inhaltlich ausgedünnt wurde. Vieles wird nur noch angeschnitten. Dem historischen Verfall wird dadurch weiter zugearbeitet. Auch Eltern stehen in der Schuld, da sie für ihre Kinder im Turboabitur weniger Inhalte fordern, um die Lernenden nicht zu überfordern. Das ist verständlich, jedoch leidet das Allgemeinwissen darunter. Viele Gymnasien stellen daher wieder auf neun Jahre um, schenken den Schülern wieder ein weiteres Jahr. Das reduziert Lernstress. Und das vor allem, da die eingedampften Inhalte nicht etwa wieder aufpoliert und erweitert werden, sondern lediglich langsamer unterrichtet werden. So schreibt es zumindest die Website des hessischen Kultusministerium: „Die Kerncurricula für den gymnasialen Bildungsgang gelten unabhängig von der zeitlichen Ausgestaltung der Sekundarstufe I, das heißt gleichermaßen für die fünfjährig organisierte (G8) und die sechsjährig organisierte Mittelstufe (G9).“ Das vorher aussortierte Wissen wird also nicht wieder aufgenommen. Am Ende bekommen Schüler wieder mehr Zeit, jedoch nicht mehr Wissen.

Für den Pokémon spielenden Einzelnen bedeutet dieser Trend, dass er auch eigene Gedanken anstreben müsste, sich selbst über seine Umgebung und Geschichte informieren sollte. Erste politische Folgen des Erinnerungsverlusts sind bereits beobachtbar. Sie manifestieren sich durch den Erfolg populistischer und geschichtsmissachtender Gruppierungen.
Am Ende helfen hoffentlich nicht nur an Gedenkstätten angebrachte Hinweistafeln, die das Fangen virtueller Monster an Plätzen einstiger realer Monster verbietet.


120px-achtung-svgNun könnte man die vorangegangenen Worte als realistisches und glaubwürdiges Abbild der Dinge sehen. Und so ist es auch – zumindest teilweise.
Doch es gibt weder das einzig Wahre, noch das absolut Falsche. Und so kommt es, dass man auch reflektierenden Jugendlichen begegnet, denen das Fangen giftverströmender Monster im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz zuwider ist. Jugendliche, die in Foren über die Geschmacklosigkeit dieser Entwicklung diskutieren.

Es lohnt sich der Blick auf den Spielehersteller, der die sogenannten Hotspots einrichtet: Durch die gps-Daten, die die Jugendlichen über ihre Smartphones offenbaren, kann der Hersteller die von Spielern des Pokémon go stark frequentierten Orte identifizieren. Dabei geht auch der Hersteller nicht immer überlegt vor, und richtet an Orten Hotspots mit besonders interessanten Pokémon ein, an denen sich auffällig viele Menschen mit dem auf ihren Smartphones installierten mobilen Spiel aufhalten. Im oben genannten Fall auch das KZ Auschwitz, denn hier halten sich ‑ oft während Klassenausflügen ‑ besonders viele junge Menschen auf. Fraglich ist, ob ein Appell zum Pokémonverbot an solchen Orten reicht, oder ob der Hersteller nur durch Sanktionen gebremst werden kann.
Letzten Endes hat der Hersteller möglicherweise ganz andere Ziele vor Augen. Der Hype um das Spiel hat gezeigt, dass es in der Lage ist, ganze Menschenmassen beinahe blind zu mobilisieren. Ein Phänomen, das dem Hersteller mit Sicherheit nicht entgangen ist und das er als Basis für weitere monetäre Absichten missbrauchen kann. Zum Beispiel in schwach frequentierten Einkaufszentren. Das Geschäftsmodell sähe wie folgt aus: Shopping-Malls kaufen sich beim Spielehersteller seltene Pokémons ein und bekommen vom Hersteller einen Hot-Spot eingerichtet. Und schon werden aus uninteressanten Orten Publikumsmagnete. Im beschriebenen Fall handelt es sich lediglich um einen kommerziellen Kniff. Doch theoretisch kann jeder als Kunde beim Spielehersteller in Erscheinung treten. Welche Anziehungskraft stark frequentierte Orte auf extremistische Gewalttäter hatten, mussten wir in den letzten Monaten leider schmerzlich feststellen. Es lohnt sich also für jeden von uns, über Sinn und Unsinn neuer Trends nachzudenken, bevor man ihnen blind folgt.

Lesebericht zu „Der letzte Zeitungsleser“ von Michael Angele

9783869711287Ganz selbstverständlich steht der presseaffine Mensch heut zu Tage, im 21. Jahrhundert, vor einem Zeitungsregal, vergleicht die vielseitig und aufwändig gestalteten Titelblätter der Tagespresse und entscheidet sich für das interessanteste, informativste und dem investigativen Journalismus zugeordnete Zeitungsprodukt. Dass der Weg bis dahin sehr beschwerlich war, vergessen dabei viele. Allerdings ist die moderne Gesellschaft lange aus der Wiege der Presseprodukte herausgewachsen. Das einzige Monopol, Informationen über weltliches Geschehen aus den Tageszeitungen zu erfahren, ist durch das Zeitalter des Internets lange vorüber. Schnell fragt man sich, welchen Mehrwert die gedruckte Zeitung noch bietet, wenn alle darin befindlichen Informationen auch durch kostenfreie Internetangebote zugänglich gemacht werden?

Michael Angele verfasst in „Der letzte Zeitungsleser“ nicht nur eine Hommage an die Tageszeitung, sondern an das gedruckte Wort im Allgemeinen. Doch er liebt weit mehr als den Inhalt. Es ist die Gesamterscheinung, die ihn und viele andere Zeitungsleser fesselt. Das Rascheln, der Geruch, die Haptik, ja und auch den Platz, den der Zeitungsleser bei seiner Lektüre unweigerlich in Anspruch nehmen muss. Und weil auch die Anmutung eines in Spalten gesetzten Textes ein Alleinstellungsmerkmal ist, enthalten die Seiten in „Der letzte Zeitungsleser“ die Optik eines Einspalters, umrahmt von viel Weißraum, der, wie ich es finde, wunderbaren Platz zu Randbemerkungen bietet. Hier kommt kein Gefühl von künstlicher Ausdehnung des Textes auf. „Der letzte Zeitungsleser“ braucht Platz für Gedanken, ist nicht nur Information, sondern Erinnerung, Anregung und Reflexion.

Randnotizen des Buch- und Medienblogs bei der Lektüre: "Gibt es Identifikation mit einer Tageszeitung? Öffentlicher Wertetransport"

Randnotizen des Buch- und Medienblogs bei der Lektüre: „Gibt es Identifikation mit einer Tageszeitung? Öffentlicher Wertetransport“

Angele zieht sich zur Beschreibung seines idealen Zeitungslesers den österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard zu Rate, durchleuchtet seine Gewohnheiten, seine Sucht und Sehnsucht nach der Tageszeitung. Ihm gelingt dabei der Spagat zwischen dem Beschreiben des Faktischen und der gelebten Realität, des Unwirsch Seins, das uns im Leben eines Zeitungslesers immer wieder widerfährt.
Sein Werk dient dazu sich selbst zu verstehen, zu reflektieren. Wir erkennen uns darin wieder, sehen, dass nicht nur wir Zeitungsartikel sammeln, das Lesen solange aufschieben, bis an die Rezeption der Artikel beinahe nicht mehr zu denken ist, weil sich eine schiere Flut zusammengefunden hat. Ein unbezwingbares Massiv, das nur dann noch das Recht zur Aufbewahrung erfährt, wenn wir es zur Sammlung titulieren. Auch wenn es dadurch nicht rational wird, so wird es doch wenigstes verständlich.

Was also haben wir davon, die Tageszeitung zu lesen, wenn sich doch alle Informationen im Internet jederzeit in einer schier unermüdlichen Konjunktur befinden?
Es ist die von Journalisten und Redaktionen ausgewählte Zusammenstellung eben dieser, die durch ihre Gatekeeping-Funktion vorsortieren und uns die eigene Recherchezeit verkürzen. Vor allem aber tragen ausgewählte Themen mit Differenzierungsmöglichkeiten (z. B. „Pro & Contra“; „Meinung & Gegenmeinung“) dazu bei, eigene Gedanken anzustreben und nicht der Gefahr zu verfallen unreflektiert Meinungen anzunehmen und zu kopieren. Gerade diese meinungsbildenden Seiten einer Tageszeitung ermöglichen es einen Gesinnungs- & Sinneswandel anzuregen. Sie bieten dem Leser gewissermaßen die Grundlage zur eigenen Mündigkeit.
Diese Mündigkeit durchzieht die gesamten Milieus der Gesellschaft. Sie ist nicht an Lebensstil und Wertehaltung gekoppelt, denn für jedes Sinus-Milieu (hier die typischen Eigenschaften der Milieus) existieren meinungsbildende Tageszeitungen.


Wer mehr zum geschichtlich/historischen Entstehen und dem Verlauf der Tageszeitung lesen möchte, findet in meinem Aufsatz „Fortschritte des Nachrichtenwesens dargestellt an den Entwicklungsstufen Flugblatt und Zeitung“ weitere Informationen.images


Der letzte Zeitungsleser
Michael Angele
ISBN: 978-3-86971-128-7