„Tiefe Wunden“ von Nele Neuhaus – Free-TV-Premiere

Tiefe Wunden_Nele NeuhausMit „Tiefe Wunden“ wird morgen, den 2. Februar 2015 um 20:15 Uhr, die dritte Filmadaption der Taunus-Krimis von Nele Neuhaus im ZDF ausgestrahlt. Mit „Die Lebenden und die Toten“ ist ist Nele Neuhaus derzeit mit ihrem siebten Band der Taunus-Krimi-Reihe in den Bestsellerlsiten vertreten. Der Titel um die Ermittler Bodenstein & Kirchhoff wird vom Ullstein Verlag publiziert.

Vier der Werke wurden für das ZDF verfilmt, zuletzt der 2009 veröffentlichte Kriminalroman „Tiefe Wunden“, den der Fernsehsender morgen Abend in seiner Free-TV-Premiere zeigt.

Zum Inhalt:
Der 92-jährige Holocaust- Überlebende David Josua Goldberg wird in seinem Haus im Taunus mit einem Genickschuss getötet. Bei der Obduktion macht der Arzt eine seltsame Entdeckung: Goldbergs Arm trägt die Reste einer Blutgruppentätowierung, wie sie bei Angehörigen der SS üblich war. Dann geschehen zwei weitere Morde, die Hinrichtungen gleichen. Welches Geheimnis verband die Opfer miteinander? Die Ermittlungen führen Hauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff weit in die Vergangenheit: nach Ostpreußen im Januar 1945 …

Lesebericht zu „Das stille Land“ von Tom Drury

1331_TitelRuecken_Drury_StilleLand.inddVeröffentlichungstermin: HEUTE (31.01.2015)
Dieser Beitrag ist auch auf dem Klett-Cotta-Blog veröffentlicht!

Was macht das Leben mit dir, wenn du es einfach geschehen lässt? Mit welchen Kuriositäten wartet das Dasein in dieser Welt auf, wenn man gedankenverloren in jeden neuen Tag startet, frei von jeglichen Konventionen?

Pierre Hunter, der Protagonist in „Das stille Land“ lebt genau dieses Leben. Er hat den Hang dazu, sich kopfüber in Situationen zu stürzen, die er vorab nicht abzuschätzen kann. Nachdem Pierres Jugend durch den Tod seiner Eltern und das Ende seiner Beziehung zu Rebecca ein jähes Ende nimmt, arbeitet er als Barkeeper im noblen Jack of Diamonds. Genau wie die Spontanität seines Lebens, so unverblümt wird der Rezipient mit auf die Reise genommen, stets mit der Devise, dass keiner weiß, in welche Richtung sich das Leben entwickelt und wohin es den Protagonisten Pierre Hunter trägt. Pierre lebt in den Tag hinein. Unbeschwert. Als ihm die rästelhafte Stella das Leben rettet, nachdem er beim Schlittschuhfahren im Eis eingebrochen ist, bekommt sein Lebensweg einen Knick. Stella hat ein leerstehendes Haus am See. Prompt verlieben die beiden sich ineinander. Pierres Ausflug nach Kalifornien zieht ihm den Zorn eines gefährlichen Mannes zu, der auf Rache sinnt und ihn verfolgt. Stella erwartet die beiden schon mit einem schaurigen Geheimnis.

Alle Ereignisse bauen auf einer These aus Pierres Collegezeit auf: „Jeder Erfolg schafft die Bedingungen für dessen eigenen Niedergang. Ein einfaches Beispiel wäre das Feuer, das verzehrt, wovon es sich ernährt, und dann erlischt.“ (S. 90)
Auf seinem Weg trifft er eine Reihe von Menschen, von denen einige die Chance bekommen, in seinem Leben mitzuspielen, mit ihm weiterzuziehen, um weitere lapidare Begegnungen zu machen. Alle tragen gleichermaßen dazu bei, dass Pierres Leben temporär die Laufbahnen eines geordneten Lebens verlässt, um ihn im Anschluss mit Eifer auf die Bühne eines der aufregendsten Theaterstücke schleudert: Das Leben.

Zwischen allem Unerwartetem ist „Das stille Land“ eine Aufforderung an jeden einzelnen von uns: „Dass unser Planet und dieses Leben, das jedem von uns geschenkt wurde, Möglichkeiten bieten, die wir nicht begreifen. Daher verspielen wir sie Tag für Tag. Ich vermute, er hatte diese Einsicht ganz allein gefunden und wollte sie mit jemandem teilen.“ (S. 208)
Und am Ende bleibt insgeheim der Wunsch eines jeden, sich einfach einmal treiben zu lassen. Das Leben geschehen lassen und dessen Einmaligkeit zu genießen.

Das stille Land_Foto Oliver SteinhäuserSchon wache ich auf. Verkatert. Verschlafen. Ich kann mich an nichts mehr erinnern und finde dieses Bild auf meiner Kamera:

Welch genialer Streich des Lebens!
Das stille Land – außer Rand und Band.

Tom Drury
Das stille Land
Klett-Cotta
1. Aufl. 2015, 216 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98022-6

Lesebericht zu „Narbenkind“ von Erik Axl Sund – Band 2 der Victoria Bergman Trilogie

142_48118_148170_xlWährend im ersten Band der Victoria Bergman Trilogie („Krähenmädchen“) die ermordeten Jungen im Fokus der Ermittlungen stehen, dreht sich „Narbenkind“ hauptsächlich um die Ermordung eines ranghohen Geschäftsmannes, der auf bestialische Weise getötet und zerteilt wurde. Ebenso wie im Auftakt der Trilogie, bleibt es auch in „Narbenkind“ nicht bei diesem einen Mord.
Um die weiteren Ermordungen flicht sich ein Netz, das sich zunehmend um Victoria Bergman legt und klare Verbindungen zu ihrer Person enthält.
Da die Mordermittlungen zu den vier Jungen aus Band eins vorerst auf Eis liegen, müssen sich die Ermittler Jeanette Kihlberg und Jens Hurtig zunächst um die aktuellen Fälle bemühen, stellen jedoch immer wieder heimliche Ermittlungen zu den missbrauchten Kindern an. Während dem Leser vermeintlich immer deutlicher wird, wie die Fälle in Verbindung stehen, verzeichnet die Polizei weiterhin kaum Ermittlungserfolge.

„Narbenkind“ ist das, was ich als absolut logische Fortführung des Werkes „Krähenmädchen“ bezeichne. Erneut steht die Ergründung dissoziativer Störungen im Vordergrund.
Die durch eine geschützte Identität verborgene Victoria Bergman gibt den Ermittlern ein Rätsel auf, während dem Rezipienten bereits in Band eins der Trilogie die Analogie dieser Person offengelegt wurde. Man kann – da die Reihe nicht auf nervenzerreißende Spannung, sondern auf Durchdringung von Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalten ausgelegt ist – nur erahnen, unter welcher Spannung die beiden Ermittler Kihlberg und Hurtig nach derart erfolglosen Ermittlungsepisoden stehen müssen.

Handlungsschwerpunkt des Buches ist die Suche nach der „Rachemörderin“, die allem Anschein nach etwas mit Victoria Bergman verbindet. Während der Leser im Verlauf zunehmend Victoria Bergman als ebendiese Rachemörderin im Verdacht hat, erscheint schemenhaft eine weitere Person, die mit ihr eine besonders ausgeprägte Gemeinsamkeit hat. Ist dieses Mädchen möglicherweise die Rächerin aller früheren Vergehen an Victoria?
Mit „Narbenkind“ begibt man sich auf eine Gratwanderung zwischen realem Geschehen, schnellen Perspektivwechseln und den Gedankengängen multipler Persönlichkeiten.

Während die Psychologin Sofia Zetterlund weiß, dass sich ihre Persönlichkeit zu gleichen Teilen aus Masochismus und Dissoziation zusammensetzt, sie sich selbst quält und die Eigenschaften ihres Quälgeistes annimmt, um dadurch immer wieder ihre eigene Hölle zu durchleben, fragt man sich:
Wer in diesem Spiel ist echt und wer ist nur ein fantasievoller Streich, um genau dieser Hölle wieder zu entfliehen?

Erik Axl Sund
Narbenkind
Paperback, Klappenbroschur, 512 Seiten
ISBN: 978-3-442-48118-7

Lesebericht zu „Krähenmädchen“ von Erik Axl Sund – Band 1 der Victoria Bergman Trilogie

Krähenmädchen_Victoria Bergman TrilogieBevorzugt werfe ich zu Beginn meiner Leseberichte Fragen zu den zentralen Themen eines Werkes auf. Das Krähenmädchen nimmt mir heute dabei die Arbeit ab und möchte wissen:
Wie viel Leid kann ein Mensch verkraften, ehe er selbst zum Monster wird?

Zum Auftakt der Victoria Bergman Trilogie durch das „Krähenmädchen“ wird der Leser mit einer Flut an Abscheulichkeiten wie Kindesentführung, -misshandlung und Mord konfrontiert. Polizistin Jeanette Kihlberg übernimmt zusammen mit ihrem Kollegen Jens Hurtig die laufende Ermittlung im Fall des in einem Park ermordet aufgefundenen Jungen. Allerdings bleibt es nicht bei dieser einen Leiche. Die Parallelen, die die misshandelten und getöteten Jungen aufweisen sind unverkennbar, und doch bewegen sich die Ermittler auf falschen Fährten und bleiben weitestgehend ergebnislos.

Zweifellos hochinteressant ist in „Krähenmädchen“ die durch Jeanette Kihlberg zu den Ermittlungen hinzugezogene Psychologin Sofia Zetterlund und deren Patientin Victoria Bergman. Während der Plot sich anfangs in enorm viele verwirrende Handlungsstränge gliedert, die das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen betrachten, ergeben sich für den Leser kaum verwertbare Verbindungen, um sich ein Gesamtbild zusammenzusetzen.
Im Verlauf des Buches erhält man schnell das Gefühl, dass die Psychologin Zetterlund und deren Patientin Bergman etwas verbindet. Gerade das stetige Ineinandergreifen der eigenen Vermutungen setzen beim Rezipient eine bittere Erkenntnis darüber zusammen, welch grausames Schicksal die beiden Frauen letzten Endes begleitet.

Das Duo Erik Axel Sund schreibt einen Thriller, der meiner Ansicht nach besonders durch seine psychologischen Aspekte begeistert. Das bedeutet allerdings, dass der Leser gewillt sein muss, sich durch verworrene Gedankengänge zu kämpfen und teils abstruse und zusammenhangslose Äußerungen und Taten in einen sinnigen Kontext zu bringen. Auch wenn das nicht immer leicht fällt, ist es doch genau dieses verzweifelte puzzeln, das dem Rezipient verdeutlicht, welche Verwirrung und Desorganisation in dissoziativ gestörten Menschen herrscht.

„Krähenmädchen“ endet mit einem Vorfall, der sich bereits etliche Jahre zuvor in etwa derselben Art zugetragen hat und erzeugt eine Spannung, der unbedingt nachgegangen werden muss.
Bei sehr detaillierter Betrachtung der einzelnen Subgeschichten kommen am Ende des ersten Buches viele Fragen auf, wie z.B.:

In Sofia Zetterlunds Praxis hängen ausgerechnet Bilder des Künstlers, mit dem Jeanette Kihlbergs Mann Åke eine gemeinsame Ausstellung haben wird. Spielt die Galeristin im weiteren Verlauf eine Rolle?

Was geschieht mit dem Pädophilen Lundström, der nach einem Suizidversuch derzeit im Koma liegt? Haben seine fantasierten Äußerungen zu Kindesmisshandlungen und organisierten Kinderschändern einen Wahrheitsgehalt?

Welche Rolle spielen Victoria Bergmans ehemaligen Internatsmitschülerinnen?

Darüber hinaus gibt es noch weitere Fragen, die ich aus spannungstechnischen Gründen jedoch an dieser Stelle noch nicht stellen kann.
Ich bin gespannt, ob und wie sich meine Fragen in den kommenden beiden Bänden beantworten werden und freue mich auf die Fortsetzung der Victoria-Bergman-Trilogie!

Erik Axl Sund
Krähenmädchen
Paperback, Klappenbroschur, 480 Seiten
ISBN: 978-3-442-48117-0

„Der Circle“ – Gefahren virtueller Welten – Denkanstoß

Der Cicle_LogoIch bin sehr erfreut, dass auch andere Menschen sich den Gefahren absoluter Transparenz und des unreflektierten Bewegens in sozialen Netzwerken bewusst sind und die das Gut Privatsphäre als solches erkennen und schätzen.
Elli vom wortmagieblog schreibt in ihrem Beitrag zu „Der Circle“:
„Dave Eggers Thriller ist ein wichtiges, äußerst intelligentes Buch, von dem ich allerdings befürchte, dass es viel zu wenige Menschen lesen werden und gleichzeitig die Parallelen zur Realität erkennen.“

Dieser Aussage stimme ich vollends zu, da meiner Einschätzung nach nur ein geringer Teil sich selbst und sein Handeln kritisch reflektieren wird. Denn es werden genau diejenigen den “Circle” NICHT lesen, die es am stärksten betrifft. Deren virtuelle Avatare bereits einen Großteil ihrer selbst überrollt oder ersetzt haben.
Auch mir hat “Der Circle” immer wieder aufgezeigt, wie gedankenlos wir so oft mit unseren Rechten und unserer Privatsphäre umgehen.

Immer wieder läuteten in mir die Alarmglocken, während ich mich mit dem Werk auseinandersetze, und hielten mich dazu an, darüber nachzudenken, was Urheberschaft bedeutet:
Das Rechte an einem erschaffenen Werk Existenzen sichern und das nicht alles geistige Eigentum allen gleichermaßen gehören darf. Dass konkret umgesetzte Ideen mit einem Mindestmaß an Gestaltungshöhe nicht einfach entstehen, sondern wertvolle Arbeitszeit in Anspruch genommen haben, die nicht einfach durch die Gier nach frei Zugänglichem verdrängt werden dürfen.

Lesebericht zu „Der Circle“ von Dave Eggers

Der Circle_Dave Eggers_KiWiWie viel technologischen Fortschritt verträgt die Menschheit? Ab wann verdrängt die Gier nach Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken ein authentisches und natürliches Miteinander?

Themenschwerpunkt in Dave Eggers „Der Circle“ ist die totale Vernetzung des Lebens mit sozialen Diensten, Arbeitgebern und staatlichen Institutionen. Durch den starken Bekanntheitsgrad des Internetunternehmens „Der Circle“ entsteht in der Bevölkerung ein großes Interesse an den Tätigkeiten der Firma und dessen Projekten. Ein intrinsisches Verlangen nach völliger Transparenz durchbricht schlagartig die unternehmensinternen Interessen und breitet sich in einem Großteil der Gesellschaft aus, die fortan alles über jeden wissen möchte und keine Mühe scheut auch den entlegensten Winkel der Erde mit Kameras auszustatten.

Während sich Mae Holland, die 24-jährige Protagonistin, stetig den digitalen Konventionen des Circles angleicht, verliert sie zunehmend die analoge Welt aus den Augen. Menschen die ihr immer wichtig waren, die sie liebte, sind plötzlich eine Minderheit. Denn sie wollen nicht gläsern sein, nicht alle Gefühle, Situationen und Meinungen mit der Öffentlichkeit teilen. Doch für Mae zählen nur noch Parolen wie: Geheimnisse sind Lüge – Teilen ist Heilen – Privatshäre ist Diebstahl. Ihr entgleiten zwischenmenschliche Fähigkeiten, wie das Zuhören oder eine Unterhaltung zu führen, weil sie einer permanenten Reizüberflutung durch mobile Medien gegenüber steht. Sie wird sozial völlig autistisch.

Während die Transparenz der Menschheit dafür sorgen soll, alles Menschliche zu verstehen und keinen Raum für Fehlinterpretationen zuzulassen, geschieht doch letzten Endes genau das. Kein überwachter Mensch verhält sich so, wie er es in Freiheit tun würde. Ständig muss man auf sein eigenes Tun achten, sich stets verhaltensoptimiert präsentieren, um dem „Publikum“ – den Viewern – zu gefallen und um die meisten „Smiles“ zu erhalten.

Dave Eggers Ausblick auf die mögliche Zukunft ist weitaus mehr, als Fiktion. Soziale Netzwerke sind bereits jetzt ein Werkzeug zur optimierten Präsentation seines Selbst. „Der Circle“ ist ein Spiegel, der jeden von uns auffordert, seine Motive und Aktivitäten innerhalb solcher Parallelwelten zu reflektieren. Das Werk zeigt auch sehr imposant, welche Divergenzen sich bereits jetzt zwischen einer einzelnen Generation durch rasante technische Neu- und Weiterentwicklungen herauskristallisieren.

image_manager__av_image_full_circle_screenUnd während ich weitere Einladungen zu „Gefällt-mir-Seiten“ bekomme und sensationsgierige selbstschönende Posts aufploppen, hoffe ich, dass uns vor dem vollendeten geistigen Verfall noch eine lange schöne Zeit bevorsteht.

Hier noch eine schöne Website des Verlags zum Buch!

Dave Eggers
Der Circle
ISBN: 978-3-462-04675-5
560 Seiten, gebunden, mit Zeichenband

 

Das literarische Jahr des Buch- und Medienblogs: 2014

Welche Titel mich im Jahr 2014 beschäftigten

Zu einigen Titeln stehen bereits Leseberichte zur Verfügung. Die Eindrücke können Sie durch Klicken auf die Verlinkungen in der Liste einsehen!

  1. Blutfrost
  2. Braune Orchideen
  3. Broken Dolls
  4. Bitter sollst du büßen
  5. Crossroads – Ohne Gnade
  6. Der Augensammler
  7. Der Fall
  8. Der frühe Tod
  9. Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwandt
  10. Der Knochenbrecher
  11. Desire
  12. Die Bienen
  13. Er ist wieder da
  14. Finnisches Feuer
  15. Ich bin die Nacht (Marketinganalyse)
  16. Kesselsturm
  17. Letztendlich sind wir dem Universum egal
  18. Nummer Zwei
  19. Rückwärtssalto
  20. Soul Beach (engl.)
  21. Soul Fire (engl.)
  22. Theorie und Taxis
  23. Tod in der Markthalle
  24. Totenkünstler
  25. Und alle so yeah

 

Ich wünsche allen ein guten Start in das Jahr 2015!

P1020986 „Kein Buch ist so schlecht, dass es nicht in irgendeiner Weise nützt.“ (Marcus Porcius Cato der Ältere)

 

Gestaltungs-Special zur Victoria Bergman Trilogie

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Die Gestaltung von Reihentiteln ist meiner Meinung nach eine große Herausforderung, da das Gestaltungskonzept des ersten Titels kontinuierlich und strikt weiterverfolgt werden muss, um der Zielgruppe ein klares Bild zu zeichnen. Dem Rezipient muss optisch eine Gestaltungsstruktur präsentiert werden, die intuitiv wiedererkannt wird, sodass die Folgetitel ganz klar identifiziert werden können. Gefährlich kann es werden, wenn der Auftakt einer Reihe misslingt.

P1020892Doch von einer solchen Gefahr sind die Titel „Krähenmädchen“, „Narbenkind“ und „Schattenschrei“ weit entfernt. Ihnen kommt zugute, dass bereits vor der Veröffentlichung des ersten Bandes feststand, dass die „Victoria Bergman“-Geschichten in einer Trilogie erzählt werden. Diese Kenntnis erlaubt es dem Goldmann Verlag ein sehr schlüssiges Gesamtkonzept zu erstellen. Gerade die Nummerierung kommt bei vielen Serientiteln zu kurz. Aus diesem Grund bin ich sehr begeistert von der Nummerierung der Bücher am Kopf des Buchrückens, der keine Verwechslung der Titel untereinander erlaubt.
Die einzelnen Nummerntafeln (I, II, III) sind dabei von einem geprägten Rahmen umschlossen und mit einer Spotlackierung versehen. Diese Veredlungsprozesse sorgen dafür, dass die Nummerierungen wie Täfelchen am Buchrücken hängen und eine angenehme Haptik erzeugen.

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Die Trilogie ist als Klappbroschur hergestellt.
Auch auf der Klappe wird konsequent mit Lack veredelt, sodass die Autorenfotos in einem schönen Glanz aufwarten.

Die Bücher der „Victoria-Bergman-Trilogie“ sind – mit all ihren Prägungen und Lackierungen – eine sehr durchdachte und am schaurigen Inhalt konzipierte Reihe, dessen Optik und Haptik sich wundervoll vereint und die Titel in Szene setzt.

 

Lesebericht zu „Blutfrost“ von Susanne Staun

Dieser Beitrag ist auch auf dem Verlagsblog von Klett-Cotta erschienen.Blutfrost_Susanne Staun_Klett-Cotta

„Blutfrost“ beginnt mit einem Mord, zu dem Dr. Maria Krause, Rechtsmedizinerin im dänischen Odense gerufen wird. Im Anschluss daran startet eine Rückblende, die die Entstehung des Mordes erzählt und den Leser auf eine spannende Reise in eine Welt voll Schmerz und der Sucht nach Aufmerksamkeit entführt.

Klappentext:
In regelmäßigen Abständen erhält Rechtsmedizinerin Maria Krause anonyme E-Mails aus Rexville in den USA. Darin wird eine Person, die Maria angeblich nahesteht, bezichtigt, ihre eigenen Kinder zu verletzen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Die mysteriösen Nachrichten stammen von »E«. Krause versucht alles, um »E«s Identität aufzudecken. Als sie feststellt, dass ihr verhasster Zwillingsbruder gemeinsam mit seiner Frau Eva in den USA gelebt und mit ihr eine Tochter namens Emily hat, gerät ihre Psyche mal wieder vollkommen durcheinander. Mehr als einmal überschreitet die eigenwillige Rechtsmedizinerin moralische Grenzen, wohl wissend, dass sie sich auf gefährlichem Terrain bewegt …

Die Geschichte beginnt mit einem Mord: “Auf dem dunklen Holzboden mitten im Zimmer lag die Dame des Hauses. Sie trug einen schicken Pyjama aus weißer Seide. Auch sie war von Pappe eingerahmt. Ein schwarz gepunkteter Messerschaft, eindeutig der eines Globalmessers, ragte mitten aus ihrem hochschwangeren Bauch hervor…”.
Der Fall gerät schnell außer Kontrolle und versetzt Dr. Krause zurück in ihre Vergangenheit, die aus Vernachlässigung und Vereinsamung bestand. Als die Protagonistin schließlich E-Mails von Emily aus Rexville bekommt, dem Ort, in dem sie ihre rechtsmedizinische Ausbildung absolviert hat, beginnt für sie ein Spiel gegen die Zeit.

Das Hauptaugenmerk in „Blutfrost“ liegt nicht etwa bei den genrespezifischen Klischees, wie Blutvergießen und Gemetzel, sondern überzeugt durch eine detailreiche Betrachtung psychologischer Ursachen des Münchhausen-by-Proxy-Syndroms (Wikipedia) und dessen Auswirkungen auf betroffene Kinder und deren Familien. Authentisch und lebensnah lässt Susanne Staun den Leser spüren, was für ein inneren Antrieb Mütter des Münchhausen-Stellvertretersydroms erbarmungslos verfolgen, und welche Ängste betroffene Kinder durchleben. Erschreckend ist, dass die Opfer nicht nur schmerzgeplagt, sondern durch die ständig anstehenden Arzttermine Schulbesuche versäumen, was letzten Endes dazu führen kann, ein Leben lang unmündig zu bleiben.

Zunehmend entsteht in den beiden geplagten Protagonisten Dr. Maria Krause und Emily eine gegenseitige Anziehung. Während Emily eine liebevolle Mutter sucht, wünscht sich Dr. Krause nichts mehr, als eine Tochter, der sie all ihre Liebe zutragen kann. Dabei ist es ihr vollkommen egal, dass ihre neue „Tochter“ Emily für mehr als einen Mord verantwortlich ist.

Mit „Blutfrost“ gelingt es Susanne Staun in einem Thriller ein Sachbuch zu verpacken, das seinen Reiz in seiner durchgeknallten Protagonistin Dr. Maria Krause findet.

Susanne Staun
Blutfrost
291 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50214-5

Lesebericht zu „Braune Orchideen“ von Andreas Schnabel

Sie lesen gerne im Zug, in der U-Bahn oder sonstigen lauten Umgebungen? Kein Problem, Krach hindert die Entwicklung der Geschichte zu keiner Zeit.andreas-schnabel-braune-orchideen

Klappentext:
Sie sieht so friedlich aus, die kleine Gemeinde irgendwo im bergigen Süddeutschland, dennoch birgt sie ein furchtbares Geheimnis. Woher kommt der Hass der Alten, der so groß ist, dass sie sich gegenseitig bestialisch umbringen? Hetzt sie die Gier aufeinander? Ist es vielleicht Angst oder werden sie gar fremdgesteuert? Die Toten sind nicht arm gestorben. Im Gegenteil Sie hinterlassen jeweils viel Geld. Viel zu viel, als dass Erben eine Erklärung verlangen dürfen, ohne sich dabei in Lebensgefahr zu begeben.

Andreas Schnabel lässt eine Aura entstehen, der man sich nur schwer wieder entziehen kann. Das Verwenden regionaler Sprachelemente bereichert den Plot, hilft der authentischen Darstellung des ländlich gelegenen Ortes Schwalbach und reiht sich damit angenehm in den derzeitigen Trend der Regionalität ein.
Schwalbach, ein Dorf, das augenscheinlich von anständigen Bürgern bewohnt wird. Doch sie hüten eine fast vergessene Vergangenheit, für dessen Bewahrung sie über Leichen gehen – ein Schatz aus altem Nazigold.

Liest man aufmerksam und reflektiert, so hat jeder einzelne Charakter seine Daseinsberechtigung und steht stellvertretend für eine weltoffene und aufgeklärte Gegenwart. Von homosexuellen Männern, über die Priesterin Stefanie Jänicke, die zusammen mit dem Polizeibeamten Frank Posselt deren alte Liebe entfacht.

Alle Protagonisten werden realitätsgetreu beschrieben, ohne sich dabei stereotypischer Klischees zu bedienen. Andreas Schnabel erlaubt es den Charakteren natürlich zu sein. So spielt das Leben!

Thematisch gibt es keine Abschweife, um mit erhobenem Zeigefinger über die Verbrechen der NS-Diktatur zu richten. Und doch weiß der Leser am Ende, dass derjenige, der mit beiden Beinen im Leben steht, keinen Nationalsozialismus für sein Ego brauch.

Ein Buch das überrascht und dessen Titel sowie die Gestaltung wohl gewählt wurden.

Unbedingt lesen!

Andreas Schnabel
Braune Orchideen
ISBN 978-3-945458-01-3