Was unternimmst du, wenn diese umtriebige dumme Göre schon wieder einfach in deinem Zimmer war, ihre schmutzigen Miniröcke und High Heels achtlos vor deinen aufgeräumten Kleiderschrank geworfen hat? Was, wenn du einfach keine Erklärung für Dinge, die in deinem Leben passieren, hast? Wenn jeder dich argwöhnisch mustert und stets auf der Hut vor deinen plötzlich wechselnden Charakterzügen ist?
DU MACHST NICHTS. Denn du bist viele. Ihr seid viele. Doch das kleine Mädchen, das du einst warst, bist du schon lange nicht mehr. Du hast dich verkrochen und überlässt anderen Akteuren dein Leben. Und alles nur, um dich selbst zu schützen.
Scherbenkind ist ein Stuttgarter Kriminalroman, in dessen Vordergrund eine komplizierte Ermittlung steht. Der Dreh- und Angelpunkt der Ermittlung um einen erschlagenen Rockmusiker ist die Familie Lohmann, von deren Telefon vor einiger Zeit ein Kind ein Notruf bei der Seelsorge abgesetzt hat. Dieses Kind konnte im Zuge vorangegangener Ermittlungen jedoch nie gefunden werden, da in der Familie lediglich die Eltern und deren jugendliche Tochter wohnen. Doch genau diese Stimme ist es, die nun bei der Polizei anruft und Zeuge eines ungeklärten Mordfalls sein will. Doch wieder wird sie von einem jungen Mann vom Reden abgehalten. Er verbietet es ihr.
Kommissarin Verena Sander und ihr Team stochern im Trüben. Die einzige Verbindung zwischen der Familie Lohmann und dem ermordeten Rockmusiker ist, dass die Tochter Sina das Abschiedskonzert in der Mordnacht besuchte. Während Befragungen des Mädchens kommen den Kommissaren jedoch Zweifel an der Glaubwürdigkeit Sinas. Auch in ihrem Zimmer entdecken die Ermittler Anzeichen dafür, dass Sina mehr weiß, als sie zugibt. Dass es sich bei der Jugendlichen jedoch um eine schwer dissoziativ gestörte Persönlichkeit handelt erfährt Verena Sander erst, als sie ihre Freundin und Therapeutin Hannah mit involviert. Gemeinsam versuchen sie zu ergründen, was in der Nacht des Mordes wirklich passiert ist und welche der Persönlichkeiten in Sina etwas mitbekommen hat und seine Erfahrungen den beiden Frauen mitteilt.
Britt Reißmann legt mit „Scherbenkind“ ein Buch vor, dessen Ausmaß der Leser eine ganze Weile nicht zu ergründen vermag. Die Mischung aus Ermittlung und der dazu notwendigen Kenntnis zu multiplen Persönlichkeitsstörungen ermöglichen es dem Leser, sich nicht nur an vermeintlich gestörten Mädchen zu laben, sondern diese Störung zu verstehen. Durch die Protagonistin und Kommissarin Sander legt Reißmann großen Wert auf die Ursachen und die sukzessive Entstehung multiplen Verhaltens. Die Kulisse, die sie dazu wählt könnte nicht grauenhafter sein: Sina und viele weitere junge Mädchen sind Kinder von Mitgliedern einer satanistischen Vereinigung, die nach dem Grundsatz Aleister Crowleys leben: „Tu, was du willst, soll sein das ganze Gesetz.“ Und jeder in der Sekte Lebende hat Anspruch auf die in sie hineingeborenen Kinder.
Nichts also für schwache Nerven! Noch spannender wird die Geschichte, da sie vor der Haustür spielt, in Stuttgart und Umgebung. Gerade das Wiedererkennen von Schauplätzen steigert die Aufregung und Unfassbarkeit der Story zusätzlich.
„Scherbenkind“ ist ein sehr gut gelungener Kriminalroman, der seinen Leser gebannt in die Welt multipler Persönlichkeiten zieht. Dabei erschafft die Autorin nicht nur unglaubliche Bilder, sondern lässt uns an einem menschlichen Schutzmechanismus teilhaben, der sogar mit voller Absicht während der kindlichen Persönlichkeitsprägung „eingepflanzt“ werden kann.
Es ist bei weitem nicht alles gesagt, doch mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Kaufen und staunen!
Britt Reißmann arbeitet als Büroangestellte im Stuttgarter Morddezernat. „Jede Leichenmeldung geht über meinen Schreibtisch“, sagt Reißmann den Stuttgarter Nachrichten am 09.09.2016.
Britt Reißmann
Scherbenkind
ISBN: 978-3-453-35874-4

Was soll man dazu sagen: Ein bekannter Drehbuchautor wird am Tag seiner Hochzeit vergiftet und bricht auf dem Weg zum Traualtar in der Kirche zusammen und stirbt. Als Täter kommen drei Menschen aus seinem Umfeld in Frage. Jeder von ihnen hatte offensichtlich die Gelegenheit dazu sein Schnupfenmedikament durch eine Giftkapsel zu tauschen. Und jeder dieser Tatverdächtigen hat auch noch ein Motiv!
Die Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes entdeckt auf ihrem Friedhof ein ausgesetztes Baby. Von der Mutter fehlt jede Spur. Etwa zur gleichen Zeit wurde an der Bushaltestelle des Friedhofs eine junge Frauenleiche abgelegt. Ausgerechnet an dem Platz, an der Jahre zuvor eine junge Frau sich zur Prostitution anbot. Als schließlich der vermisste Friedhofswärter schwer verletzt aufgefunden wird, erwacht Gesines Ermittlertrieb erneut und sie muss hinter das Geheimnis des Findelkindes und der toten Frau kommen.
Ganz selbstverständlich steht der presseaffine Mensch heut zu Tage, im 21. Jahrhundert, vor einem Zeitungsregal, vergleicht die vielseitig und aufwändig gestalteten Titelblätter der Tagespresse und entscheidet sich für das interessanteste, informativste und dem investigativen Journalismus zugeordnete Zeitungsprodukt. Dass der Weg bis dahin sehr beschwerlich war, vergessen dabei viele. Allerdings ist die moderne Gesellschaft lange aus der Wiege der Presseprodukte herausgewachsen. Das einzige Monopol, Informationen über weltliches Geschehen aus den Tageszeitungen zu erfahren, ist durch das Zeitalter des Internets lange vorüber. Schnell fragt man sich, welchen Mehrwert die gedruckte Zeitung noch bietet, wenn alle darin befindlichen Informationen auch durch kostenfreie Internetangebote zugänglich gemacht werden?

Heute, am 23. Juli 2016 erscheint „Trügerisches Licht“ von Patrícia Melo
Wie viel Leid erträgst du, ohne selbst zum Monster zu werden? Kannst du gar zu einem Verhalten konditioniert werden, dass du dir selbst in deinen schlimmsten Träumen nicht vorzustellen vermagst? „Weißt du, wie man sich fühlt, wenn man einen Menschen tötet? Mächtig… stark… unvergleichlich. Niemand kann dir je wieder sagen, dass du nichts wert bist, denn in dem Augenblick weißt du, dass du wichtiger bist als Gott.“
Zwei Jugendliche treffen in ihrer trostlos heruntergekommenen Nachbarschaft aufeinander. Äußerlich betrachtet verbindet die beiden lediglich ihre Vaterlosigkeit und die Aussicht auf ein Leben im sozialen Brennpunkt. Während Dane ein ausgeklügeltes Schlitzohr ist, der Konflikte bevorzugt mit seinen Fäusten klärt und die Wahrheit als flexibles Konstrukt interpretiert, ist Billy D. eine treue und ehrliche Seele. Lügen kann er nicht. Und er versteht auch nicht, warum Menschen flunkern, hinterlistig und verdorben sind, denn Billy D. leidet unter dem Down-Syndrom und sieht die Welt aus vorurteilsfreieren, aufrichtigeren (und auch naiveren) Augen.
Zu wem wirst du, wenn dich ein schreckliches Ereignis komplett aus der Bahn wirft und dein altes Leben, ein Leben in Geborgenheit und im Glauben an das Gute im Mensch, nie mehr so sein wird, wie es war. Was machst du? Du, das 18-jährige Mädchen, das sich seit dem schlimmen Ereignis damals im Wald in sich verkriecht, versuch neu zu starten und – getrieben von wiederkehrenden Zweifelsmomenten – all seine Vorhaben verwirft, weil das stete Wandern ihrer Gedanken auf dem Grat zwischen Leben und Tod ihr Lebenskonzept durcheinanderbringen.
Wer schreibt ein Buch über sein stürmisches Leben? Beschreibt darin, wie ein geregeltes und geplantes Leben als Theologin während des Studiums aus dem Ruder läuft und in einem sodamasochistischen Etablissement sein unwiderruflichen Wendepunkt findet. Es ist die Geschichte der jungen Studentin Cara, die in der Hoffnung auf ein gottesfürchtiges Leben unter die Räder des körperlichen Verlangens und einem damit verbundenen extatischen Kontrollverlust gerät. Es sind die Memoiren einer juristisch nie belangten Frau, die ihre Erfahrungen und Ängste textlich verarbeitet hat und die in „Das Ende der Schuld“ ihren Abschluss finden.