Textbeitrag des Buch- und Medienblog zum Gewinnspiel „Willkomme in Nightvale“
Für Kenner und Liebhaber des Titels

Wer bin ich?
Gemütlich sitzen sie im Big Ricco´s Pizza. Den runden Tisch hat er sich ausgesucht, damit alle daran ansitzen können.
„Wenn Sie sich anhand eines Möbelstücks beschreiben sollen, welches würden Sie auswählen, um ihre Persönlichkeit zu verdeutlichen?“, fragte ihn der erfahrene Mann damals. Zur Antwort wählte er den Tisch. Rund muss er sein. Denn nur so passen viele Menschen daran. Gemütlichkeit, Gastfreundschaft und Zusammenhalt prägen einen guten Tisch. Und ihn selbst. Wer er ist weiß man nicht. Nur, dass er schlecht sitzen kann.
So sitzen Jackie, Lucinda, Diane und Troy zusammen und warten auf die heiß ersehnte glutenfreie Pizza. Er selbst hängt mehr als dass er sitzt. Ricco hatte es geschafft seine Rezeptur anzupassen und auf das verbotene Weizenmehl zu verzichten. Bei ausgezeichnetem Geschmack.
Wir sehen die uns bekannten Akteure. Und ihn, den uns Unbekannten.
Heiß dampfend serviert Ricco seinen Gästen die bestellte Riesenpizza. Gierig schnappen sie zu, zerteilen die Stücke und führen sie ihren lüsternen Schlünden zu. Ein grausamer Schrei zerschneidet die von italienischen Gewürzen und gebackenem Käse dominierte Luft. Markerschütternde Töne kreischen durch das Restaurant und lassen es erzittern. Die Schwere von Eisen entfaltet sich und bahnt sich unaufhaltsam ihren Weg in die Bronchien der Freunde. Fontänen aus roter Tomatensoße wandeln sich in dickflüssige Sturzbäche aus rotem Blut, das schwallartig aus der Pizza strömt. Rote Wasserfälle preschen über die dunkle Tischkante, schlagen hart auf dem Fußboden auf. Fein zerstäubter Nebel steigt in Schwaden auf und legt sich über die Szenerie. Lange fingerähnliche Fäden sprießen aus dem Mais, krallen sich in die Tischplatte, wedeln herum und suchen verzweifelt nach Halt. Sie packen Diane´s Schultern und rütteln sie. Entsetzt schaut sie auf den Tisch. „Josh! Oh mein Gott, Junge.“ Ihr Sohn liegt blutend auf dem Tisch vor ihr. Reste von Salami und Mais kleben ihm an den Schultern und zeugen davon, dass er sich wieder einmal verwandelt hat. Unbemerkt. Kälte umgibt die junge Mutter. Ihr Herz türmt sich auf, versucht zu fliehen und fleht in ihrer Brust nach Gnade. Beunruhigt drückt es gegen seinen Käfig aus Rippen. Doch ihr Sohn ist wieder verschwunden. Übrig bleibt nur die eisige, labbrige Pizza.
Krachend fliegt die Schwingtür zur Küche auf. Heller Schein brandet aus ihr hervor und verwehrt jegliche Sicht. Staub wirbelt vom Boden auf und hüllt die aus dem gleißenden Lichtschein tretende Silhouette in ein graues Gewand.
„Ich weiß wer ich sein möchte, und was ich machen möchte, Mama. Ich werde Pizzabäcker.“ Erleichtert schauen Jackie, Lucinda und Troy auf. „Er lebt“, seufzen sie im Chor. Seine Mutter Diane springt auf und umarmt ihn freudig. „Danke Josh, du hast uns einen riesen Schock bereitet. Doch du weißt nun wer du sein möchtest und wie du fortan in Erscheinung trittst. Ich bin stolz auf dich!“
„Ich habe alles gesehen, was ich erfahren muss!“, posaunt der uns Unbekannte. „Ihre Pizza hat alles, was sie haben muss. Und ihr fehlt sämtliches, was sie nicht haben darf. Sie blutet, sie schreit und schnappt. Sie ist Weizenfrei. So muss Pizza sein! Ich komme aus Glutenville und leite das staatliche Gesundheitsamt.“ Mit einem Knicks und den Worten „Mein Name ist Mr. Zöliakie und ich wünsche ihnen alles Gute“ verpufft er im Nichts. Einem Nichts, das Alles ist. Und allem, das nichts ist. Denn Nichts ist nur die Abwesenheit von Etwas.
Wer ist eigentlich dieser Mr. Zöliakie?
Falsch: Ein Flugfuchs isst Gurken und Honigmelonen.
Richtig: Mr. Zöliakie isst eine als Gurke und Honigmelone getarnte glutenfreie Pizza.
Klar, dass er mehr am Tisch hängt und nicht sitzt. Würde ich auch so machen!
Hier geht es zm Buch
Joseph Fink & Jeffrey Cranor
ISBN: 978-3-608-96137-9
Wie viel Leid erträgst du, ohne selbst zum Monster zu werden? Kannst du gar zu einem Verhalten konditioniert werden, dass du dir selbst in deinen schlimmsten Träumen nicht vorzustellen vermagst? „Weißt du, wie man sich fühlt, wenn man einen Menschen tötet? Mächtig… stark… unvergleichlich. Niemand kann dir je wieder sagen, dass du nichts wert bist, denn in dem Augenblick weißt du, dass du wichtiger bist als Gott.“
22.06.2016. Nach über einem Jahr Pause ist es wieder soweit. Der Buch- und Medienblog schreibt erneut Gastbeiträge für den
Zwei Jugendliche treffen in ihrer trostlos heruntergekommenen Nachbarschaft aufeinander. Äußerlich betrachtet verbindet die beiden lediglich ihre Vaterlosigkeit und die Aussicht auf ein Leben im sozialen Brennpunkt. Während Dane ein ausgeklügeltes Schlitzohr ist, der Konflikte bevorzugt mit seinen Fäusten klärt und die Wahrheit als flexibles Konstrukt interpretiert, ist Billy D. eine treue und ehrliche Seele. Lügen kann er nicht. Und er versteht auch nicht, warum Menschen flunkern, hinterlistig und verdorben sind, denn Billy D. leidet unter dem Down-Syndrom und sieht die Welt aus vorurteilsfreieren, aufrichtigeren (und auch naiveren) Augen.
Zu wem wirst du, wenn dich ein schreckliches Ereignis komplett aus der Bahn wirft und dein altes Leben, ein Leben in Geborgenheit und im Glauben an das Gute im Mensch, nie mehr so sein wird, wie es war. Was machst du? Du, das 18-jährige Mädchen, das sich seit dem schlimmen Ereignis damals im Wald in sich verkriecht, versuch neu zu starten und – getrieben von wiederkehrenden Zweifelsmomenten – all seine Vorhaben verwirft, weil das stete Wandern ihrer Gedanken auf dem Grat zwischen Leben und Tod ihr Lebenskonzept durcheinanderbringen.
Wer schreibt ein Buch über sein stürmisches Leben? Beschreibt darin, wie ein geregeltes und geplantes Leben als Theologin während des Studiums aus dem Ruder läuft und in einem sodamasochistischen Etablissement sein unwiderruflichen Wendepunkt findet. Es ist die Geschichte der jungen Studentin Cara, die in der Hoffnung auf ein gottesfürchtiges Leben unter die Räder des körperlichen Verlangens und einem damit verbundenen extatischen Kontrollverlust gerät. Es sind die Memoiren einer juristisch nie belangten Frau, die ihre Erfahrungen und Ängste textlich verarbeitet hat und die in „Das Ende der Schuld“ ihren Abschluss finden.
Da ist er wieder und flimmert über die imaginäre schwarz-weiße Mattscheibe. Erneut darf der Leser seinen liebgewonnenen Olav, Ulf oder wie immer er sich selbst gerade nennt, beobachten. Ihm zuschauen wie er sich in seiner Naivität um Kopf und Kragen redet und seiner Umwelt oft schutzlos ausgeliefert ist. Und das obwohl er ein gesuchter Auftragskiller ist.


Drei Männer treffen auf der Suche nach einem Schlafplatz in einem Wirtshaus aufeinander. Während zwei der Männer um einen Schlafplatz suchen, hegt der Dritte ein Verbrechen. Er hat es auf das Vermögen des Pflanzers Clemens Musgrove und des Räuberhäuptlings Jamie Lockhart abgesehen.