Online-Talk zu TTIP mit Thilo Bode

TTIP, Buch- und Medienblog, Oliver SteinhäuserHeute Abend (09.06.2015) macht Thilo Bode, der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch, im Online-Talk mit Albert Duin (Landesvorsitzender der FDP Bayern) und Sebastian Matthes (Huffington Post) deutlich, was wir uns mit TTIP wirklich einhandeln.
Von 19.00-20.00 Uhr können Sie das Gespräch live im Internet verfolgen und über die Fragen-Box selbst mitdiskutieren. Auf litlounge.tv finden Sie den Live-Stream, können sich anmelden und über ein Eingabefeld Ihre Fragen ins Studio schicken. Sebastian Matthes wird sie dann in Ihrem Namen stellen.

Für weitere Informationen, lesen Sie meine Besprechung zu seinem Buch „TTIP – Die Freihandelslüge“.

Die Frage/Kommentar des Buch- und Medienblogs an Bode:
„Tierschutz, Verbraucherschutz und Ernährung bilden Kernthemen in „Die Freihandelslüge“. Alle drei sind Aspekte unserer Identität und Kultur.
Warum findet die deutsche Buchbranche mit ihrem besonders geschützten „Kulturgut Buch“ in Ihrem Werk keinerlei Erwähnung. In letzter Konsequenz hätte meiner Einschätzung nach gerade dieser Punkt Augen öffnen können. Denn unsere Gesellschaft schätzt die derzeitige literarische Vielfalt sehr, und würde unter TTIP leiden, da es die Buchpreisbindung zerstören und somit Dumpingpreise erzeugen würde. Dies impliziert wiederum einen Abfall von qualitativ hochwertigen Inhalten.“

Lesebericht zu „Das Büro der einsamen Toten“ von Britta Bolt

Rezension Oliver Steinhäuser, Amsterdam, Büro der einsamen Toten, GrachtenAmsterdam, die Stadt der Kuriositäten wird Schauplatz einer leger lässigen Geschichte. Wie kann es da anders sein, als dass der strafversetzte Pieter Posthumus im Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen arbeitet und mit seiner euphorischen Genauigkeit jedes Detail der unbekannt verstorbenen Menschen unter die Lupe nimmt?

Eines Morgens wird ein Mann, gekleidet mit einer traditionellen Djellaba, in einer Gracht aufgefunden. Ertrunken. Die Identität des Toten ist zunächst unbekannt und die Polizei schließt Fremdverschulden aus. Daher landet der Fall im Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen, wo Pieter Posthumus sich diesem annimmt. Als er sich gemeinsam mit seinem Kollegen in der Wohnung des Toten umsieht, um Hinweise auf dessen Identität zu finden sowie eine Bestandaufnahme seines Nachlasses zu ermitteln, wird er von einem Stromschlag aus einem Teaser außer Gefecht gesetzt. Jeder andere würde sich davon einschüchtern lassen, oder zumindest vorsichtiger vorgehen. Nicht jedoch PP – wie er von seinen Freunden genannt wird. Seine Neugier wird von dieser Tat geradezu beflügelt und sein detektivischer Trieb geweckt.
Während Pieter Posthumus seinen Untersuchungen nachgeht, ermittelt parallel der niederländische Staatsschutz, um die unter Terrorverdacht stehende „Amsterdamer Zelle“ dingfest zu machen. Dabei wechselt sich die Betrachtung der beiden Erzählstränge ab, sodass der Leser die Zusammenhänge kennt, die Posthumus verborgen bleiben.

Man könnte meinen, PP sei ein kleinlicher Mensch, der seinen Mitmenschen die Arbeit erschwert, da er immer mehr wissen möchte, als es für den jeweiligen „Fall“ notwendig wäre. Er ist ein echter Amsterdamer, denn das ist es, was den Charme dieser Stadt und ihrer Menschen ausmacht. Sie sind keinesfalls kleinlich, sondern eher sehr detailverliebt. Sie interessieren sich für ihre Umgebung nicht nur oberflächlich. Sie sind wirklich an individuellen Geschichten und Bekanntschaften interessiert, denn im Gegensatz zu unserer deutschen Stressmentalität, nimmt man sich in Amsterdam Zeit für Fremde. „Amsterdam, dieses merkwürdige Spinnennetz von einer Stadt, hatte die Eigenschaft, seine Form zu wechseln, je nach Standort – wie ein Kaleidoskop, dessen Muster sich durch leichtes Schütteln veränderte“ (S.45). Hier ist man aufgeschlossen und unbekümmert. Und Zeit hat man in der Regel auch fast immer. Denn man nimmt sie sich!

„Das Büro der einsamen Toten“ ist trotz der Verarbeitung terroristischer Aspekte ein wunderbar leichter Roman, der es schafft, den Rezipienten in die merkwürdige Welt des Pieter Posthumus zu entführen. Eine Welt, in der zwischen Terrorismus, Unheil, Zeitmangel und Erfolgsdruck eben doch noch Zeit bleibt, sich um Menschen zu kümmern, deren Schicksal es ist, von der Gesellschaft völlig ungeachtet gewesen zu sein. Für PP ist sein Job eher eine Mission, bei der es irrelevant ist, ob er eine Beerdigung ohne Publikum organisiert, weil es keinerlei Verwandte gibt, oder ob er für ausgekundschaftete Hinterbliebene Seelsorge betreibt.Stadtplan Amsterdam2Das Vor- und Nachsatzpapier bilden jeweils den Stadtplan des Amsterdamer Zentrums ab. Dies ist besonders spannend, da der Leser die Wege der Protagonisten verfolgen kann und das Bild der Stadt Amsterdam sich ihm anschaulich einprägt.

Britta Bold
Das Büro der einsamen Toten
ISBN: 978-3-455-40528-6

Lesebericht zu „Janusmond“ von Mia Winter

Mia Winter, Janusmond, Zwillinge, Oliver Steinhäuser, BuchblogEinzigartige Verbindungen sagt man ihnen nach. Dass sie einander oft näher stehen, als es ihnen selbst und außenstehenden bewusst ist. Familiäre Nähe und Vertrautheit in der eigenen Verwandtschaft ist oft ein besonderes Gut und hilft bei der Identifikation seiner selbst. Doch wie weit würdest du gehen, um deiner Schwester zu zeigen, wie stark du sie liebst? Und wie bringst du es ihr bei, dass du mehr für sie empfindest, als es je ein anderer Mann in ihrem Leben tun wird. Wen wird es zerstören, wenn du dich deinen Fanatismus zu ihr gegenüberstellst? Sie, oder dich?

Klappentext:
Die französische Stadt Louisson leidet unter der Hexenhitze, als der Deutsche Leon Bernberg dort auftaucht, um nach seiner Zwillingsschwester Lune zu suchen. Diese hat vor zehn Jahren hier gelebt – und verschwand damals spurlos. Leon will sie nun offiziell für tot erklären lassen und bittet den Polizisten Christian Mirambeau um Hilfe. Doch durch Leons Erzählungen gerät auch Christian in den Bann der verschwundenen Fremden. Er beginnt Nachforschungen in dem Fall anzustellen – nicht ahnend, dass er damit sein eigenes Glück bereits verspielt hat …

Mia Winter teilt ihr Buch „Janusmond“ in zwei Erzählstränge. Leons Suche nach seiner Schwester beschreibt die aktuellen Vorkommnisse. Der zweite Handlungsstrang besteht aus einer Briefsammlung, die Lune ihrem Bruder aus Louisson geschrieben hat, bis zu dem Tag als sie verschwand. In ihren Briefen erzählt Lune von ihrem Leben in der Stadt, weit weg von ihrem zu Hause. Fernab der Familie, die in ihr das personifizierte Böse sieht. Sie trägt eine ausgeprägte dunkle Seite in sich, der auch all jene verfallen, die mit ihr im engeren Kontakt stehen, denn ihr Spiel mit Reizen und Macht, treibt andere zu dunklen Versuchungen an.
Der Leser wird in eine finstere Welt aus Lüge, Verzweiflung, Intrige und Sehnsucht gezogen, die auch in ihm die Frage nach seiner zweiten Seite aufwirft.
Zu Beginn des Buches geht man davon aus, dass es Leons Geschichte ist, der man Glauben schenken kann. Doch zunehmend verstrickt auch er sich in perfide Handlungen und Gedanken, sodass im Verlauf des Buches berechtigte Zweifel an der Echtheit seiner Geschichte entstehen.

Eine düstere Aura umgibt die gesamte Geschichte, die es dem Rezipient ermöglicht, etwas über die tiefen Abgründe der menschlichen Seele zu erfahren und in fremde und skurrile Welten Eintritt zu erhalten.
Ein schwarzer Buchschnitt unterstreicht in „Janusmond“ die Story. Die äußere Wirkung des Buches bildet die Brücke zwischen Fantasie und der visuellen und haptischen Welt.

Mia Winter
Janusmond
ISBN 978-3-8025-9790-9

Vorfreude auf dem Buch- und Medienblog

Auf diese Titel freut sich der Buch- und Medienblog in den kommenden Wochen besonders:

Vom Jugendbuch zum Roman und vom Kriminalroman schließlich zum Psychothriller. Es ist für alle Genres etwas Aufregendes und Interessantes mit dabei!

Buchblog, Neue BücherBöse Absichten – Keigo Higashino
Das Büro der einsamen Toten – Britta Bolt
Dope – Sara Gran
Eisige Schwestern – S.K. Tremayne
Janusmond – Mia Winter
Lügenmädchen – Luana Lewis

Haben auch Sie eines oder mehrere dieser Bücher auf Ihrer Leseliste für die kommenden Wochen/Monate?
Interessiert Sie einer dieser Titel besonders stark und soll von mir bevorzugt besprochen werden? Kommentieren Sie dazu gerne diesen Beitrag!

Lesebericht zu „Der Sohn“ von Jo Nesbø

Der Sohn-Jo Nesbo-Buchblog-Oliver SteinhäuserZu welchen Taten kann uns das Lüften eines Geheimnisses beflügeln? Was sind wir imstande zu tun, wenn wir erfahren, dass das eigene Leben auf einer Lüge aufbaut. Und warum lässt diese innere Zerrissenheit zu, dass wir Mord als eine Option der Rache sehen, und wir mit einem kaltblütigen Mörder sympathisieren?

Sonny, dessen Vater scheinbar ein korrupter Maulwurf bei der Polizei war, der sich durch Selbstmord seiner Verantwortung entzog, sitzt seit seinem 18. Lebensjahr im Gefängnis. Für Morde, die er nicht begangen hat. Seine Drogenabhängigkeit führt dazu, dass er auch weitere Delikte auf sich nimmt. Denn im Gegenzug erhält er, im Wissen der Gefängnisdirektion, Drogen. Als Sonny eines Tages erfährt, dass sein Vater weder korrupt war, noch Selbstmord begangen hat, will er Rache. Er bricht aus dem Gefängnis aus und begibt sich auf einen Rachefeldzug, bei dem er alle töten will, die mit dem Tod seines Vaters zu tun hatten und weitere unschuldige Menschen umgebracht haben.

Jo Nesbø kritisiert in seinem Thriller korrupte Verwicklungen der Politik und der organisierten Kriminalität mit bestechbaren Behörden des Vollzugs sowie den Drogen- und Menschenhandel.
Er beschränkt sich in der detaillierten Ausführung seiner zahlreichen Charaktere nicht nur auf die echten Protagonisten. Durch die Sorgfalt in der Beschreibung, erhält der Rezipient ein scharfes Bild aller beteiligten Personen. Dies führt dazu, dass es scheinbar keine Randdarsteller in „Der Sohn“ gibt, da man stets das Gefühl hat, jede einzelne Rolle vollständig zu kennen. Diesen Effekt erzeugt Nesbø durch die aufregende Betrachtung des „Sohnes“ Sonny, aus der Sicht der direkt beteiligten Menschen. Jede neue Persönlichkeit wird stets durch die Betrachtung Sonnys und seine Handlungen integriert und führt dazu, dass wir die Motive des Mannes besser verstehen. Diese Art der Betrachtung erlaubt es dem Leser weiterhin, die Person, die Sonnys Handeln sequenziell betrachtet, aus einer inneren Ansicht kennenzulernen. Eine Betrachtung durch den allwissenden Erzähler entfällt. Die Spannung steigt.
Als sich die Situation zuspitzt, nehmen die Alleingänge von Kommissar Simon Überhand. Er bemerkt Beweise, die kein anderer Polizist wahrnimmt, behält sie für sich und geht im Alleingang auf die Suche nach dem rachesüchtigen Sonny, dessen Mission die Eliminierung des wahren Maulwurfs ist. Simon findet Sonny, denn sie verbindet etwas: Er war der beste Freund seines verstorbenen Vaters Ab Lofthus. Simons Job wäre es, Sonny den Behörden auszuliefern, um ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen. Stattdessen hilft er dem jungen Mörder, seinen Rachefeldzug erfolgreich zu beenden, denn auch Simon verbirgt ein dunkles Geheimnis, dem er nicht mehr länger gegenüberstehen kann.

Zwischen all diesem knallharten Stoff, ist es Sonny Lofthus, dem der Rezipient eine sehr starke Sympathie entgegenbringt. Er leidet mit seiner auf Lügen gebauten Vergangenheit, trauert um seine verpassten Chancen und hofft insgeheim, dass der junge Mann sein Ziel erreicht und der Geschichte ohne Blessuren und wohlauf entfliehen kann. Der Umstand, dass er sich in seiner Naivität in die junge Martha verliebt, ist die Krönung der Geschichte, denn die Frau ist der rettende Treibstoff, als Sonnys Motor zu stottern beginnt.

„Der Sohn“ ist eine wahnsinnig mitreißende Geschichte, die durch die Themenauswahl, als auch die kraftvoll beschriebenen Charaktere, ihre Einmaligkeit entfaltet. Beobachtet der Leser Kommissar Simon aufmerksam, fällt ihm auf, dass seine Art der Betrachtung von Situationen, sich sehr prägend auf das gesamte Buch niederschlägt. Denn Simon wechselt stets den Blickwinkel während seiner Analyse eines Tatortes, sieht immer etwas mehr als andere. Genau wie der Leser dank der Betrachtung Sonnys durch andere, immer eine Nuance mehr über den jungen Mann weiß und somit ein sehr scharfes Bild seiner Umstände entsteht.

Jo Nesbø
Der Sohn
gebunden mit Schutzumschlag
ISBN-13 9783550080449

Lesebericht zu „Schlusstakt“ von Arno Strobel

Gefahren der Casting-Shows, Buchblog, Oliver Steinhäuser, Schlusstakt, Arno StrobelWelchem Druck sind junge Menschen durch Casting-Shows ausgesetzt? Wie weit sind sie bereit zu gehen, um den ersehnten Ruhm zu erreichen, den ihnen solche Plattformen in der Öffentlichkeit versprechen?

Arno Strobel zeichnet ein erschreckendes Bild von Casting-Shows. Seine Show „Germany´s MegaStar“ ist eine verschärfte und ausbeuterische Weiterentwicklung aller bisher dagewesenen und vergleichbaren Shows. Im Gegensatz zu den konkurrierenden Formaten, sollen die Teilnehmer durch „Germany´s MegaStar“, das tatsächliche Leben eines Stars am eigenen Leib erfahren. Und das bedeutet neben Ruhm und Reichtum eben auch Stress, Konkurrenzkämpfe und Inszenierungen. Alles zum alleinigen Zweck, die Persönlichkeit eines jungen Menschen marktkonform zu vermarkten. Auch wenn das bedeutet, dass Schönheitsfehler – in „Schlusstakt“ auf Verhalten und Kleidungsstil bezogen – korrigiert werden, um scheinbar authentische Szenen drehen zu können. Worte werden den Teilnehmer in den Mund gelegt, im Anschluss aus dem Kontext gerissen und ausgestrahlt. Alles für den Showerfolg. Alles für die Quote. Authentizität sucht man bei „Germany´s MegaStar“ vergeblich.
Als plötzlich eine Teilnehmerin tot aufgefunden wird, verschärft sich das Leben auf der Insel und wird zu einer Phase in der zu den bestehenden Konkurrenzkämpfen Verdächtigungen und Vorverurteilungen hinzukommen. Und inmitten dieses Chaos, entdecken die Teilnehmer, dass sie nicht nur offiziell gefilmt und vertont werden, sondern dass die gesamte Insel mit versteckten Aufnahmegeräten und Kameras versehen ist.

„Schlusstakt“ erfüllt eine zielgruppengerechte und aufklärende Wirkung, konkretisiert Klischees und Vorurteile, die wir automatisch mit solchen Showformaten verbinden: Knebelverträge, Voyeurismus, das Leben auf einer phantastischen maledivischen Insel sowie sinnentstellende Zuschnitte der Filmaufnahmen. Man kann sich fragen, ob es notwendig ist, Gefahren von Casting-Shows in einer Story zu thematisieren, da es schließlich weitreichend bekannt ist, mit welchen Mitteln solche Sendungen arbeiten. Doch für die junge Zielgruppe bietet „Schlusstakt“ ein Werk, das sie nicht mit erhobenem Zeigefinger belehren möchte, sondern anhand einer Geschichte plausibel verdeutlicht, welche Auswirkungen solche Produktionen auf deren Teilnehmer haben können. Bezüglich der heimlichen Film- und Tonaufnahmen auf der Insel, schneidet das Buch am Rande auch Aspekte der Überwachung an. Wer dies vertiefen möchte, dem sei der Roman „Der Circle“, der das Thema allgegenwärtiger Transparenz behandelt, empfohlen.
Der auf der Insel begangene Mord dient dem Werk als Magnetpunkt, mit dessen Hilfe Arno Strobel seine Zielgruppe gewinnt. Die Klassifizierung als „Jugendthriller“ erzeugt meiner Ansicht nach allerdings eine zu hohe Spannungserwartung.


In „Denkanstoß: Persönlichkeitstransformation durch Casting-Shows“ erfahren Sie mehr zum Thema Casting-Shows und deren Gefahrenpotential für heranwachsende Menschen.


Arno Strobel
Schlusstakt
ISBN 978-3-7855-7865-0

Buchverlosung zum Welttag des Buches

blogger2015Unter dem Motto “ Blogger schenken Lesefreude“, verlost der Buch- und Medienblog heute, am Welttag des Buches, ein lesenswertes Werk.

 

Bücher sind ein wunderbares Medium, um junge Menschen mit lehrreichen Geschichten in ihrem Reifungsprozess zu unterstützen. Aus diesem Grund verlost der Buch- und Medienblog „Schlusstakt“ von Arno Strobel. Der Titel verdeutlicht anhand einer zielgruppengerechten Umgebung, in welche Strudel junge Menschen in unserer Leistungsgesellschaft geraten können.

Gefahren der Casting-Shows, Buchblog, Oliver Steinhäuser, Schlusstakt, Arno StrobelInformieren Sie sich unter „Persönlichkeitstransformationen durch Casting-Shows“ zu dem zentralen Thema des Buches.

Eine Rezension zu Schlusstakt finden Sie hier!

Die Teilnahme an der Verlosung des Jugendbuches erstreckt sich über eine Woche und endet am Donnerstag, den 30.04.2015. Zur Teilnahme, kommentieren Sie diesen Beitrag. Beachten Sie auch, dass nur Teilnehmer mit deutscher Postanschrift an der Verlosung teilnehmen können!
Der Gewinner wird in der ersten Mai-Woche per E-Mail informiert!

Viel Spaß und einen schönen Tag des Buches!
Oliver W. Steinhäuser

Lesebericht zu „Kanakenblues“ von David Gray

KanakenbluesEin Gangster und ein Bulle – seit frühen Jugendjahren befreundet – verstricken sich in korrupte Geschäfte mit kriminellen Kiezgrößen. Der farbige Kriminalbeamte Boyle und sein Freund Teddy, tauschen Drogen aus der Asservatenkammer, gegen Geld und Informationen. Informationen, mit denen Boyle sich an zwei Kollegen rächt und sie somit hinter Gitter bringt. Ein Jahr später begleitet der Rezipient Kommissar Boyle durch eine Nacht, die er nicht vergessen wird.
Kurz hintereinander werden zwei junge Männer ermordet aufgefunden. Sie wurden durch Schüsse eiskalt hingerichtet. Boyle glaubt nicht an Zufälle. Unter Hochdruck sucht er nach einer Verbindung zwischen den Mordfällen, denn einer der Ermordeten ist ausgerechnet der Sohn des Hamburger Polizeipräsidenten. Bei seinen Ermittlungen bekommt Boyle es mit korrupten Polizisten, mächtigen Gangsterbossen und nicht zuletzt mit den Schatten seiner eigenen Vergangenheit zu tun. Als sich die Hinweise verdichten, beginnt eine gnadenlose Hetzjagd auf den „Kanakenmörder“, hinter dem nicht nur die Polizei her ist.  Die Zeit für Boyle wird verdammt knapp in dieser Nacht, in der das Morden kein Ende nehmen will …

In „Kanakenblues“ prallt der Leser auf eine kulturelle Vielfalt, die David Gray durch ausgelebte Korruption verbildlicht. Er zeigt die verschiedenen Machtverhältnisse innerhalb staatlicher Behörden und denen der organisierten Kriminalität auf. Mit dem blauäugigen, afroamerikanischen Kriminalkommissar Boyle, präsentiert er einen abgebrühten, mit Vorurteilen belasteten Protagonisten, der als Polizist ernst genommen werden will, allerdings nicht darauf verzichtet, mit Kriminellen Geschäfte abzuwickeln, um seinen Lebensabend zu sichern.

Während der Leser weiß, wer der Mörder der Jugendlichen ist, befinden sich die Ermittler auf einem Ratespiel. Sie verdächtigen die ihnen bekannten Kriminellen sowie Kollegen aus den eigene Reihen. Sie erfahren erst nach und nach, wer sich hinter den Morden verbirgt und welche Beweggründe den Mörder Younas dazu anhalten, zu morden.
Eine kräftige und ungeschönte Sprache, verleiht der brutalen Geschichte, die Authentizität, die notwendig ist, um den „Kanakenblues“ dem Rezipienten dort zu visualisieren, wo er stattfindet: Auf der Straße.
Durch enorm viele Verstrickungen zwischen den handelnden Personen, muss man einen klaren Kopf bewahren, um den Kontext des Buches nicht aus den Augen zu verlieren. Dadurch bleibt die Spannung konstant auf einem hohen Level erhalten und sorgt bis zum Schluss dafür, dass der „Kanakenblues“ aufregend und überraschend bleibt.


„Neben der Integration des „Bösen“ in den Alltag, in die Arbeit der Polizei, in die Gesellschaft, neben der Frage nach der Zulässigkeit von Selbstjustiz, wenn die staatlichen Organe versagen, neben der Auseinandersetzung mit dem Fremdsein, dem Andersein bietet er eben auch ein großes Lesevergnügen“, beschreibt Anne Kuhlmeyer den „Kanakenblues“ auf ihrem Blog „Wort & Tat“ und beziffert damit die Vielfalt der im Buch verarbeiteten Konflikte.


David Gray
Kanakenblues
ISBN: 978-3-86532-454-2

 

Lesebericht zu „Mona“ von Dan T. Sehlberg

Mona, buchblog, medien, thriller, cyberkriminalität, computervirusWelche Auswirkungen wird der technologische Fortschritt auf unsere Gesellschaft nehmen, sobald es uns gelingt, computergesteuerte Systeme mit unseren Hirnen zu verbinden? Entstehen durch Computerviren reelle Bedrohungen für unsere neuronalen Netze, indem binäre Codes vom Gehirn verarbeitet werden und sich in gefährliche biologische Viren entwickeln?

Eric Söderqvist, IT-Professor der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm, forscht an einem System, das durch reine Gedankenkraft Computersysteme steuern kann. Seine Schnittstelle „Mind Surf“ soll den Aufbau eines dreidimensionalen Internets ermöglichen.
Samir Mustaf, libanesischer IT-Spezialist, entwickelt ebenfalls Computersysteme. Seine Intention ist allerdings eine andere. Er will Rache an der israelischen Finanzwelt ausüben. Rache dafür, dass seine Familie durch einen Angriff der Israelis ums Leben kommen musste.
Kurz nach einem ersten erfolgreichen Test mit „Mind Surf“, fällt Eric Söderqvists Frau Hanna, Mitarbeiterin einer israelischen Bank, in ein Koma. Eric wird klar, dass die Erkrankung seiner Frau mit dem Aufruf des vom Mona-Virus infiltrierten Bankennetzwerks zusammenhängen muss. Da die Ärzte in Stockholm nicht in der Lage sind, seiner Frau zu helfen, entscheidet er sich kurzerhand, die Entwickler von Mona ausfindig zu machen. Dabei begibt er sich auf eine gefährliche Reise in den Nahen Osten, in der Hoffnung einen Gegenvirus zu erlangen, der seiner Frau helfen kann.

Die Vorstellung, dass ein Computervirus sich einen Weg in die Nervenbahnen der Menschen bahnt, und das Leben eines Organismus angreift, ist erschreckend. Zu Beginn des Buches suggeriert die Aufteilung der Geschichte in verschiedene Handlungsstränge einen gelungenen Spannungsaufbau. Der Verbund aktueller Themen wie Cyberkriminalität, Terror durch extremistische Gruppierungen, Manipulation durch Geheimdienste und ausufernden technischen Fortschritt sind gesellschaftsrelevante Themen, die nur schwer zu umgehen sind.
Leider verpufft die Lesefreude bereits nach dem ersten Drittel des Werkes. Die Handlungsstränge laufen allmählich zusammen, bilden meiner Ansicht nach jedoch kein Symbiose. Meine Konzentration fällt zunehmend auf die Geschichte von Eric Söderqvist, der verzweifelt genug ist, eine Reise über Nizza und Tel Aviv nach Gaza anzutreten, um ein Gegenmittel zur Heilung seiner Frau zu finden. Dabei passiert ihm Unglaubliches. Das Buch bewegt sich zunehmend zu einem Politthriller. Es ist durchzogen von kuriosen Machenschaften des Mossad, des FBI und manipulierbaren schwedischen Behörden, die sich so sicher nicht zutragen würden.

Zwischen der langwierigen Verarbeitung all der genannten politischen und sozialkritischen Themen, tauchen zeitweise Schmuckstücke zwischenmenschlicher Beziehungen auf. Als Eric Söderqvist endlich auf den Entwickler des Mona-Virus, Samir Mustaf, trifft, entwickeln sich interessante Gespräche zwischen den Männern. Trotz der Tatsache, dass sie aus unterschiedlichen Kulturen stammen und divergierende Meinungen zum Thema Glauben haben, erlangen sie wahrhaftige Erkenntnisse, über die es sich lohnt nachzudenken.

Dan T. Sehlberg
Mona
Klappbroschur
ISBN: 978-3-462-04613-7

Besprechung „Die Freihandeslüge“ von Thilo Bode

Die Freihandelslüge_Besprechung von Oliver SteinhäuserFluch oder Segen? Und für wen? Wo es Gewinner gibt, gibt es immer auch Verlierer. Doch es existiert ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen der Gewichtung und Ausgeglichenheit dieser divergierenden Parteien. Das transatlantische Freihandelsabkommen betrifft Investitionsgeschäfte gleichermaßen wie materielle und immaterielle Güter und Werte. Es gefährdet den Finanzsektor und stuft die Lebensstandards unserer umwelt-, ernährungs- und kulturbewussten Gesellschaft durch Standardisierungen herab.

Thilo Bode ist es in „Die Freihandelslüge“ sehr gut gelungen, auch thematisch unerfahrene Leser in die Debatte um das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA einzuführen. Er erklärt anschaulich, dass Handelsabkommen zwischen Staaten, durch die Einführung gemeinsamer Richtlinien und Normen, der Verminderung von Zöllen, Verringerung bürokratischer Vorgänge etc., Handelsbarrieren abbauen können. Bode bezieht sich dabei auf Verträge zwischen handelsstarken Staaten und Entwicklungsländern, in denen keine hochentwickelten Märkte bestehen.
TTIP ist dagegen ein Vertrag zwischen zwei Staaten, zwischen denen bereits ein florierender Handel besteht. Man fragt sich, aus welchen Gründen nun ein solches Abkommen geschlossen werden soll? Thilo Bode identifiziert das Handelsabkommen als Werkzeug zum Aushebeln der politischen Souveränität der europäischen Länder, denn TTIP ist ein völkerrechtlicher Vertrag und hat daher Vorrang vor allen europäischen und nationalstaatlichen Gesetzen. Konkrete Auswirkungen ergeben sich durch die abweichenden Standards zwischen der EU und den USA. Akzeptieren die USA die europäischen Standards nicht – und das werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, da deren niedrigere Standards geringere Markteintrittsbarrieren bedeuten, als die geltenden Normen der EU – geht die Gefahr einer Abstufung der in den EU-Ländern bestehenden Vereinbarungen und Normen aus. Anpassungen nach untern (in Richtung der US-Standards) wären die Folge. Das liegt daran, dass völkerrechtliche Verträge Schutz vor Diskriminierungen eines Vertragspartners juristisch sicherstellen. Im Falle von TTIP bedeutet dies konkret, dass die USA gegen die EU ein Druckmittel haben und sie – in Form einer Klage – dazu zwingen könnten, etablierten Normen auf den geringen US-Standard anzupassen.
Grundsätzliche Unterschiede zwischen den Vertragsstaaten bilden beispielsweise das „Vorsorgeprinzip“, das in Europa gilt und das „Nachsorgeprinzip“ in den USA. In Europa werden Produkte vor deren Markeinführung auf Unschädlichkeit und Funktion getestet, um Gefahren für Mensch und Umwelt auszuschließen. In den USA hingegen, lässt man neue Produkte zunächst generell für einen Launch auf den Märkten zu, denn es gilt das Nachsorgeprinzip. Das führt dazu, dass schädliche Produkte erst durch die Nutzung von Kunden extrahiert werden. Der Schaden für Mensch, Tier und Umwelt ist dann jedoch für den konkreten Vorfall nicht mehr außer Kraft zu setzen.

Kernpunkte seiner Analyse in „Die Freihandelslüge“ bilden besonders die Themen Investitionsschutz sowie Tierschutz, Verbraucherschutz und Ernährung. Bode kommt in seinem Werk zu dem Schluss, dass das Aufweichen von Vereinbarungen und Normen nicht allein durch US-amerikanische Stellen befürwortet wird. Auch international handelnde europäische Chemie-, Automobil- und Agrarkonzerne wittern in dem transatlantischen Freihandelsabkommen ihre Chance auf steigende Umsätze. Es sind schließlich genau diese europäischen Großkonzerne, die an strenge Leitlinien gebunden sind, denen TTIP ein willkommenes Geschenk zur politischen Mitbestimmung bietet.

In dem von Thilo Bode erläuterten Spektrum an Auswirkungen für die Bereiche Umwelt, Tierschutz, Nahrung und Vorsorge, spannt er den Bogen leider nicht komplett. In letzter Konsequenz fehlt der Bezug auf die kulturelle Vielfalt in der EU. Unter anderem gibt es in Deutschland ein Gesetz zur Buchpreisbindung. Durch dieses Gesetz wird das „Kulturgut Buch“ besonders vor Ausbeutung und Dumpingpreisen auf dem Markt geschützt. Ein für 18 Monate festgelegter Preis gilt gleichermaßen für große als auch kleine Bestellmengen und führt dazu, dass ein Buch überall das gleiche kostet. Dies gewährt ein vielfältiges Buchangebot sowie eine flächendeckende Versorgung durch kleinere Buchhandlungen.
Bezogen auf TTIP, kann gerade dieses kulturschützende Gesetz Anlass zur Klage durch die USA werden, denn es stellt laut den vertraglichen Vereinbarungen eine Diskriminierung für US-amerikanische Märkte dar. Und im Zweifel werden Vorschriften nach unten reguliert.

„TTIP wäre ein weiterer verhängnisvoller Schritt Richtung jener ‚marktkonformen Demokratie’, in der sich alles den Freiheits- und Gestaltungsansprüchen globaler Konzerne unterordnen soll“, fasst Bode es in seinem Fazit treffend zusammen. Er hat mit „Die Freihandelslüge“ ein aufregendes Buch geschrieben, dass anhand einiger Beispiele anschaulich erklärt, welche Auswirkungen TTIP für jeden von uns bedeuten kann.

Thilo Bode
Die Freihandelslüge
ISBN: 978-3-421-04679-6