Lesebericht zu „Schlusstakt“ von Arno Strobel

Gefahren der Casting-Shows, Buchblog, Oliver Steinhäuser, Schlusstakt, Arno StrobelWelchem Druck sind junge Menschen durch Casting-Shows ausgesetzt? Wie weit sind sie bereit zu gehen, um den ersehnten Ruhm zu erreichen, den ihnen solche Plattformen in der Öffentlichkeit versprechen?

Arno Strobel zeichnet ein erschreckendes Bild von Casting-Shows. Seine Show „Germany´s MegaStar“ ist eine verschärfte und ausbeuterische Weiterentwicklung aller bisher dagewesenen und vergleichbaren Shows. Im Gegensatz zu den konkurrierenden Formaten, sollen die Teilnehmer durch „Germany´s MegaStar“, das tatsächliche Leben eines Stars am eigenen Leib erfahren. Und das bedeutet neben Ruhm und Reichtum eben auch Stress, Konkurrenzkämpfe und Inszenierungen. Alles zum alleinigen Zweck, die Persönlichkeit eines jungen Menschen marktkonform zu vermarkten. Auch wenn das bedeutet, dass Schönheitsfehler – in „Schlusstakt“ auf Verhalten und Kleidungsstil bezogen – korrigiert werden, um scheinbar authentische Szenen drehen zu können. Worte werden den Teilnehmer in den Mund gelegt, im Anschluss aus dem Kontext gerissen und ausgestrahlt. Alles für den Showerfolg. Alles für die Quote. Authentizität sucht man bei „Germany´s MegaStar“ vergeblich.
Als plötzlich eine Teilnehmerin tot aufgefunden wird, verschärft sich das Leben auf der Insel und wird zu einer Phase in der zu den bestehenden Konkurrenzkämpfen Verdächtigungen und Vorverurteilungen hinzukommen. Und inmitten dieses Chaos, entdecken die Teilnehmer, dass sie nicht nur offiziell gefilmt und vertont werden, sondern dass die gesamte Insel mit versteckten Aufnahmegeräten und Kameras versehen ist.

„Schlusstakt“ erfüllt eine zielgruppengerechte und aufklärende Wirkung, konkretisiert Klischees und Vorurteile, die wir automatisch mit solchen Showformaten verbinden: Knebelverträge, Voyeurismus, das Leben auf einer phantastischen maledivischen Insel sowie sinnentstellende Zuschnitte der Filmaufnahmen. Man kann sich fragen, ob es notwendig ist, Gefahren von Casting-Shows in einer Story zu thematisieren, da es schließlich weitreichend bekannt ist, mit welchen Mitteln solche Sendungen arbeiten. Doch für die junge Zielgruppe bietet „Schlusstakt“ ein Werk, das sie nicht mit erhobenem Zeigefinger belehren möchte, sondern anhand einer Geschichte plausibel verdeutlicht, welche Auswirkungen solche Produktionen auf deren Teilnehmer haben können. Bezüglich der heimlichen Film- und Tonaufnahmen auf der Insel, schneidet das Buch am Rande auch Aspekte der Überwachung an. Wer dies vertiefen möchte, dem sei der Roman „Der Circle“, der das Thema allgegenwärtiger Transparenz behandelt, empfohlen.
Der auf der Insel begangene Mord dient dem Werk als Magnetpunkt, mit dessen Hilfe Arno Strobel seine Zielgruppe gewinnt. Die Klassifizierung als „Jugendthriller“ erzeugt meiner Ansicht nach allerdings eine zu hohe Spannungserwartung.


In „Denkanstoß: Persönlichkeitstransformation durch Casting-Shows“ erfahren Sie mehr zum Thema Casting-Shows und deren Gefahrenpotential für heranwachsende Menschen.


Arno Strobel
Schlusstakt
ISBN 978-3-7855-7865-0

Buchverlosung zum Welttag des Buches

blogger2015Unter dem Motto “ Blogger schenken Lesefreude“, verlost der Buch- und Medienblog heute, am Welttag des Buches, ein lesenswertes Werk.

 

Bücher sind ein wunderbares Medium, um junge Menschen mit lehrreichen Geschichten in ihrem Reifungsprozess zu unterstützen. Aus diesem Grund verlost der Buch- und Medienblog „Schlusstakt“ von Arno Strobel. Der Titel verdeutlicht anhand einer zielgruppengerechten Umgebung, in welche Strudel junge Menschen in unserer Leistungsgesellschaft geraten können.

Gefahren der Casting-Shows, Buchblog, Oliver Steinhäuser, Schlusstakt, Arno StrobelInformieren Sie sich unter „Persönlichkeitstransformationen durch Casting-Shows“ zu dem zentralen Thema des Buches.

Eine Rezension zu Schlusstakt finden Sie hier!

Die Teilnahme an der Verlosung des Jugendbuches erstreckt sich über eine Woche und endet am Donnerstag, den 30.04.2015. Zur Teilnahme, kommentieren Sie diesen Beitrag. Beachten Sie auch, dass nur Teilnehmer mit deutscher Postanschrift an der Verlosung teilnehmen können!
Der Gewinner wird in der ersten Mai-Woche per E-Mail informiert!

Viel Spaß und einen schönen Tag des Buches!
Oliver W. Steinhäuser

Denkanstoß: Persönlichkeitstransformation durch Casting-Shows

Gefahren der Casting-Shows, Buchblog, Oliver Steinhäuser, SchlusstaktWas Casting-Shows mit der Individualität ihrer Teilnehmer machen

Der neue Titel „Schlusstakt“ von Arno Strobel spricht in erfolgreichen Zeiten des „Bachelor“, „DSDS“, „Germanys next Topmodel“ usw. ein gesellschaftsrelevantes und spannendes Thema an. Was kann der Rezipient solchen Sendungen glauben? Was nicht? Gibt es überhaupt – zumindest sequenziell – eine glaubwürdige und realitätsgetreue Abbildung der Teilnehmer, oder gehen wir auf die für uns produzierten Wünsche und unserem ausgeprägten Voyeurismus auf den Leim?

Ich persönlich schaue keine Casting-Shows, da ich es nicht gut finde, Menschen anhand kurzer Bild- und Filmausschnitte zu bewerten. Solche Shows führen zu einer verzerrten Wahrnehmung von Individuen und können Charaktere vollkommen sinnentstellt präsentieren. Benötigt eine Casting-Show eine „Zicke“, werden durch die Produzenten ausschließlich diejenigen Ausschnitte öffentlich gezeigt, in denen diese Person sich streitet und unsozial verhält. Werden nun zusätzlich alle „normalen“ Situationen entfernt bzw. nicht ausgestrahlt, entsteht das Bild der „Zicke“ etc.
Durch das gezielte Auslassen von Filmsequenzen kann somit genau das Bild vermittelt werden, was der Zuschauer erwartet oder der Produzent gezielt verbreiten möchte.
Interessant bzw. Gefährlich dabei ist, dass durch diese Selektion jeder Teilnehmer zu einer völlig der Natur abweichenden Persönlichkeit geformt werden kann, ohne dass dies bei den Beteiligten sofort wahrgenommen wird, da sie zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht wissen, welche Sequenzen später in die Produktion einfließen. Ansprüche gegen die produzierte Sendung zu erheben ist letztendlich auch ausgeschlossen, da abgeschlossene Verträge zwischen den Vertragsparteien eine Ausstrahlung erlauben. Bei Abschluss eines Vertrages realisiert primär kein Teilnehmer, dass die von ihm getätigten Aufnahmen später komplett aus dem Kontext gerissen werden können, um eine Persönlichkeitstransformation vorzunehmen.

Die „Soul Beach“-Trilogie hat vor einiger Zeit schon deutlich gezeigt, welchem Druck junge Menschen durch solche Shows ausgesetzt sein können und wie sich dies auf das Leben der Angehörigen auswirken kann.

Casting-Shows sind ein hochaktuelles und starkes gesellschaftliches Phänomen, dem ich mich nicht aktiv anschließe.
Bücher darüber zu lesen und deren thematische Auseinandersetzung zu bewerten interessiert mich jedoch sehr stark. Ein Bericht zu „Schlusstakt“ folgt zeitnah.