Lesebericht zu „Böse Absichten“ von Keigo Higashino

Buchblog Oliver Steinhäuser, Keigo Higashino, Böse AbsichtenMuss ein Kriminalroman spannend und nervenaufreibend sein, um seine Leser in den Bann zu ziehen? Und welche Auswirkungen auf das Lesen hat es, wenn von den klassischen Zutaten eines Krimis rein gar nichts auf der Liste eines Autors steht? Keigo Higashino zeigt in seinem kürzlich erschienenen Kriminalroman „Böse Absichten“, wie genau das funktioniert. Wie er ohne wilde Perspektivwechsel, ohne diffuse Polizeiarbeit – und trotz des Verzichts auf klassische Instrumente zum Kriminalroman – ein durchweg spannendes und fesselndes Werk schreibt.

Kunihiko Hidaka, ein erfolgreicher japanischer Bestsellerautor wird, kurz bevor er auswandern möchte, ermordet in seinem Haus aufgefunden. Entdeckt haben ihn seine Frau Rie und der mäßig erfolgreiche Schriftstellerkollege und Freund Osamu Nonoguchi. Zunächst scheiden die beiden aus, da sie wasserdichte Alibis vorweisen können. Zudem fehlt augenscheinlich ein Motiv. Schnell steht für Kommissar Kaga jedoch der Mörder fest, und er begibt sich auf die Suche nach dem sehr gut getarnten Motiv. Ihn lässt dieser Fall nicht los, selbst das Geständnis des Mörders reicht ihm nicht aus. Kaga ermittelt beharrlich weiter, bis schließlich alle Bausteine zusammenpassen und die böse Absicht hinter der Tat erkennbar wird.
Obwohl dem Leser schon im ersten Viertel des Buches der Mörder präsentiert wird, muss er sich immer wieder fragen, ob das Geschehen wirklich so ablaufen konnte. Denn die Zusammenhänge stellen sich mehrfach als falsch heraus. In „Böse Absichten“ ist nichts vorhersehbar, und man tappt bis zuletzt immer wieder in die gedanklichen Fallen, die der Autor dem Leser stellt. Gezielt wird er in eine bestimmte Richtung geleitet und sorgt somit für eine logische Verknüpfung von Tat und Motiv des Täters. Just in dem Moment, in dem die eigenen Gedanken ein klares Bild zu ergeben scheinen, kommen neue Erkenntnisse hinzu, brechen alles erneut auseinander und schockieren, weil man ihnen einfach keinen Glauben schenken kann.

Keigo Higashino präsentiert einen Roman, in dessen Schwerpunkt die Ermittlung des Motivs steht. Er kommt dabei völlig ohne Emotionen und detailliert beschriebene Charaktere aus. „Böse Absichten“ ist ein Ermittlungsbericht, kein Buch. Hier ist Platz für eigene Gedanken. Raum für Überlegungen und Mutmaßungen. Es ist kein starres Korsett, in das der Autor seine Leser hineinzwängt. Immer wieder denkt man an Sherlock Holmes, der Schritt für Schritt jede Erkenntnis offenbart, sei sie noch so absurd und haltlos.
Das Buch ist in die Sichtweise des Mörders und in die Ermittlungserkenntnisse des Kommissar Karga gegliedert. Durch eine klare Gestaltung erkennt der Leser stets, in wessen Gedankenwelt er sich befindet.
Die gut verständliche Sprache Higashinos ermöglicht es, in den verworrenen Theorien des Motivs und des Tathergangs – die eine enorme Aufmerksamkeit fordern – den Faden nicht zu verlieren. „Böse Absichten“ ist ein mitreißender Kriminalroman, der besonders durch seine unerwarteten Wendungen und den Raum für eigene Hypothesen überrascht und fesselt.

Auch Aly vom Blog Magische Momente beschreibt das Werk sehr treffend als „ein unglaubliches Buch, voller überraschenden Wendungen und einer Handlung die wirklich sehr brillant aufgebaut ist“.

Keigo Higashino
Böse Absichten
ISBN: 978-3-608-98027-1

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2 Gedanken zu “Lesebericht zu „Böse Absichten“ von Keigo Higashino

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