Der Hobbit 3: Der Buch- und Medienblog im Kino

Hobbit 3_Oliver Steinhäuser_Die Schlacht der fünf HeereHeute Morgen war der Buch- und Medienblog in einer Sondervorstellung des dritten „Der Hobbit“-Films vom Regisseur Peter Jackson. „Die Schlacht der fünf Heere“ ist der letzte Teil der dreiteiligen Verfilmung des Romans „Der Hobbit“ von J. R. R. Tolkien aus dem Jahr 1937. Er ist die Fortsetzung von „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ und das Finale eines um die eigene Vorgeschichte erweiterten sechsteiligen „Herr der Ringe“-Epos.

J.R.R. Tolkien zum Lesen:
„Der Hobbit erscheint in Wolfgang Kregs Übersetzung von 1997 in der Hobbit-Presse bei Klett-Cotta sowie im Deutschen Taschenbuch-Verlag, der außerdem „Der kleine Hobbit“ anbietet, Walter Scherfs Ur-Übersetzung von 1957. Bei Klett-Cotta gibt es verschiedene Ausgaben des „Herrn der Ringe“, das „Silmarillion“, die Vorgeschichte zu beiden, sowie die „Nachrichten aus Mittelerde“.

J.R.R. Tolkien zum Nachverfolgen:
Klett-Cotta bietet umfangreiches Begleitmaterial an, etwa den Tolkien-Atlas „Frodos Reisen“, „Die Karte von Mittelerde“ und „Die Kunst des Hobbit“ mit allen Illustrationen, die Tolkien selbst angefertigt hat.

Lesebericht „Rückwärtssalto“ von Evi Simeoni

 Dieser Beitrag ist auch auf dem Klett-Cotta Blog veröffentlicht!

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Wie viel Gleichgültigkeit erträgt eine zarte, brüchige Kinderseele? Wie viel Schmerz können Eltern ihren Kindern auferlegen, bevor sie zerbrechen? Und wie starr verfallen heranwachsende Mädchen in die ihnen vordiktierten Verhaltensmuster?

Klappentext:
Die fünfzigjährige Designerin und ehemalige Turnerin Antonia erlebt die letzten neun Monate im Leben der Mutter: Viel zu wenig Zeit und trotzdem sind diese neun Monate für Mutter und Tochter auch eine Zeit der Gnade. Antonia ist ein außergewöhnlich begabtes Mädchen, das von seiner Mutter Elsa und dem Rest der Familie wenig Aufmerksamkeit bekommt. Je weniger Anerkennung sie in ihrer Familie findet, desto heftiger steigert sie ihre Anstrengungen, als Sportlerin Erfolg zu haben. Evi Simeonis zweiter Roman erzählt aber nicht nur von der späten Annäherung einer Tochter an ihre Mutter,sondern versucht auch zu ergründen, was der Spitzensport in den Seelen von Kindern anrichten kann.

Die späte Auseinandersetzung mit ihrer Mutter Elsa, versetzt die Protagonistin Antonia immer wieder zurück in ihre durch Ablehnung und Schikanen dominierte Kindheit. Während ihre Brüder stets in der Familie angesehen werden, sucht sie Zuwendung im Sport. Und bei ihrem Trainer. Sukzessive entfremdet sie sich somit schon im Kindesalter ihrer Familie und findet in ihrem Trainer seelische und körperliche Nähe. Im Gegensatz zu Antonias Familie, fasst er sie – während der Turnstunden – helfend an und führt.

Fließend entsteht jedoch der Übergang von unterstützenden Griffen, zu dominierenden und sexuell fordernden Händen. Zunehmend verschwimmt die Rolle des Trainers, hin zur neuen Bezugsperson für die unerfahrende Sportlerin Antonia, sodass dieser das Mädchen nicht nur während des Trainings führt, sondern ihr Leben schon bald unterwürfig bestimmt und gestaltet.

Während die junge Antonia schnellstmöglich erwachsen werden will, um ihrer gewalttätigen Familie zu entfliehen, fehlt ihr als Erwachsene nichts mehr, als ihr kindlicher Körper, der angenehm schön, zart und intensiv von ihrem Trainer geliebt wurde.

„Rückwärtssalto“ zeigt sehr plastisch, wie beeinflussbar junge Kinderseelen sind, wie stark sie sich mit bestehenden Umwelten und Beziehungskonstrukten identifizieren. Die Autorin Evi Simeoni skizziert diesen Prozess nicht nur, sondern malt dem Rezipienten ein klares, authentisches Bild davon, wie die als Kind falsch und missverstandene Liebe eine Persönlichkeit auf Lebenszeit formt. Evi Simeoni präsentiert einen Menschen, der durch frühkindliche Erfahrungen ein Leben lang geprägt ist und immer wieder erneut in die gleichen Strukturen verfällt.

Evi Simeoni
> Rückwärtssalto
1. Aufl. 2014, 272 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98014-1

Lesebericht „Der Fall“ von Gert Heidenreich

Dieser Beitrag ist auch auf dem Klett-Cotta Blog erschienen!

Blogschreiben ist ansteckend. Lesen auch, und „Der Fall“ allemal.

Wie ermittelt ein Mensch aus dem Jenseits? Können Tote bei der Aufklärung eines Mordfalls helfen? Frei von den sonstigen Zwängen haben sie eine viel besseren Überblick, können womöglich besser kombinieren, stehen im wahrsten Sinne des Wortes über den Dingen und können aufgrund ihres Abstandes zur Welt die Fakten unvoreingenommen kombinieren und das Rätsel lösen.

Die skurrile Idee, ein verstorbener Kriminaler könne seinen eigenen Mordfall aufdecken, erweckte meine sofortige Aufmerksamkeit. Die Geschichte wirft trotz Kennzeichnung als Kriminalroman die Frage nach dem Genre auf.

Klappentext: Der pensionierte Kriminalkommissar Alexander Swoboda will die Steilküste der Normandie malen. Da stürzt vor ihm ein Mensch von den 40 Meter hohen Klippen. Als Expolizist müsste er zu dem Toten gehen. Als Maler wendet er sich ab. Doch dann wird er selbst erschossen. Seine Pflicht endet damit nicht. Bloß – wie soll er aus dem Jenseits einen Mord aufklären?

Authentisch beschreibt Gert Heidenreich den Künstler Swoboda, der bei der Aufklärung der Morde schon mal gerne die Gesichter der Täter zeichnet. Sein ganzes Berufsleben wurde ständig durch die Kunst begleitet. Gerade im Ruhestand angekommen, kann er sich nun vollständig der Kunst widmen, sein plötzliches, eher zufälliges Ende durch die Kugel eines Mörders, trifft nicht sein Pflichtbewusstsein. Er lässt es durch diese neue Seinsform nicht nehmen, den Mord an sich selber aufzuklären. Man hat ja ein Berufsethos. Neben der Kunst und Kultur erfahren wir den Grund der Morde: Habgier, Geltungsdrang und Steuerbetrug einer ganzen Bande, die Gesellschaft der Trinker, auf höchst ausgeklügeltem Niveau.

Beim Lesen des Werkes erschließt sich dem Leser eine Welt, die nicht nur im Roman existiert, sondern unser tägliches Leben begleitet. Gert Heidenreich schafft durch den raffgierigen Steuerberater Rakowski eine Figur, an der dem Rezipient nur allzu gut deutlich wird, welchen extremen Wandel ein Mensch vollziehen kann, wenn er beginnt sich durch Reichtum und Arroganz zu definieren.

Grandios ist, mit welcher Leichtigkeit Gert Heidenreich dem Leser immer wieder die Augen öffnet. Während er den Leser in den meisten Episoden mitten im Geschehen verankert, involviert und Teil der Geschichte ist, entzieht Heidenreich ihn jedoch temporär aus der Geschichte und ermöglicht – fast unbemerkt – das Geschehende von außen zu betrachten, zu analysieren und zu reflektieren.

Möglich wird dies durch das Anwenden eines auktorialen Erzählers, der dem Leser nicht nur allwissend die Geschichte erzählt, sondern ihn nach „Shakespeare-Manier“ immer wieder persönlich anspricht. Dieser Stil erzeugt folglich nicht nur Zugang zu Informationen, sondern auch deren subjektive Wertung.

Ein wirklich gelungenes Buch, das zwischen dem Diesseits und dem Jenseits verbindet, ohne dabei unrealistisch zu werden. Gert Heidenreich schafft es, die reelle Welt und einen Ort, von dem keiner weiß ob er existiert in ein glaubwürdiges Zusammenspiel zu bringen.

Gert Heidenreich
Der Fall
1. Aufl. 2014, 319 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98019-6