Denkmal der Jugend

Einst war uns die Jugend ein herrliches Fest,
öffneten sich Türen und Tore, gar manches Portal.
Segnete Unsinn den Leichtsinn,
statt Schwere die Leere.
Floss der Wein so rein, kristallklare Zähre.
Bejubelten wir Lenze durch Tänze,
niemand fand seine Grenze;
Die Scheide an der des Menschen Sinn überschnappt.
Wollen fliegen, doch sind vorm Schwindel nicht gefeit.
Einst hieltst du in der Reifezeit kaum einen Taumel fest,
erst heute er uns zweifeln lässt.
Bald zieht ein weiterer Lenz vorbei,
stößt Lawinen los, tritt Zweifel breit.
Findest du wohl zurück zum einstigen Schneid?
Macht sich aus der Intuition der Heiterkeit
die Institution des Zweifelns breit?
Es ist ein Schatten im Verstand, der in jedem von uns lebt!
Es ist mir als schluckte ich das heiße Gift der ewigen Qual,
Könnt besser kaum brennen, wir sind alle mortal.
Und zur letzten Stunde schluckt dich das Vergessen
und niemand erinnert sich an dich.
Hebst die Jugend auf ihren Throne,
sie hält den Zepter,
reichst du ihr die Krone?
Fortuna steh mir bei!

© Oliver W. Steinhäuser

Advertisements

Reisebericht aus „Sizilien“ Teil 2 – Selinunte – Marina di Ragusa – Catania – Ätna

Reiseführer_Sizilien_Reise Know-how_Reisebericht_Oliver Steinhäuser_BlogTeil 2 des Sizilien-Reiseberichts von Anne        (Teil 1 finden Sie hier)

Sizilien strotzt vor Ausgrabungsstätten. Die laut Reise-Know-How schönste und weitläufigste haben wir uns angesehen. Sie liegt in Selinunte und wurde aufgrund ihrer Weitläufigkeit zu einem Park erklärt. Wir teilen die Meinung der Reiseführerautoren und waren beeindruckt. Einige Säulen und Tempelteile einer griechischen Metropole wurden wieder aufgerichtet und restauriert. So erahnt man das Ausmaß, das diese historischen Bauten einst hatten. Im Park sind einige Ruinenfelder, deren Besichtigung lohnt. Einen halben Tag verbrachten wir dort, wanderten umher und lasen sitzend zwischen den alten Steinen die umfangreiche Geschichte zu den verschiedenen Tempeln und Befestigungsanlagen im Reiseführer.

SelinunteErice

 

 

 

 

 

 

 

 

Generell bietet Sizilien sehr viel Geschichtliches, dessen Entdeckung lohnt. Deshalb besuchten wir ein weiteres Highlight aus dem Reiseführer:
die auf einem Kalksteinfelsen in 751 Meter erbaute Stadt Èrice. Uns wurde nicht zu viel versprochen. Zunächst fuhren wir mit einer Seilbahn von Trapani aus direkt vor das Eingangstor des Städtchens. Während der Fahrt hat man einen wunderbares Panorama der Landschaft, des Meers und auf die Stadt Trapani mit seinen vielen Salinen. Wir waren wieder einmal froh, in der Nebensaison unterwegs zu sein. Nicht auszudenken wie voll es in dem kleinen Städtchen im Sommer sein muss. Wir genossen die mittelalterliche Kulisse beinahe alleine und deckten uns mit typischen Süßigkeiten von Èrice ein.

Unsere dritte Station zog uns weiter ganz in den Süden. Nach einer vierstündigen Fahrt entlang der Südküste, sind wir im Badeort Marina di Ragusa angekommen. Im Reisführer kommt dieses Örtchen nicht gut weg, da es im Sommer wahrscheinlich auch wirklich überfüllt ist. Es ist ein reiner Ferienort und bietet kaum Sehenswürdigkeiten. Perfekt also, um ein paar Sonnentage am Strand zu genießen. Den schönen und großen Stadtstrand, direkt neben Hafen, hatten wir fast für uns alleine. Und die Sonne gab ihr Bestes. Ragusa, die nächstgelegene größere Stadt, beeindruckt durch zwei Stadtkerne. Zum einen gibt es Ragusa Ibla, den verwinkelten Barockteil der Stadt und den modernen Teil, Ragusa Superiore, der systematisch und geometrisch angelegt ist. Beide Stadtteile sind über eine lange Treppe verbunden. Wieder waren wir beeindruckt von den engen Gassen, den kleinen alten Häuschen sowie den verschnörkelten Kirchen. Auch die Ansammlungen sizilianischer Männergrüppchen, die sich in Cafés oder auf Parkbänken zum Plausch treffen, sind einzigartig und durchbrechen mit Lebensfreude und Ausgelassenheit die Barriere zu unserem von Hektik geprägten Alltag.

Unsere letzte Station bezogen wir in der Nähe von Catania und des Vulkan Ätna, ohne dessen Bewunderung man Sizilien nicht wieder verlassen darf. Hier haben wir uns an einem Unterkunftstipp aus dem Reiseführer bedient und wurden nicht enttäuscht. Wir buchten einen Bungalow in Acireale auf einem Campingplatz „La Timpa“ der hoch über dem Meer war und man über einen Lift, der innerhalb der Felsen gebaut wurde, zum Wasser hinuntergelangen konnten. Das war wirklich etwas Neues. Da so wenig los war, bekamen wir den schönsten Bungalow inklusive eines atemberaubenden Ausblicks. Von hier aus unternahmen wir zwei Ausflüge: Zunächst fuhren wir nach Taormina und fanden zum ersten Mal die Touristenmassen, von denen die Autoren schreiben. Wie voll das wohl im Sommer sein mag wollten wir uns gar nicht erst vorstellen. Eine Seilbahn führt direkt von Mazzaro aus in das hoch über dem Meer gelegene Ortzentrum. Bekannt ist Taormina für sein griechisch-römisches Theater. Unglaublich, was die Menschen vor so langer Zeit geschaffen haben.
Das letzte Highlight auf unsere Reise war der Vulkan Ätna. Hierzu finden sich im Reiseführer sehr gute Tipps für Wanderungen und welche Möglichkeiten es für den Aufstieg auf den Vulkan gibt. Da uns die Auffahrt mit der Seilbahn zu teuer war, entschieden wir uns für eine panoramareiche Wanderung auf der Halbhöhe Taorminas mit Blick auf den Ätna, der immer wieder mit spuckenden Rauchwölkchen imponierte.

Schweren Herzens packten wir nach drei Wochen unsere Sachen und fuhren wieder zum Flughafen. Eine vollständige Umrundung der Insel haben wir nicht geschafft. Auch auf die liparischen Inseln, die im Reiseführer als besonders sehenswert beschrieben werden, hat es uns leider nicht mehr gereicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden!

Alles in Allem war uns der Reiseführer „Sizilien“ eine gute Hilfe. Er bot uns einen ersten Eindruck und Überblick zu den Regionen. Da er die ganze Insel abdeckt, ist er aber oft recht oberflächlich. Es gibt viele Informationen zur Geschichte, Gebäuden und Kirchen. Für uns war dies genau im richtigen Maß. Wer jedoch tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, benötigt auf jeden Fall ausführlicheres Material. Es gibt zahlreiche Tipps für Unterkünfte, Restaurants und praktische Informationen. Wir hätten uns manchmal mehr Hinweise für besondere Strände oder kleinere Wanderungen und Spaziergänge gewünscht. Wie auch im Reiseführer vermerkt, sollte man sich zum Wandern auf jeden Fall noch zusätzliche Wanderkarten oder Wanderführer besorgen. Als Reisezeit ist der Oktober für Sizilien wirklich toll. Es sind sehr wenige Touristen unterwegs. Menschenleere Strände und Wanderwege. Überall kann man gut parken und kommt bei Sehenswürdigkeiten ohne Schlange stehen hinein. Das Wetter war an der Nordküste wechselhaft und windig. Im Süden war es herrlich warm und sonnig. Sizilien ist ein wunderbares Reiseziel und es gibt hier noch vieles zum Entdecken. Wir kommen definitiv wieder.

Ein Reisebericht von Anne für den Buch- und Medienblog


Vorbereitung der Reise durch:
FriedrichKöthe & Daniela Schetar
Sizilien
ISBN 978-3-8317-2786-5

Reisebericht aus „Sizilien“ – Teil 1 – Cefalù – Palermo – Castellammare del Golfo

Allzu schnell gewöhnt der Mensch sich an Vertrautes. So auch bei den Reiseberichten vom Buch- und Medienblog.
„Da weiß man, was man bekommt“, sagen die einen. „Kaum Abwechslung“, wohl die anderen?

Damit nicht nur über kindgerechte und familientaugliche, bis ins Detail vorausgeplante Ausflüge auf dem Blog berichtet wird, gibt es nun einen Gastbeitrag von Anne.
Sie ist Spontanreisende und hat sich den Reiseführer „Sizilien“ vom Reise-Know-How Verlag für den Buch- und Medienblog angeschaut und mit ihm eine Rundreise auf Sizilien erlebt.

Teil 1       (Teil 2 erscheint in 14 Tagen, am 16. März 2018)


Reiseführer_Sizilien_Reise Know-how_Reisebericht_Oliver Steinhäuser_BlogErst zwei Wochen vor unserem Urlaubsbeginn legten wir uns auf das Reiseziel Sizilien fest. Wichtig bei der Entscheidung waren folgende Kriterien: ein paar warme Sonnenstrahlen, dass man wandern kann und die Anreise nicht allzu lange dauert.
Sizilien scheint all das zu erfüllen. Sonne, ein noch warmes Meer zum Baden, viele Berge und sogar ein Vulkan. Das großartige Essen nicht zu vergessen.

Als erstes buchten wir die Flüge nach Catania und einen Mietwagen, bevor wir uns anschließend grob überlegten, welche Route wir nehmen möchten. Der Reiseführer „Sizilien“ von Reise-Know-How half uns, einen ersten Überblick über die Insel zu erlangen. Die Übersichtskarte zu Beginn sowie die kurzen Zusammenfassungen am Anfang jedes Kapitels waren dabei sehr hilfreich. Die Unterteilung des Reiseführers in einzelne Streckenabschnitte führt zu einer ordentlichen Strukturierung, sodass der Reisende sich sehr gut und schnell zurechtfindet.
Der Abschluss unserer Reise sollte in Flughafennähe liegen, damit wir am Abreisetag nicht zusätzlich zum Rückflug nach Deutschland eine weite Anreise zum Flughafen mit dem Mietfahrzeug haben würden.
Daher entschieden wir uns, die Rundreise im Norden der Insel zu starten und mit etwa drei bis vier Stationen über den Süden wieder im Osten in der Nähe von Catania zu enden. Wir buchten nur die erste Unterkunft. Den Rest erledigten vor Ort. Da der Oktober zur Nachsaison in Sizilien gehört, war das kein Problem. So behielten wir den Wunsch nach Flexibilität bei und konnten an schönen Orten spontan länger bleiben.

Cefalù_Rocca di Cefalù_BurgfelsUnsere erste Unterkunft bezogen wir bei Cefalù, etwa 80km östlich von Palermo. Im Reiseführer sind Highlights mit einer gelben Hinterlegung markiert und wir entschieden uns für folgendes: ein wunderschönes Cottage außerhalb der Stadt. Erhöht auf einem Berg und mit einer tollen Aussicht auf das Meer und den berühmten Burgfels Rocca di Cefalù der Stadt. Wie im Reiseführer beschrieben, hat die Stadt einen besonderen Charme, der zum Schlendern durch die alten Gassen einlädt. Der farblich gekennzeichnete Tipp der Autoren zum Aufstieg auf den Felsen war super. Oben erwartete uns die Ruine einer Burg. Die Besteigung ist schweißtreibend, der Ausblick über die Stadt und das Meer ist jedoch fantastisch und die Mühen wert.

Vor Ort haben wir uns dann ausführlicher der Lektüre des Reiseführers „Sizilien“ gewidmet und uns einzelne Ausflugsziele, die wir von Cefalù aus machen konnten, ausgesucht. Dies waren zum einen ein Städtetrip nach Palermo, der Hauptstadt Siziliens, und eine Wanderung im Naturschutzgebiet der Madonie im Landesinneren. Einen Wandervorschlag gab der Reiseführer von Reise-Know-How nicht. Es empfiehlt sich vorzusorgen und einen zusätzlichen Wanderführer einzupacken. Bei strahlendem Wetter haben wir den zweithöchsten nichtvulkanischen Berg Siziliens, den Pizzo Carbonara (1979 m) bestiegen. Auf dem Weg zu Spitze entdeckten wir nur einige Meter entfernt eine Rehherde, deren Hirsche uns dank der einsetzenden Brunftzeit ein wunderbares Konzert boten. Wir trafen kaum einen Menschen während der Wanderung und hatten die wunderschöne, doch sehr grüne Landschaft für uns. Die Aussicht auf dem Gipfel war wunderschön und wir konnten in der Ferne Europas höchsten Vulkan, den Ätna bestaunen.
Ein weiteres Highlight bot uns Palermo. Mit dem Zug ging es von Cefalù direkt ins Zentrum. Der Reiseführer hat uns hier leider etwas enttäuscht. Auf der Umschlagklappe war von Spaziergängen durch Palermo die Sprache. Wirkliche Spaziervorschläge bzw. -strecken haben wir dann jedoch nicht gefunden. Alle wichtigen historischen Gebäuden, Kirchen, Tipps für Märkte waren beschrieben, aber die Orientierung ohne eine Skizze auf dem Stadtplan war uns zu kompliziert. Um uns nicht krampfhaft zu binden, ließen wir den Reiseführer außen vor und trieben ohne Unterstützung durch die Stadt. Da einige Straßen für Autos gesperrt sind, war das entspannt möglich. Entgegen den Ausführungen im Reiseführer, empfanden wir den Verkehr in Palermo nicht sonderlich chaotisch – sicherlich das Ergebnis der Nebensaison. Palermo hat seinen ganz eigenen Charme. Etwas morbide und heruntergekommen, fühlt man sich zum Teil hunderte Jahre zurückversetzt. Die alten historischen Gebäude und Marktstände in den engen Gassen sind herrlich anzuschauen. Und so viel Wäsche, die zwischen den Häusern hoch über dem Kopf in den Gassen hängt, haben wir noch nie gesehen.

Palermo_1Palermo_2

 

 

 

 

 

 

Auch das Baden kam in den ersten Tagen nicht zu knapp. Selbst im Oktober ist das Wasser noch warm und das allerschönste – man hat die Strände für sich alleine. Im Reiseführer haben wir einen „Geheimtipps für Strände/Buchten“ vermisst. Die regulären Strände sind genannt, darüber hinaus gibt es allerding wirklich zahlreiche und einzigartig schöne Strände, die keine Erwähnung finden. Deshalb recherchierten wir kurzerhand selbst und entdeckten nur 5 km von Cefalù sicher einen der schönsten Strände der Insel.

Unsere nächste Station war Castellammare del Golfo, nördlich von Parlemo. Hier bezogen wir eine Wohnung in der barocken Altstadt und konnten von unserer Dachterrasse einen kleinen Blick aufs Meer erhaschen. Das Wetter lud hier nicht zum Baden ein, weshalb wir viele Ausflüge in die Umgebung unternahmen. Ein Highlight, wie auch im Reiseführer ausführlich beschrieben, war eine Küstenwanderung im Naturpark Zingaro. Ein großer Spaziergang an Badebuchten vorbei und auf dessen Wegesrand können immer wieder kleine Museen besucht werden können, z.B. das Mueso Naturalistico über die Pflanzenwelt im Naturpark.

Der Reisebericht zu Sizilien wird am 16. März 2018 fortgesetzt.
Vorschau:
Selinunte – Marina di Ragusa – Catania – Ätna

Reisebericht vom Buch- und Medienblog_Stempel_Reisebericht_Oliver SteinhäuserEin Reisebericht von Anne für den Buch- und Medienblog


Vorbereitung der Reise durch:
FriedrichKöthe & Daniela Schetar
Sizilien
ISBN 978-3-8317-2786-5

Buch- und Medienblog im Interview mit Klett-Cotta

In der vergangenen Woche hatte der Buch- und Medienblog Besuch von Klett-Cotta. Im Gespräch erläuterte Oliver Steinhäuser die Besonderheiten der vier Krimis/Thriller „Die Fährte des Wolfes“, „Sie werden dich finden“, „Es klingelte an der Tür“ sowie „Helvetia 2.0“.

Ausführliche Buchbesprechungen zu den Titeln finden Sie hier:

Die Fährte des Wolfes

Sie werden dich finden

Es klingelte an der Tür

Helvetia 2.0

Aufgrund eines Wohnungsumzugs verabschiedet sich der Buch- und Medienblog vier Wochen lang in eine Umbaupause. Hier sieht am Ende aber alles aus wie immer!

Weiter geht es am 02. März  2018 mit einem Reisebericht aus Sizilien.

Lesebericht zu „Wer ist B. Traven?“

B_Traven_Torsten Seifert_Rezension_Buchblog_Oliver SteinhäuserOtto Feige, Ret Marut, Traven Torsvan und Hal Croves. All das sind Pseudonyme eines bis heute in Teilen nicht greifbaren deutschen Autors der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Seinen Wunsch nach Anonymität formulierte er selbst mit den Worten: „Wenn der Mensch in seinen Werken nicht zu erkennen ist, dann ist entweder der Mensch nichts wert oder seine Werke sind nichts wert.“

Torsten Seifert begibt sich in seinem Roman „Wer ist B. Traven“ auf die Suche nach Antworten und schickt seinen Protagonist, den Journalisten Leon Borenstein, auf die Reise nach Mexico. Dort soll er am Filmset zur Verfilmung von B. Travens „Der Schatz der Sierra Madre“ Informationen zur Identität Travens sammeln. Die Tarnung seiner Mission ist der erstmalige Auslandsaufenthalt des Schauspielers Humphrey Bogart, den Leon augenscheinlich journalistisch dokumentieren möchte. Doch anstatt sich unauffällig dem Vertreter B. Travens am Filmset zu nähern, verbringt Leon den Großteil seines Aufenthaltes in Mexico tatsächlich während etlicher Schachpartien mit dem Schauspieler Humphrey Bogart. Als er eines Morgens im Frühstückssaal des Hotels auf die hübsche Maria trifft, verliert der Journalist seinen Auftrag völlig aus den Augen.

Der Ehrgeiz, einem Phantom hinterherzujagen, erscheint Leon deutlich unspektakulärer, als sich mit der attraktiven und reizenden Maria durch den Tag treiben zu lassen. Er vernachlässigt den Auftrag seines Vorgesetzten, dem die Enttarnung B. Travens unter den Nägeln brennt. Er will, dass seine Zeitung durch die Demaskierung des Bestsellerautors Bekanntheit erringt. Doch Leon geht lieber privaten Vergnügungen nach. Als er nach einer aufregenden Nacht mit Maria erwacht, ist nicht nur sein Flirt, sondern auch all seine Rechercheunterlagen zu Traven verschwunden. Warum sabotiert Maria seine Suche?
Erst mit der Veröffentlichung des Kinofilms „Der Schatz der Sierra Madre“, keimt die Erinnerung an Leons Zeit in Mexiko wieder auf. Als ihm ein Brief von Maria zugestellt wird, kehrt er auf die Fährte B. Travens zurück. Denn auch ihr Interesse gilt Traven. Doch im Gegensatz zu den Traven-Anhängern, ist ihr Ziel die Wahrung seiner geheimen Identität.
Wie es der Zufall will, entsendet Leons Chef ihn für Recherchen nach Wien. Die Stadt, von der Maria in ihrem Brief behauptet, dass er dort weitere Informationen zu Traven fände. Die Stadt, die seine Euphorie nach B. Traven entfacht und dafür sorgt, dass erneut nach Mexico reist und sich an die Versen des persönlichen Vertreters von B. Traven heftet: Hal Croves. Dass Leon Borenstein und Hal Croves auf dieser Mexico Reise aufeinandertreffen und durch einen Unfall ins Gespräch kommen verrät der Buch- und Medienblog noch. Die Inhalte des Gesprächs während dieser offensichtlich ausweglosen Situation behalte ich aber für mich.

Wer ist B. Traven?
Torsten Seifert findet in seinem Roman einen Weg, der zielsicher auf eine Person hindeutet: Hal Croves, den Berater und Vertreter B. Travens. Er kennt alle Romandetails detailliert, delegiert die Anforderungen Travens so präzise wie kein anderer. Wer so viel über einen anderen Menschen und seine literarisch-künstlerische Welt weiß, macht sich verdächtig, eben dieser Mensch selbst zu sein.
Was aber macht Maria in Seiferts Roman? Warum verhindert sie die Enttarnung Travens durch das Verbreiten von Falschmeldungen über B. Traven?

Es ist die Sprunghaftigkeit Leon Borensteins, durch die der Roman so authentisch wird. Der junge Journalist kommt den Anweisungen seines Vorgesetzten anfangs nur zögerlich und leidenschaftslos nach; das weckt Empathie. Als er immer rasantere Details über Traven erfährt, erwacht Leons eigener Tatendrang und er bricht auf, um selbst das Geheimnis um den Bestsellerautor zu lüften. Mit einem Mal wird aus Aufdiktiertem Leidenschaft.

Torsten Seifert
Wer ist B. Traven?
ISBN: 978-3-608-50347-0

Lesebericht zu „Sarajevo Disco“ von David Gray

Sarajevo Disco_David Gray_Pendragon_Rezension_Oliver Steinhäuser_BuchblogDer Mord an einem hochrangigen Bandenmitglied in einer Hamburger Disco scheint der Auftakt zu einer erschreckenden Bandenrivalität im Hamburger Kiez zu sein. Als ein weiteres Mitglied einer rivalisierenden Bande brutal ermordet wird, ziehen der Leiter der Mordkommission Lewis Boyle und seine Mannschaft scheinbar logische Schlüsse:
Auf den ersten Mord folgte nun der Vergeltungsschlag.
Allerdings besteht Hamburg aus mehr als nur zwei kriminellen Banden. Die Polizei befürchtet, dass auch die Anführer der anderen kriminellen Vereinigungen auf der Abschussliste stehen. Doch wessen Liste wird in diesem Fall abgearbeitet, und wer ist der Kopf hinter dieser rücksichtslosen Aktion der Marktsäuberung?

David Gray verpasst dem deutschen Polizeiapparat einen US-amerikanischen Anstrich. Seine Figuren interagieren derb und nicht zimperlich, sodass man schnell vergessen könnte, dass der Kriminalroman in Hamburg, und nicht in Los Angeles spielt. Mit der Integration der Hamburger Straßensprache holt er seine Leser jedoch immer wieder zurück in die Hansestadt.
Gray zwängt seinen Protagonisten kein Korsett aus gespielter Intellektualität auf. Ebenso wenig vergibt er seinen Akteuren Vorbildfunktionen. Das empfindet der Leser anfangs als störend und ungeschliffen. Dahinter verbirgt sich jedoch genau jene Authentizität, die wir aufgrund erlernter Verhaltensmuster aus anderen und bekannteren Thriller verinnerlicht haben und uns über die „Sarajevo Disco“ deshalb zu Beginn fälschlicherweise ein voreiliges Urteil bilden.
Gray legt besonderen Fokus auf die Außergewöhnlichkeiten des Umfeldes seines Kommissars Lewis Boyle und der Polizisten Jale Arslan. Beide stammen aus einem sozial schwachen Umfeld. Wer Boyle aus dem Vorgängertitel „Kanakenblues“ kennt, weiß, dass er eine kriminelle Vergangenheit hat und zum Gangsterboss Teddy Armin eine seit Kindheitstagen andauernde Freundschaft pflegt. Als Ermittler kämpft er daher ständig gegen einen Generalverdacht.
Als die Ermittler auf die Spur einer völlig unbekannten Bande treffen, nimmt der Druck auf sie zu. Denn die mit Helmut-Kohl-Masken getarnten Männer drücken nicht nur Gratisdrogen auf den Markt, sondern sind auch diejenigen, die die Morde der getöteten Kiezgrößen zu verantworten haben. Wer steckt hinter diesem Arrangement? Ist es eine der bekannten Hamburger Banden, oder bemüht sich eine neue kriminelle Truppe um Marktanteile?

Zur ermittlungstechnischen Komplexität dieses Falls kämpft Lewis Boyle gegen politische Manöver des Polizeipräsidenten, des Hamburger Bürgermeisters sowie eines Senators, die ihre Gunst beim Volk nicht verwirken wollen. Während die „Bonzen“ des Präsidiums sich gegen eine öffentliche Warnung vor den tödlichen Gratisdrogen entscheiden und sich lediglich für eine Bandenrazzia aussprechen, muss Boyle sich die Frage stellen, ob er seinen Anweisungen nachkommt, oder seinem Gewissen nachgeht und die Öffentlichkeit vor der offensichtlichen Gefahr warnt. Mit dem unausweichlichen Ergebnis einer Suspendierung.

David Gray
Sarajevo Disco
ISBN: 978-3-86532-585-3

Lesebericht zu „Dunkels Gesetz“ von Sven Heuchert

Dunkels Gesetz_Sven Heuchert_Rezension von Oliver Steinhaeuser_Blog_Buchblog_KrimiAls Richard Dunkel den Auftrag zur Grundstücksbewachung annimmt, ahnt er nichts von den kriminellen Machenschaften des Tankstellenbesitzers Achim und seinen Freunden. Diese erhoffen sich durch den Einstieg in den Drogenhandel ein besseres und sorgenfreies Leben. Auch sie wollen ein Stück des riesigen Kuchens aus dreckigem Geld abbekommen und aus ihrem perspektivenlosen Dasein ausbrechen. Eine Existenz aus schlechter Laune, dem antipathischem Begehren einer Schutzbefohlenen und dem dummen Irrglaube an ein existenzsicheres Leben durch Drogenherstellung und -handel.


Wer sich diesen Kriminalroman zulegt, sollte unbedingt beachten, dass es sich um einen Krimi-Noir handelt!


Dunkel bezieht einen Campingwagen auf dem Gelände der stillgelegten Chemiefabrik. Von hier hat er den besten Blick über das abgesperrte Areal und gibt sich seiner Tätigkeit als Wachmann hin. Wesentlich ausgeprägter gibt er sich jedoch seiner Larmoyanz hin. Ein Grübeln über die alten Zeiten, als er noch Söldner war. Aus dieser Zeit verpasste er den Absprung ins Jetzt, sodass Gegenwart und Vergangenheit wie zwei Gewichte an ihm und seinem Gemüt zerren. Alkohol für seine einsamen Nächte kauft er in Achims Tankstelle. Dem wird er zunehmend ein Dorn im Auge, da Dunkel sich zunehmend für die Geschichte eines Jungen interessiert, dessen Todesumstände nie lückenlos aufgeklärt wurden. Weiterhin gefährdet Dunkels Neugier zunehmend die Drogenherstellung Achims und seiner Freunde.

„Dunkels Gesetz“ ist durch stumpfe und abgehakte Dialoge dominiert. Die dadurch erzeugte Gleichgültigkeit und Antriebslosigkeit der Charaktere ist typisch für einen „Krimi Noir“. Noir ist keine Genrekennzeichnung, sondern präzisiert die Art der Grundstimmung in einem Werk. Wie alle Romane oder Filme dieser Gattung, verträgt auch „Dunkels Gesetz“ keine Hektik, aufregende Verfolgungsjagden oder Schusswechsel. Dadurch ergibt sich für den Leser lediglich eine latente Wahrnehmung von Gewalt und Bedrohung.
Ein toter Junge – Ermittlungen eingestellt; eine saufende Alte – wir kennen sie kaum; Richard Dunkels traumatische Vergangenheit – wir erfahren nichts darüber; Achims neue Freundin – kommt irgendwoher aus der Stadt aber keiner kennt sie. Es ist frustrierend! Wenn man Detailreichtum gewohnt ist, macht das Fehlen von Hintergrundinformationen nervös. Doch das ist das Konzept: Absichtliche Informationslücken und dass das Unklare einfach ungeklärt bleibt.

Sven Heuchert
Dunkels Gesetz
ISBN-13 9783550081781