Lesebericht zu „Bretonischer Stolz“ von Jean-Luc Bannalec

Bretonscher Stolz-Jean-Luc-Bannalec-Kommissar Dupin-Buch-Blog-Oliver SteinhaeuserKommissar Dupins vierter Fall
Mit „Bretonischer Stolz“ erscheint ein Kriminalroman, der dem Leser Ruhe gönnt. Ihn, dank zweier Morde, in eine Welt aus Austern, Flut und Ebbe sowie einer reichen Flora und Fauna führt, in die man sich zunehmend hineinfühlt und sie in vollen Zügen genießt.

Madame Bandol stößt bei ihrem morgendlichen Spaziergang auf eine Leiche. Doch als Kommissar Georges Dupin zum Tatort gelangt, fehlt von dem toten Mann jede Spur. Bei seinen Ermittlungen stößt Dupin in den Hügeln der Mont d´Arrée auf eine weitere Leiche. Bald wird klar, dass die beiden Morde miteinander in Verbindung stehen müssen. Kommissar Dupin mobilisiert, zu den Polizisten vor Ort, sein gesamtes Team aus Concarneau, und richtet sich am Port Belon eine kleine Ermittlungszentrale ein. Zügig bestätigen seine Kollegen, dass es sich tatsächlich um zwei Tote handeln muss. Die beiden Schotten Mackenzie und Smith, die, aufgerüttelt durch ein Foto in einer schottischen Dudelsackzeitschrift, umgehend in die Bretagne gereist sind. Ein Foto, auf dem sie einen gemeinsamen, jahrelang totgeglaubten Bekannten wieder erkannt haben. Während Dupin sich allmählich den Zusammenhang zwischen diesem Zeitungsfoto und den jugendlichen Schandtaten der Schotten erschließt, wird für ihn klar, dass die beiden Männer auf einen alten Bekannten gestoßen sein müssen. Ein ehemals Vertrauter, der sich auf ihre Kosten ein neues Leben weitab der schottischen Justiz aufgebaut hat.
Durch die Untersuchungen der Polizei, erfahren wir sehr viel über das Leben und die Menschen in der Bretagne. Großartig detailreiche Ausführungen und Beschreibungen der bretonischen Vegetation, des Meeres, der Flüsse „Belon“ und „Aven“, die beide in den Atlantik münden, und dank der Tiden einen atemberaubenden Lebensraum zur Austernzucht ergeben. Darüber hinaus sind kulturelle bretonische Einflüsse auf angrenzende Länder ein großes Thema, da gerade die Schotten ein ebenso mächtiges keltisches Volk darstellen. Lokale und regionale Vereine der Bretonen und der Schotten stehen zur Wahrung der „Interceltisme“ in engem Kontakt.

Der Kriminalroman „Bretonischer Stolz“ verbindet historisch-mythische Ereignisse, kulturelle Bräuche und das dadurch geprägte Leben der Bretonen, mit dem Mord an zwei Schotten, und legitimiert somit eine facettenreiche und interkulturelle Ermittlung. Überwältigt von der Austernzucht und dem Leben in der Bretagne, öffne ich während des Rezensierens fortwährend meinen Browser, suche Routen nach Port Belon, recherchiere Flüge sowie Unterkünfte. Rieche dabei das Meer und das bretonische Aroma. Diese Eindrücke bleiben haften und erwecken Reiselust.


Oliver Steinhäuser, Buch, Blog, Literatur, LesenMotto des Buch- und Medienblog ist: „Du siehst, was du liest!“.
Und: „Bücher/Geschichten sind miteinander verbunden“. Jean-Luc Bannalec bestätigt genau das in seinem neuen Titel. Der Schauplatz wechselt in meinen Gedanken vom vorösterlichen Port Belon zur winterlich rauen Isle of Skye und der Stadt Portree in Schottland. Die Verbindung: Eisige Schwestern, ein in Mai 2015 veröffentlichter Psychothriller, der genau dort spielt. Es sind diese Brücken innerhalb verschiedener Geschichten, die das Lesen von Büchern so reizvoll gestalten. Die es schaffen, ganz persönliche Faszinationen auszulösen!


Jean-Luc Bannalec
Bretonischer Stolz
ISBN: 978-3-462-04813-1

 

 

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Lesebericht zu „Eisige Schwestern“ von S. K. Tremayne

Zwillinge, Eisige Schwestern, Schottland, BuchblogEineiige Zwillinge sind ein aufregendes Phänomen und bieten gerade in jungen Jahren oft Anlass zur Verwechslung. Machen sie sich einen Spaß darauß, ihre Identitäten zu vertauschen, um ihre Mitmenschen zu verwirren, kann es passieren, dass ihnen selbst die eigenen Eltern auf den Leim gehen. Doch welche schaurigen Auswirkungen hat es, wenn ein Ko-Zwilling ums Leben kommt, und die Familie den falschen Zwilling tot glaubt?

Lydia und Kirstie waren Zwillinge. Unzertrennlich. Nachdem Lydia einen Sturz vom Balkon nicht überlebte, entwickelt sich Kirstie zur Einzelgängerin. Kein Gleichaltriger möchte seine Zeit gemeinsam mit ihr verbringen. Und sie selbst sucht verzweifelt nach ihrer Schwester, die sie so sehr vermisst. Der Umzug von London, auf eine Privatinsel der schottischen Hebriden, soll den Start in ein neues Leben, fernab der tragischen Vergangenheit werden, und Kirstie ein Leben in neutraler Umgebung ermöglichen. Doch plötzlich eröffnete sie ihrer Mutter Sarah: „Ich bin nicht Kirstie! Ihr habt den falschen Zwilling beerdigt!“
S. K. Tremayne führt seine Leser in das winterlich dunkle, windig und kalte Schottland. Tage, die von Dunkelheit geprägt sind, bilden die Kulisse, in der die aus London zugezogene Familie ihr neues Leben zu starten versucht. Aufgrund der Enthüllung ihrer Tochter, sie sei der beerdigte Zwilling Lydia, richtet die Familie eine zweite Trauerfeier aus. Allerdings ergibt sich auch aus dieserm Abschied keine Ruhe vor den Umständen der Geschehnisse des Unfalls, im vergangenen Jahr. Mutter Sarah interpretiert die Aussagen und das merkwürdige Verhalten ihrer Tochter zum Nachteil ihres Mannes Angus und wirft ihm vor, seiner Tochter näher gekommen zu sein, als er es hätte tun dürfen.

Während das Ehepaar Moorcroft bis dahin verzweifelt versuchte, ihre wankende Liebe zu stützen und das gegenseitige Vertrauen neu zu ergründen, leitet Sarah mit diesen Vorwürfen ein Spiel ein, dass sie nicht unter Kontrolle zu bringen vermag. Ihre Beziehung wird zunehmend von Misstrauen bestimmt. Weder Angus noch Sarah zeigen ihre wahren Ansichten dem anderen Gegenüber.
S.K. Tremayne konstruiert in „Eisige Schwestern“ eine Familie, deren Gefühle und Umgang miteinander, mit dem rauhen schottischen Wetter korrespondiert. Der Buchtitel, das Wetter und die Gefühlswelten der Protagonisten ergeben ein perfektes Zusammenspiel: Eisige Kälte, schockierende Gedanken und schauererregende Szenen. Dadurch, dass Tremayne seine Charaktere kaum beschreibt, sondern sie aktiv handeln lässt (Show, don’t tell), präsentiert er, in Bezug auf die Gefühlsebene, sehr authentische Personen. Dank den detailliert ausgearbeiteten und authentischen Handlungen der Familie Moorcroft, kommt das Buch ohne ausschweifende optische Finesse in der Charaktergestaltung aus.

S. K. Tremayne
Eisige Schwestern
ISBN: 978-3-426-51635-5